8 Tipps gegen den Uni-Stress

Die erste Kennenlernphase ist vorbei und das Semester beginnt vor sich hinzuplätschern wie ein sanfter Bach. Doch der Bach wir bald zu einem Fluss und der Fluss zu einem Wasserfall und der Wasserfall reißt das Schlauchboot auf spitze Felsen zu. So viel Dramatik sollte reichen um zu sagen: Um die Gesundheit der Student*innen ist es kritisch bestellt. Eine Studie der Techniker Krankenkasse zeigt: Student*innen bekommen zwar weniger Medikamente als ihre arbeitenden Altersgenossen verschrieben, dafür bekommen sie mehr Psychopharmaka. Ein möglicher Grund hierfür ist der Stress während des Studiums.

Jeder fünfte Student ist belastet und braucht therapeutische Hilfe. Dabei haben weibliche Student*innen wesentlich mehr Beschwerden als männliche Kommiliton*innen. Doch beide Gruppen beschweren sich über dieselben Stress-Symptome: Kopfschmerzen stehen an erster Stelle dicht gefolgt von „durch Stress erschöpft“. Dem folgen Rückenschmerzen und Schlafprobleme an dritter und vierter Stelle. Gerade Student*innen der Geisteswissenschaften fühlen sich unwohl. Kein Wunder bei den überfüllten Seminaren entsteht purer Stress! An drei verschiedenen Universitäten in drei verschiedenen Bundesländern erlebte ich dasselbe: Dozent*innen schickten Student*innen weg, weil das Seminar überfüllt war. Student*innen saßen auf dem Boden, auf den Fensterbänken um bloß am Seminar teilnehmen zu können. Oft war der Raum so überfüllt, dass wir an der Tür standen und reckten den Kopf so weit wie möglich in den Raum zu zeigen: Wir sind auch da! Es wurde einem schon schlecht, wenn man am Vorabend daran dachte. Kürzlich sagte ein Lehrender, dass das in den 70er Jahren genauso war. Die Bundesregierung sollte sich ernsthafte Gedanken darüber machen, was das für den Bildungsstandort Deutschland bedeutet. Fast ein Drittel der angehenden Geisteswissenschaftler*innen bewertet ihre Gesundheit höchstens mit zufriedenstellend und schlecht. Student*innen der anderen Fächer fühlen sich deutlich wohler.

Insgesamt bewerten 13% aller Student*innen ihr Gesundheit mit „zufriedenstellend“ und 3% mit „weniger gut/schlecht“. Ach, und im Januar beginnt die Klausurenphase! Studien zeigen, dass Student*innen aus Nicht-Akademikerfamilien während der Klausurenphase gestresster sind als ihre Kommiliton*innen aus Akademikerfamilien. Das ist ziemlich uncool, deswegen müssen wir schleunigst etwas dagegen tun.

1. Lieber erst mal keine Mails checken

Wer kennt das nicht: Man setzt sich mit frischer Energie an seinen Tisch. Lernen! Ja, jetzt will ich lernen. Doch da blinkt eine Mail. Und schon ist man darin verstrickt etwas zu lösen oder zu beantworten, was überhaupt nicht mit der Uni zu tun hat. Eine Stunde ist zügig um und die zweite auch. Die Energie ist verbraucht und geschafft ist auch nichts. Wer erst seine Mails checkt, gibt die Zügel anderen Leuten in die Hand. Effektiver ist es die Benachrichtigungen während man lernt auszustellen. So kann man sich lange fokussieren. Und für die Mails bleibt später immer noch Zeit.

2. Finde deine Lernumgebung

Manche lernen am besten in der Universitätsbibliothek. Anderen Leuten macht es keinen Spaß. Auf Dauer wird es kalt, man bekommt Hunger, jemand gibt nervige Geräusche von sich und und und… Wenn dir das auch auffällt, bist du wahrscheinlich kein Bib-Typ, tut mir Leid. Aber das muss nicht schlimm sein. Im Gegenteil, denn jetzt weißt du, dass deine Lernumgebung woanders liegt. Zum Beispiel zu Hause oder im Haus deiner Eltern, aber auf gar keinen Fall in einem Café und schon gar nicht im Café der Unibib. Manche scheitern an diesem Punkt und man sieht sie in drei Jahren noch in der Caféteria hocken, aber nicht lernen. Präsenz und lernen sind zwei völlig verschiedene Dinge.

3. Den Stress nicht überbewerten

Manchmal entsteht Stress auch, wenn man oft daran denkt. Je intensiver man sich Gedanken über den Stress macht, desto intensiver erlebt man ihn. Denn Gedanken lösen eine Form der Autosuggestion aus. Doch wie denkt man nicht mehr an den Stress? Na klar, ein Wochenplan gibt Gewissheit und man kann in Ruhe abschalten!

4. Führe ein Jahres- und ein Wochenplan

Die Organisation eines Studiums nimmt viel Zeit in Anspruch. Oft sogar mehr als gedacht. Die Übersicht behält man mit einem Jahres- und Wochenplan. Wichtig ist es hierbei Freiräume einzuplanen, weil sich immer etwas in die Länge ziehen kann. Nichts ist schwieriger, als einem strikten Plan zu folgen. Und nichts ist effektiverer, als ein lockerer Plan. Für einen Wochenplan reichen kleine Ziele vollkommen aus. Die Zeit, die zur Verfügung steht ist begrenzt und so auch das Arbeitspensum. Mit dem Jahresplan behält man den Überblick.

5. Recherchieren, wiederholen, ausbauen

Obwohl das Bachelor-/Mastersystem tierisch verschult ist, bekommt man den Stoff nicht einfach vorgesetzt. In Einführungsveranstaltungen steht noch jedes Detail auf der Präsentation. Das führt manchmal dazu, dass man das Uni-Leben unterschätzt. In Hauptseminaren erwarten die meisten Dozent*innen, dass sich Student*innen den Stoff selbst aneignen. Dazu gehört eine Vorbereitungszeit von 2 Stunden pro Woche und eine Nachbereitung. Oft genug musste ich erleben, wir jemand gescholten wurde, weil er/sie wohl eine zu einfache Frage gestellt hat. Das war eine sehr unangenehme Situation. Viele Kommiliton*innen mit denen ich sprach sagten, dass sie sich gar nicht mehr trauen Fragen zu stellen.

6. Pausieren, entspannen, bewegen

Auch das gehört zu einem erfolgreichen Wochenplan. Man kann ja nicht ausschließlich arbeiten. Manche entspannen bei einem guten Buch, manche bei einem Film oder gehen gerne aus. Wieder andere bevorzugen Autogenes Training. Bewegung macht Spaß und hält gesund. Beim Laufen zum Beispiel werden Endorphine frei gesetzt. Das Glückshormon macht uns zu zufriedenen und entspannten Menschen.

7. Stress entsteht auch durch Desinformation

Verwirrung und Stress entstehen auch wegen Desinformation. Wo bekomme ich Informationen zum Studienaufbau her? Welches Modul hat welche Voraussetzungen? Wo liegen die Scheine bereit? Liegen überhaupt noch Scheine bereit oder ist es digitalisiert? In der Orientierungswoche wurde vieles hiervon thematisiert. Auf allgemeine Fragen findet man auf den Webseiten der Universität Antworten. Im Studierendensekretariat ist man auch mit speziellen Fragen am richtigen Ort. Also nichts wie hin!

8. Bücher über wissenschaftliches Arbeiten

Sollte man im Idealfall in den ersten Semestern mal gelesen haben. Und schon hat man es in den fortgeschrittenen Semestern leichter. Es gibt tatsächlich diese Leute, die intuitiv ins wissenschaftliche Schreiben rein kommen. Das ist das Ergebnis einer langen und intensiven Lektüre wissenschaftlicher Texte. Doch es gibt auch großartige Lehrbücher zu wissenschaftlichem Schreiben. In jedem Studienfach gelten zudem andere Regeln der Zitation. Es ist empfehlenswert, die Empfehlung des eigenen Instituts auszudrucken.

Um den ganz normalen Stress im Studentenleben zu bewältigen bieten diese Tipps eine Orientierung. Vielleicht hast du weitere Tipps, die die Liste ergänzen? Dann freue ich mich, wenn du sie in den Kommentaren mit uns teilst.

Entspannen kann man übrigens auch mit diesen tollen Detox-Wasser Rezepten!

Hier geht es zum aktuellen TK-CampusKompass, der Studie zur Gesundheit von Student*innen.

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