Adorno, Horkheimer, Arendt und Foucault. Hinsetzen und lesen.

oder auch: wieso der Versuch des Festigens von Fluidem zum Scheitern verurteilt ist. |

„Früher hat man einzelne Sätze bücherweise erklärt. Heute fasst man Bücher in einem Satz zusammen“, las ich mal irgendwo bei irgendwem auf Facebook wahrscheinlich… Das mittlerweile fast schon einzige Medium, was wir Neumenschen immer mehr als Quelle unseres Halbwissens verwenden.

Fehlendes Interesse für PhilosophInnen

Hinsichtlich jahrelanger Lesekreise, in welchem über einzelne Sätze stundenlang philosophiert und diskutiert werden konnte, ist fehlendes Interesse zu Philosophieren über eine Arendt, einen Adorno, Horkheimer, Foucault oder eine de Beauvoir bedauerlich. Stattdessen lernen wir in der Schule, wie wir dicke Bücher in einem einzigen Satz zusammenfassen können. „So wenig Inhalt bergen neuzeitliche Bücher also“, könnte man sich denken – bis Horkheimer und Adorno ins Leben eintreten.

Horkheimer und Adornos Dialektik der Aufklärung in den Händen halten und du weißt, dass es nicht mit jedem Werk der Neuzeit möglich ist, das Gelesene in einen Satz einzuquetschen. Und feierst die beiden großen Köpfe. An deren Werk merkst du, dass einzelnen Sätzen Bücher gewidmet werden könnten…

„Das unidentische, zerfließende Mana wird von Menschen konsistent gemacht und gewaltsam materialisiert.“ , ist ein solcher… ! (Horkheimer/Adorno: Dialektik der Aufklärung, 1944/201321, S. 27).

Adornos radikale Kritik am Vernunftbegriff

Dieser Satz allein beinhaltet so viel auf einmal… Zum einen die radikale Kritik an dem Vernunftbegriff der Aufklärung. Zum anderen birgt er die Erklärung des universellen Selbstzerstörungsprozesses. Ebenso enthält er den absoluten Wahrheitsanspruch des Materialismus – welcher auch ein Produkt der Aufklärungsbewegung ist. Auch kritisiert er die Hierarchisierung von Vernunft zu Natur und von Materie zu Metaphysik! So viel also in einem Satz. So viel, dass jeder Erklärungssatz ebenso erneut einer Erklärung bedürfe. Auch im zitierten Satz gibt es Phänomene, die einer Erklärung und weiteren Exegese bedürfen. So wie beispielsweise der Begriff des Mana.

Horkheimer und Adorno verwenden den Begriff Mana an dieser Stelle nicht zum ersten Mal. In den vorherigen Seiten bereits beschrieben, greifen sie hier das Mana, unter welchem sie die Kraft religiöser oder weltlicher Natur verstehen, wieder auf. Und dieses Mana, was ständig am Wandeln ist, sei in festen Strukturen und Formen gepresst zu finden, um mathematisch erklärt worden zu sein. Um definiert worden zu sein. Um letztendlich also verpulvert worden zu sein. Dies sei – laut diesem Zitat – jedoch kontraproduktiv und entgegen jeglicher Natur des Menschen – wenn man nach einem Zeitalter der Aufklärung überhaupt noch von „Natur“ reden oder schreiben darf. So wird also auch deutlich, wie hier ein Zeitalter auch versuchte, eine Hierarchisierung zwischen Vernunft und Natur zu schaffen. Und dies auch erfolgreich fortgeführt hat – trotz qualitativem Bestreben Horkheimers und Adornos. Und das finde ich pesönlich nun hier das Interessante und bewerte hier Horkheimer und Adorno als die eigentlichen Aufklärer – die leider untergingen. Kaum ein/e Gleichaltrige/r kennt Adorno, geschweige denn, dass er gelesen wird. Auch wenn es schwierig ist, ihn zu verstehen und man ihn nicht am Strand lesen kann, sollte man sich Mühe geben einen Adorno zu lesen.

Danke an alle jungen „Platons“, „Aristoteles“, „Adornos“ und „Horkheimers“ des 21. Jahrhunderts, die sich nicht zu schade sind, ein Buch in die Hand zu nehmen. Und zu lesen.

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