Das Hauptziel des Weltfrauentags war es, das Wahlrecht für Frauen einzuführen. "Heraus mit dem Frauenwahlrecht!", wetterten die Mütter des internationalen Frauentags 1911 und sie waren erfolgreich. Ab dem Januar 1919 konnten Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen und gewählt werden. Das ist keine hundert Jahre her und zu recht wundern sich amerikanische Frauenrechtsaktivistinnen heute: "We can't believe we're still protesting!"  Denn die ungerechte Ungleichheit zwischen Frauen und Männern besteht immer noch fort.

Zehn Millionen Frauen, die im gesellschaftlichen Produktionsprozess tätig sind, die Millionen Frauen, die als Mütter Gesundheit und Leben aufs Spiel setzen, die als Hausfrauen die schwersten Pflichten übernehmen, erheben mit allem Nachdruck Anspruch auf soziale und politische Gleichberechtigung.

Auszug aus der Resolution des ersten Frauentags 1911

sexuelle Belästigung gehört zum Alltag im Büro

Pünktlich vor dem internationalen Frauentag wird die Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes veröffentlicht. Demnach wurde jede zweite Frau am Arbeitsplatz sexuell belästigt und fast jede fünfte Beschäftigte wurde gegen ihren Willen berührt. Jede zehnte Frau gab an, dass sie eine ungebetene Umarmung oder gar einen Kuss bekam.

Die häufigsten Übergriffe sind verbaler Natur, wie doppeldeutige oder offensichtlich unangemessene Kommentare zu Figur und Körperbau. Zunehmend berichten auch Männer von Belästigungen, denen sie am Arbeitsplatz ausgesetzt sind.

soziale Ungerechtigkeit beginnt in der Ausbildung

Junge Frauen werden häufiger in Berufsfeldern mit niedriger Vergütung und mit schlechten Arbeitsverhältnissen ausgebildet. Dazu gehören Berufe aus dem Dienstleistungssektor wie Friseurinnen, Zahnarzthelferinnen und Kauffrauen für Bürokommunikation. Männer überwiegen immer noch in industriellen und technischen Berufen wie Anlagemachaniker, Fachinformatiker und Metallbauer.

Die durchschnittliche Arbeitszeit in weiblich dominierten Berufen überschreitet pro Woche viel häufiger die 40 Stunden-Grenze (22%) als in männlichen Berufen (12,7%).

37,6% der Auszubildenden in weiblich dominierten Berufen leisten Überstunden und selten erhalten sie dafür einen Ausgleich. Bei den männlich dominierten Berufen sind es 33,6% der Auszubildenden.

Es ist ein grundlegender Irrtum, bei der Gleichberechtigung von Gleichheit auszugehen. Die Gleichberechtigung baut auf der Gleichwertigkeit auf, die Andersartigkeit anerkennt.

Elisabeth Selbert, eine der vier Mütter des Grundgesetzes

Das Gender Pay Gap und andere Unsicherheiten

Während die atypische und prekäre Beschäftigung junger Menschen in den letzten Jahren zugenommen hat, geht das Normalarbeitsverhältnis immer weiter zurück. Minijobs, Midijobs, befristete Beschäftigungen und Solo-Selbstständigkeit haben sich immer stärker durchgesetzt. 35% der Frauen und 31% der Männer unter 30 Jahren sind in unsicheren Arbeitsverhältnissen tätig.

Die Einkommenslücke zwischen Frau und Mann, das Gender Pay Gap, liegt derzeit in Deutschland bei durchschnittlich 23%. Das Gender Pay Gap schwankt je nachdem ob eine Frau eine Tarifbindung hat oder nicht. Frauen ohne Tarifbindung verdienen 29,6% weniger als ein gleichaltriger männlicher Kollege mit derselben Qualifikation. Frauen mit einer Tarifbindung verzeichnen ein Minus von 15,6%.

"In Europa haben Frauen Zugang zu Bildung und Arbeit. Obwohl ihre akademische Leistung oft besser ist als die der Männer, werden sie auf der Arbeit diskriminiert, verdienen weniger und finden es schwierig die Balance zwischen Familien und Arbeit zu finden. Das führt dazu, dass sie ihre Jobs verlassen und sich um die Kinder oder andere Personen kümmern", sagte Iratxe García Pérez, die Vorsitzende des Ausschusses für die Rechte der Frau und Gleichstellung der Geschlechter des europäischen Parlaments, im Interview.

Das waren nicht sehr erfreuliche Nachrichten zum internationalen Frauentag. Schließlich ist es noch zu früh, um sich zu freuen und Siege zu feiern. Dieser Artikel umfasst bei weitem nicht das gesamte Spektrum an Diskriminierungen, die Frauen täglich ertragen müssen. Frauen sind häufiger Opfer von häuslicher Gewalt und werden gestalkt. Eine von drei Frauen ab 15 Jahren hat schon Erfahrungen mit Gewalt gemacht. Eine von fünf Frauen wurde schon mal verfolgt. Vielleicht sind wir in Deutschland mit einer #Frauenquote, die heute in Kraft tritt, einen kleinen Schritt weiter. Aber gleichzeitig zeigt die Notwendigkeit dieses Schrittes auch, dass in diesem Bereich noch sehr viel zu tun ist. Und deshalb unsere Forderung:

Auf, in eine gerechtere Welt... Ahoi !

Alles Gute zum Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden! Wir haben noch viel zu tun!

Bildquelle: www.CoolPhotos.de

http://www.lpb-bw.de/08_maerz_frauentag.html

http://www.aktiv-gegen-diskriminierung.info/blog/we-cant-believe-we-are-still-protesting

http://www.huffingtonpost.de/2015/03/03/sexuelle-belaestigung-alltag_n_6790558.html

http://www.europarl.europa.eu/news/de/news-room/content/20150306STO31738/html/Facebook-Interview-mit-Garc%C3%ADa-P%C3%A9rez-Bildung-ist-ein-Menschenrecht

http://denkerinnen.de/i-have-a-dream

Dieser Beitrag wurde am 13.03.2016 aktualisiert.

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