Der Maler bringt die Illusion der Räumlichkeit auf die Leinwand, der Bildhauer bringt den Abguss einer Person in den Raum. Während der Maler die Komposition mittels Farben darstellt, arbeitet ein Bildhauer mit der Luft, d.h. mit dem luftleeren Raum in der die Skulptur steht. Dem Verhältnis von der Skulptur mit dem Raum kommt eine besondere Bedeutung zu.

Zersetzt der Raum etwa die Sklptur, macht sich die Skulptur klein, kann das als ein Hinweis für Schwäche, Empfindsamkeit und Zerbrechlichkeit gelten. Wenn sich die Skulptur jedoch ausrbreitet, gleichsam in den Raum greift, deutet dies wohl eher auf Kraft, Macht und Härte hin. Rainer Maria Rilke beschreibt Rodins Plastiken als Objekte, die in den Raum eingepasst sind. Diese Plastiken aus Rodins Hand sind für Rilke selbstständig und strahlen Größe aus:

"Fur Rodin war immer schon die Teilnahme der Luft von großer Bedeutung. Er hatte alle seine Dinge, Fläche für Fläche, in den Raum gepaßt, und das gab ihnen die Größe und Selbstständigkeit, dieses unbeschreibliche Erwachsensein, das sie von allen Dingen unterschied."

Rodins berühmteste Werke sind zweifelsohne das Höllentor, darunter insbesondere der Denker; die Bürger von Calais; das Eherne Zeitalter; der Kuß und die Bronzeplastik Balzac.

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Quelle: http://augusterodingss.wordpress.com/ausgewahlte-werke-rodins/balzac/

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Für die Fertigsstellung der Bronzeplastik von Balzac (1799-1850) hat Rodin sieben Jahre gebraucht. In diesen sieben Jahren hat er sich eingehend mit der Persönlichkeit des französischen Schriftstellers befasst. Rodin hat alle Werke Balzacs gelesen. Er las sie immer wieder und aus jeder Figur und jeder Wende in den Erzählungen Balzacs zog Rodin Rückschlüsse auf den Schriftsteller. Ebenso eingehend hat er die Briefe des Schriftstellers studiert, hat die Heimat Balzacs besucht, wie auch die Landschaften von Touraine, die in den Werken des Schriftstellers immer wieder Schauplatz des Geschehens sind. Zeitgenossen sind diese beiden großen Persönlichkeiten nicht, aber aufgrund seiner Studien hat Rodin tiefe Einblicke in das Innenleben des Schriftstellers bekommen. Schließlich beschreibt Rilke die Plastik die Rodin geformt hat folgendermaßen:

"Rodin hat ihm [Balzac] eine Größe gegeben, die vielleicht die Gestalt eines Schriftstellers überragt. Er hat ihn im Grunde seines Wesens erfaßt, aber er hat an den Grenzen dieses Wesens nicht Halt gemacht; um seine äußersten und fernsten Möglichkeiten, um sein Unnerreichtes hat er diesen mächtigen Kon-tur gezogen, der in den Grabsteinen fernvergangener Völker vorgebildet scheint."
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In der Tat hat Rodin kein naturalistisches Abbild des Schriftstellers angefertigt, sondern Balzacs innere Wirklichkeit abgebildet. Bei seinen Zeitgenossen stieß er damit auf große Ablehnung und behielt 1898 das Gipsmodell für sich, das erst Jahre später in Bronze gegossen wurde. Diese groben und unfertig erscheinenden Formen im Gesicht und der große klumpige Kopf der Skulptur drücken etwas in einer Formsprache aus, die Rodin am besten kennt. Wieso mag Rodin den Körper des Dichters unter einem langen Umhang verhüllen, wenn es doch eine Aktstudie für den Balzac gibt? Scheinbar sieht Rodin Ähnlichkeiten zwischen den unauffälligen Figuren in den Werken und in der Persönlichkeit Balzacs so, dass er den Körper des Schriftstellers versteckt und einzig und allein das für Rodin so typisch grob bearbeitete Gesicht dem Betrachter Informationen gibt. Rodin besaß die Gabe Gedanken, Gefühle und Eigenschaften in Formen zu fassen und dies scheint dem durchschnittlichen Menschen nicht verständlich. Genauso ging es Rodins Zeitgenossen, die in der Skulptur Balzacs gar eine Schande sahen.

Bild-Quellen:

http://augusterodingss.wordpress.com/ausgewahlte-werke-rodins/balzac/

http://yourbugisatypewriter.blogspot.de/2009_03_01_archive.html

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