Jeder Fünfte Bewohner Deutschland's lebt alleine, führt im stillen Kämmerlein ein Single Dasein. 2011 gab es rund 15,9 Millionen Alleinlebende Menschen. Besonders stark von der Einsamkeit betroffen sind junge Männer und ältere Frauen. Die Zahl alleinlebender Frauen stieg seit 1991 um 16 Prozent, die alleinlebender Männer um 81 Prozent. Dabei boomt es in Partnervermittlungsbranche wie noch nie. Mit Hilfe von Internet und socialmedia ist es quasi bis zum Glück nur noch einen Click entfernt.

Mia und Paul stehen auf der Brücke, dessen beider Ufer der Main verbindet. Diese Brücke ist ein beliebter Treffpunkt von frisch-Verliebten. Sie besiegeln hier ihre unendliche Liebe symbolisch, in dem sie, wie andere Hunderte Verliebte, ein Schloss an der Brücke anbringen. Es hängen die unterschiedlichsten Formen, Farben und Größen von Schlössern. Fast alle haben eine Gravur mit Namen und Datum. Sie sind fast schon der Schmuck dieser Brücke. Beim Entlanglaufen kann man die Schlösser begutachten. Aus aller Welt haben sich hier verliebte Paare wiedergefunden und ihr Glück an der Brücke Kund getan. So auch Mia und Paul, sie wollen sich Lieben, bis über den Tod hinaus.

Dass diese Szenen oft erlebt werden, kann man sich gut vorstellen, dass die Szenen zu einem Happyend Film gehören wohl eher nicht. "Das Alleinleben ist – und zwar über alle Altersgruppen hinweg – ein fester Bestandteil der Lebenswirklichkeit in Deutschland", sagt Roderich Egeler, Präsident des Statistischen Bundesamtes bei der Vorstellung des Mikrozensus zur Situation der Alleinlebenden in Deutschland. Demnach lebte im Jahr 2011 jeder Fünfte allein. Besonders stark betroffen sind Großstädte, in denen man eigentlich von einer größeren Möglichkeit der Partneralternativen ausgehen würde. Laut Statistik ist das nicht der Fall. Die veränderten gesellschaftlichen Wirklichkeiten lassen den heutigen Individualisten kaum Raum und Zeit, groß auf Partnersuche zu gehen. Erst Karriere dann Familie lautet für viele junge Menschen die Devise, die sowieso schon bei ihrer Ausbildungslaufbahn im internationalen Vergleich um Jahre hinterher hängen. Der Glaube, sowohl Familie als auch Beruf unter einen Hut zu bekommen ist bei ihnen längst entschwunden. Eben auch aus diesem Grund, und sicherlich auch Wahl-bedingt, plädieren viele Politiker für die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland.

Ein anderer nicht ganz unbeachtlicher Faktor des Single-Booms, sind die stetig steigenden Lebenshaltungskosten. Immer mehr Menschen kommen mit dem Geld, das sie verdienen nicht mehr über die Runden. Der Sozialstaat muss entweder teilweise oder ganz aufstocken. Besonders stark betroffen sind junge Menschen mit schlechter beruflicher Qualifikation oder  Rentner. Das bereits angekratzte Image des Hartz-IV Empfängers macht sich eben in der Welt der Partnersuchenden nicht besonders gut, so dass sich viele im Vorfeld gegen eine Beziehung entscheiden, wenn auch notgedrungen. Die inneren Werte eines Menschen lassen sich im 21. Jahrhundert nicht wirklich gut vermarkten. Das Äußere der Suchenden wird hoch angerechnet, und das wiederum benötigt bei der breiten Bandbreite der Kosmetikgalaxie eine bestimmte Konsumkapazität.

Mia hat vor Paul bereits mit zwei anderen jungen Männern auf dieser Brücke ein Schloss angebracht. Auch bei den Vorgängern war sie sich eigentlich sicher, dass es diesmal "die große Liebe" für die Ewigkeit sei. Sie erzählt, dass ihre Eltern das nicht so toll finden, dass sie so häufig den Freund wechselt, aber einmischen würden sie sich nicht, denn sie sei ja schon volljährig. Auf die Frage ob denn nicht aus dem Umfeld und Freundeskreis keine "soziale Sanktion" komme antwortet die junge Frau schlicht mit einem "Nö-wieso denn? Machen doch alle so".

 

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