Ein Tag wie jeder andere. Ich sitze im Regionalexpress der Deutschen Bahn Richtung Stuttgart. Mache mir schon Gedanken über den stressigen Tagesablauf und es bilden sich Falten auf meiner Stirn.

"Ach, wie wäre es wohl, wenn ich einfach zu Hause bliebe und mal wieder Zeit für mich hätte. Ganz für mich allein. Ohne mir Gedanken über meine Verpflichtungen und Aufgaben zu machen. Das wäre doch zu schön um wahr zu sein..."

Wieder Hektik rund um mich herum.
Menschen, die atemlos durch die Türen des Zuges stürzen und glücklich sind, diesen nicht verpasst zu haben,
Menschen, die mit ihren Arbeitsunterlagen -sei es Laptop, Tablet oder ein Buch- die Fahrt sinnvoll zu überbrücken versuchen oder vielleicht noch auf dem letzten Drücker ihre To-Do-Liste abhaken,
Menschen, denen man ansieht, dass sie eine schlaflose Nacht hinter sich gebracht haben und während der Fahrt das Versäumnis wiedergutmachen wollen,
Menschen, denen Verzweiflung und Sorge förmlich im Gesicht steht und die mit Problemen zu kämpfen haben,
Menschen, die in ihr Smartphone versunken in den virtuellen Welten herumreisen und deren Fingerfertigkeit bewunderungswert ist,
Menschen, die auf ihre Haltestelle warten, um aussteigen zu können und hastig auf ihre Uhr starren, weil sie vermutlich in Eile sind und sich verspäten werden,
Menschen, die ein- und aussteigen, die reden, lachen, telefonieren, sich über dieses und jenes beschweren,
Menschen, die einfach da sitzen und aus dem Fenster blicken - so wie ich heute.

Für einen Moment konnte ich plötzlich all das ausschalten und die Ruhe genießen. Aus dem Fenster blickend, sah ich wie die Landschaft an mir vorbei ging. Ich bemerkte, dass der Frühling sich in seiner atemberaubenden Schöhnheit der Welt ankündigt. Wie schön doch jede einzelne Blüte das Gewand der halbkahlen Bäume ziert und wie wundervoll die bunten Farben der Natur miteinander harmonieren.
Ein Sonnenstrahl trifft direkt auf mein Gesicht und ich muss reflexartig blinzeln. Ich lächle unbewusst. Selbst die Sonne hört nie auf zu strahlen, nie bläst sie Trübsal und hat keine Lust. Jeden Tag auf's Neue lächelt sie uns und alle anderen Lebewesen an.

Ich merke wie die Ansicht dieser Schöhnheit plötzlich trüb wird, da meine Augen angefangen haben zu tränen. Ich muss erneut lächeln und dabei kullert mir eine Träne über die Wange, die ich gleich abwische. Lange schaue ich mir die Flüssigkeit an der Fingerkuppel meines Zeigefingers an und verschwische sie dann mit meinem Daumen.

Das Leben kann so schön sein, wenn man es nur durch den richtigen Blickwinkel zu betrachten weiß und den  Augenblick genießen kann.
Hektik und Stress sind nun einmal ein fester Bestandteil unserer schnelllebigen Welt. Wir sind ständig in einem Wettrennen mit der Zeit. Sie rast uns davon. Wir beschweren uns permanent darüber, dass uns die Zeit für die schönen Dinge des Lebens fehlt. Eigenltich hätten wir mehr Zeit gespart, wenn wir allein schon mit den Beschwerden aufhören würden.
Oder sagen wir es mal so: Es gibt sicherlich schönere Dinge im Leben als das Arbeiten, zur Uni gehen oder sich um den Haushalt kümmern. Aber eigentlich kann jede Facette des Lebens wunderschön und unvergesslich sein! Man muss nur mit dieser Überzeugung, die Dinge in die Hand nehmen, dem Stress ins Gesicht lächeln und "Hey, schön dich wiederzusehen" sagen können...

Ich gebe zu, es hört sich alles zwar sehr utopisch an, aber ich lächle sogar jetzt bei jedem Satz, den ich auf meiner Tastatur eintippe  und mitten in der Nacht, mich in meinem Laptopbildschirm sonne...
Es ist möglich. Ausprobieren lohnt sich. Kann nicht schaden. Jeder Augenblick zählt!

*Bildquelle:  http://images4.alphacoders.com/118/118588.jpg

Share

Tags: , , , ,