Was sind Gefühle? Mit dieser Frage geht jede Wissenschaft anders um. Während die einen behaupten, Gefühle seien chemische Prozesse, argumentieren die anderen mit einer Konstruktion von Verhaltensmustern. So auch Arlie Russell Hochschild in ihrem Buch "Das gekaufte Herz". Anhand von verschiedenen Untersuchungen, die sie bezüglich der Gefühlsarbeit in den verschiedenen Berufen durchgeführt hat, versucht sie die oben gestellte Frage zu beantworten und auch die Unterschieden bezüglich der Geschlechter zu erläutern.

So stellt sie, nachdem sie die Theorie zur Gefühlsarbeit geliefert hat, die These auf, dass Frauen mehr und vor allem eine andere Art von Gefühlsarbeit leisten als Männer. Grund für diese Behauptungen sei, dass Frauen nur unter erschwerten Bedingungen einen unabhängigen Zugang zu Geld, Macht, Autorität oder gesellschaftlichen Status verfügen.

Daraus ergeben sich nach Hochschild vier Schlussfolgerungen: 1)Frauen bieten Männer mangels anderer Möglichkeiten ihre Gefühle im Austausch gegen materielle Mittel an. Für Frauen stelle die Fähigkeit zum Gefühlsmangement und zur Beziehungsarbeit eine entscheidende Möglichkeit dar, finanziell aufzusteigen. 2) Die geschlechterspezifische Formen der Gefühlsarbeit verlangt, dass Frauen Arbeiten wie Flugbegleiterinnen (verbunden mit Freundlichkeit, Bemutterung und Care-Arbeit) nachgehen, während Männer Inkassoangestellte (verbunden mit Beängstigung, Wut und Härte ) werden. Diese Spezifizierung gehe auf die unterschiedliche Gefühlserziehung bei Mädchen und Jungen zurück. Mädchen werden so erzogen, dass eher als Gefühl die Nettigkeit, Empathie- und Mitgefühl im Vordergrund steht, während den Jungs diese Gefühls- und Verhaltensweisen als unmännlich dargestellt wird. 3) Frauen sind häufiger Objekte unpassender Gefühlsäußerung. Dort führt Hochschild das Beispiel der Flugbegleiterinnen aus, die bei einer Aussetzung von verbaler Entgleisungen von Passagieren  ihre männliche Kollegen zu Hilfe ruft, um mit der grundlosen Aggression zurechtzukommen. 4) Es herrscht eine geschlechterspezifische Gefühlsdarstellungen im Berufsleben. Während von Frauen die Zurschaustellung ihrer sexuellen Reize, ihres Charmes, ihrer Beziehungskompetenzen gefordert wird, werden von Männer Fähigkeiten, wie Verärgerung zu zeigen oder Androhungen zu machen gefordert.

Wichtig hierbei ist, dass Hochschild in ihrem Buch auf ein ganz wichtiges Phänomen aufmerksam macht: Die Kommerzialisierung und Ausbeutung der Gefühle. Menschen und ihre Gefühle werden immer mehr Teil der Unternehmen und die Grenze zu dem wahren und dem falschen Selbst, welche sie im letzten Kapitel anspricht, wird zunehmend verschwommener. Empfehlenswertes Buch für alle, die sich mit Gefühlen einmal etwas anders auseinandersetzen wollen!

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