Dieses charmante Kerlchen löste eine Debatte sondergleichen aus und kam dabei zu großem Ruhm. Um das Urheberrecht des sogenannten Affen-Selfies zanken sich der Fotograf David Sleter und Wikipedia. Es ist nicht lange her da empfand man Selfies eher peinlich als trendig. Ob mit Duckface, Haustier, Jammer-Blick oder einer gehobenen Augenbraue, mit dem Selfie kann man sich schnell und einfach mitteilen: "Seht her! Das bin ich!". Der Spiegel schreibt sogar von einer Generation Selfie. Ob der Schneeballeffekt seit dem Oskar-Selfie anhält oder bald wieder abflaut wird sich zeigen. Experten bewerten das Selfie als ein Syndrom von Narzissmus und mentalen Störungen. Dr. David Veale verbindet die zwanghafte Gewohnheit immer wieder Bilder von sich ins Netz zu stellen vor allem mit der körperdysmorphen Störung (KDS).

Die Körperdysmorphe Störung

 

Betroffene beschäftigen sich obsessiv mit einem leichten oder einem eingebildeten Makel in ihrem Gesicht oder an ihrem Kopf. Dazu können gehören:

- asymmetrische Gesichtsmerkmale

- Falten

- eine zu große/schiefe Nase

- schütteres Haar

- schiefe Zähne

- ein zu großer/kleiner Kopf

Sie verbringen mehrere Stunden täglich damit zu über ihren Makel nachzudenken und leiden unter ihren zwanghaften Vorstellungen. Sie vergleichen ständig ihr eigenes Aussehen mit dem anderer Personen. Ihr Alltag ist durchstrukturiert mit exzessiven Pflegerituaelen (ausgedehnte Waschrituale, Peelings, Masken, Kuren, ständiges Nachverbessern von Make-Up, etc.). Sie überprüfen wiederholt ihr Aussehen im Spiegel, auf anderen reflektierenden Oberflächen oder fragen ihre Mitmenschen.

Die große Unzufriedenheit mit ihrem eigenen Aussehen treibt sie zu Dermatologen und/oder plastischen Chirurgen. Häufig sind die Betroffenen mit dem Ergebnis der Behandlung unzufrieden.

Folgen des KDS sind ein permament erhöhter Stresspegel, Depressionen, Angststörungen, Selbstmordgedanken und Selbstisolation.

(Diese Infobox ist nicht zur Selbstdiagnose gedacht. Bitte suchen Sie bei Verdacht einen Experten auf.)

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Früher peinlich, heute hip: das Selfie. Bildquelle: http://www.powerfun.de/content.php?c=123&title=Mr+Bean+Selfie&image=bdb9e0e3da01dbc24fd7557d1c9e6790.jpg

Im Jahre 2013 von The Oxford English Dictionary zum Wort des Jahres gewählt, wurde das Selfie zu einem bahnbrechenden Trend.

Ellen DeGeneres' und Bradles Coopers berühmtes Selfie wurde allein während der Oskarverleihungen um die 2 Mio. mal retweetet. Dieses Bild stahl nicht nur den Gewinnern die Aufmerksamkeit, sondern ließ auch die Server von Twitter zum zusammenbrechen.

Vom exklusiven Selbstbildnis zum ganz normalen Selfie

Die ersten Selfies stammen aus der Malerei und werden Selbstbildnis genannt. Sie waren nur denen vorbehalten, die das handliche Geschick hatten sich selbst naturgetreu abzubilden, also den Künstlern.

Und natürlich waren es die Herrscher, der Adel und später auch die Bürgerlichen die Porträts von sich selbst anfertigen ließen. Dies waren selbstverständlich normale Porträts und keine Selbstbildnisse á la Selfie.

Heute machen auf der ganzen Welt Frauen, Männer und manchmal auch Kinder Bilder von sich selbst und laden sie auf Social Media Plattformen hoch.

Das Selfie - eine Momentaufnahme

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Bild: Pixabay

Prof. em. Eugenie Shinkle an der Universität von Westminster unterstreicht die Kurzlebigkeit des Selfies.

Während ein Porträt das ganze Wesen der abgebildeten Person erfassen soll, erfasst das Selfie nur den Moment. Was das Porträt und das Selbstbildnis eint, ist die Abbildung des Charakters einer Person für die Nachwelt.

Bei dem Selfie kommt die Persönlichkeit kaum durch, denn das Bild soll vor allem schön oder irgendwie vorzeigbar sein.

Der erste Selfie-Abhängige Danny Bowman

Danny Bowman (19) hat sein erstes Selfie mit 15 Jahren auf Facebook gepostet. Der junge Mann verließ mehrere Monate nicht das Haus, verlor rasch an Gewicht und flog von der Schule. Er schoss um die 200 Selfies am Tag, um "das" Bild zu machen. Doch jenes lang ersehnte Bild ließ sich nicht schießen. Immer gab es etwas daran auszusetzen. Und das trieb den jungen Mann letztendlich zu dem Versuch sich selbst das Leben zu nehmen.

Diagnose: Digitaler Narzissmus

In Großbritannien wird die Social Media Sucht offiziell als Krankheit anerkannt. Nach Angaben von thinkinghumanity.com suchen jährlich mehr als 100 Patienten mit einer Social Media Sucht eine ärztliche Behandlung auf.

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Der Makake-Affe auf dem Bild hat ganz andere Sorgen.

Experten beäugen die weite Verbreitung des digitalen Narzissmus kritisch. Selfies können dem Selbstbewusstsein schaden. Wer ständig Selfies postet kann der Abhängigkeit von Aufmerksamkeitserregung erlegen. Dies wiederum mündet in Narzissmus oder in extrem niedriges Selbstbewusstsein. Denn nicht jedes Feedback ist positiv.

Außerdem werden Personen die "zu viele" Selfies von sich ins Netz stellen einen negativen Eindruck hinterlassen. Personen die aus diesem Grund als arrogant oder selbstverliebt wahr genommen werden laufen Gefahr mehr Freunde zu verlieren als zu gewinnen. Die Anzahl von Likes und Comments zeigt meist nicht an wie beliebt jemand tatsächlich ist.

Der Makake Affe auf dem Beitragsbild wird sich wohl weniger Sorgen um Likes und Comments machen und kümmert sich um weitaus wichtigere Dinge im Leben. Zum Beispiel darum wo er die nächste Banane findet oder eine schöne Makaken Dame.

Quelle des Beitragsbilds:

http://www.tagesspiegel.de/images/sulawesi/10310720/2-format43.jpg

Videoquelle:

https://www.youtube.com/watch?v=ub60hy7P4Og

Textquellen:

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/recht-steuern/wem-gehoert-das-affen-selfie-die-urheber-rechte-13086137.html

www.koerperdysmorphestoerung.de/index.html

http://www.mirror.co.uk/news/real-life-stories/selfie-addict-took-two-hundred-3273819

http://www.thinkinghumanity.com/2014/06/scientists-link-selfies-to-narcissism-addiction-mental-illness.html

 

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