Die 80er rocken das Städel Museum

Heute (am 22.07.2015)  ist die Ausstellungseröffnung zur figurativen Malerei der 80er im Städel Museum und wir waren vor Ort. Nach einer mehr oder weniger entbrannten Diskussion darüber, ob weibliche Künstlerinnen verkannt sind, begann die Vorbesichtigung am vorherigen Tage. Bernd Zimmer hat uns verraten, was er über die zeitgenössische Kunst denkt und Salomé hat uns mit seinen Bildern erschüttert. In der Galerie findet ihr eine Auswahl der ausgestellten Werke. Anklicken, ansehen, staunen!

In den 60ern und 70ern erfuhren Strömungen wie die reduzierte Minimal Art und die Konzeptkunst einen hype. Performances und Installationen, Film und Fotografie standen an westdeutschen Hochschulen im Mittelpunkt des Interesses. Die figurative Malerei galt als unzeitgemäß, erlebte jedoch in den frühen 1980er Jahren eine Neubelebung. Georg Baselitz, Gerhard Richter und Sigmar Polke bereiteten den Boden für das Revival der gegenständlichen Malerei. Sie gelten als die Vorläufer der Jungen Wilden. 

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Ausstellungsansicht „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“ Foto: Städel Museum

Der Name bezieht sich auf den Titel der Ausstellung „Les Noveaux Fauves – Die Neuen Wilden“ der Galerie Ludwig in Aachen. Die Ausstellung fand 1980 statt und macht auf die Ähnlichkeiten des Fauvismus zu Anfang des 20. Jahrhunderts und den expressionistischen Tendenzen der damals zeitgenössischen Kunst aufmerksam. Unter anderem waren Werke von Georg Baselitz, Markus Lüpertz und Anselm Kiefer ausgestellt.

Die Künstler die man in den 80er Jahren als Junge Wilde etikettierte waren um die 10 Jahre jünger und in der Ausstellung Les Noveaux Fauves nicht vertreten.

Was man auf den Leinwänden im Städel Museum sieht ist nicht schön, sondern kritisch, reißerisch, aggressiv, teilweise verstörend, manchmal schmerzhaft und vor allem expressiv. Es geht um Gewalt, es geht um Körper und darum, dass Körper in der modernen Welt aufgehangen werden wie Konsumobjekte, wie beim Metzger, eben so wie es Salomé und Luciano Castelli auf einer Malerei darstellen. Was ist der Wert dieser Körper? Was ist der Wert des Menschen der dahinter steckt?

Ganz anders sind die Bilder von Bernd Zimmer. In „U-Bahn“ von 1978 sieht man geometrische Formen die sich als fahrende U-Bahn entpuppen und auf dem Bild „Feld, Raps“ sieht man eben dieses. Zimmers großformatige Landschaftsdarstellungen entstanden in der Berliner Subkulturszene der Schwulenbewegung, des Punk und des New Wave. Seine Werke bilden einen erstaunlichen Kontrast zu den anderen Künstlern. Sie vermitteln fast schon eine widersprüchliche Entspannung. In satten Gelb- und Ockertönen oder in grau, schwarz und weiß lotet Zimmer die Grenzen der Malerei aus.

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Ausstellungsansicht „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“ Foto: Städel Museum

Auf der Vorbesichtigung bekamen wir die Gelegenheit mit den ausstellenden Künstler*innen zu sprechen. Eine Leserin bat mich zu fragen, wie jemand bemerkt, dass er Künstler werden will oder muss. Der Bitte bin ich bei der ersten Gelegenheit nachgegangen und habe Bernd Zimmer gefragt, wann er bemerkt hat, dass er zur Kunst berufen sei. Seine Antwort ist so erfrischend ehrlich und wie nüchtern: „Ich habe mich nicht als Künstler gefühlt. Es ist eine Arbeit die man annimmt, dann merkt man das Potenzial und es entwickelt sich. Ich weiß gar nicht ob es Kunst ist,“ sagt Zimmer während er sich umblickt. „Kunsthonig, Kunstpapier, künstlich, Kunst ist ein schwerer Begriff. Eigentlich ist es Malerei.“

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Ausstellungsansicht „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“ Foto: Städel Museum

Die Debatte darum, was eigentlich Kunst ist, kann man jederzeit entfachen und vielleicht ist sie manchen schon überdrüssig, weil seit dem Byzantinischen Bilderstreit diskutiert und der Renaissance neu definiert wird. Doch im Grunde wird die Frage immer wieder gestellt und immer wieder entscheiden Menschen, was sie als Kunst akzeptieren und ins Wohnzimmer hängen und was nicht. Bernd Zimmer hat einen ganz anderen Anspruch hat als viele andere und sieht die Kunst nicht im Rahmen von Geld und Anlagen. Auf die Frage, ob die zeitgenössische Kunst eingeschlafen sei antwortet er: „Die [zeitgenössische Kunst] ist so vielfältig, dass man nicht mehr weiß, was gut und was schlecht ist. Die ist nicht mehr so kanonisiert wie früher. Früher gab es 100 oder 200 Künstler, heute gibt es 2000. Damals haben wir es gemacht, weil es uns Spaß gemacht hat. Heute geht alles mit Geld. Unser Thema war gar nicht das Geld.“

 

Noch mehr Wissenswertes und Bilder findet ihr im Digitorial des Städel Museum.

Die Ausstellung läuft bis zum 18. Oktober. Schaut unbedingt rein und vielleicht begegnen wir uns ja mal. Falls wir uns nicht begegnen sollten, könnt ihr eure Eindrücke über den Blog mit uns teilen.

 

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