„Die Welt in deiner Stadt“

Als ich zum ersten Mal von dem Projekt „Das Mannheimer Erbe der Weltkulturen“ hörte, muss ich ehrlich gestehen, konnte ich mir nicht genau vorstellen, worum es genau gehen sollte. In der Anfrage-Mail stand, dass es sich um ein Projekt handelt, in jenem Menschen mit Migrationshintergrund, welche in Mannheim ansässig sind, aufgefordert wurden etwas („vom Gebrauchsgegenstand über Musik-Tanz-Ritual bis hin zum Ideellen“) aus ihrem Herkunftsland als Erbe vorzuschlagen. Das vorgeschlagene Erbe kommt dann in die Liste der Mannheimer Erbe der Weltkulturen.

Ohne wirkliche Erwartungen begab ich mich also am Freitag, dem 20.01.2017 nach Mannheim. Die große Show des Projekts, welche übrigens unter der Schirmherrschaft der deutschen UNESCO-Kommission steht, fand im Ratssaal der Stadt statt und schon beim Eingang erkannte der*die Besucher*in, dass dies ein sehr bunter und kulturreicher Abend sein wird, denn viele verschiedene Menschen mit verschiedenen Hintergründen und traditionellen Kleidungen befanden sich im Foyer.

Um 18:00 ging es dann los. Das 21-köpfige Komitee bestand aus Mannheimer*innen, die ebenfalls aus verschiedenen Kulturkreisen kommen. Knapp 100 Beiträge wurden an zwei Tagen präsentiert und über 120 Bürger*innen wirkten an beiden Tagen mit. So dauerte die Show insgesamt 12 Stunden. Jedes Land hatte 5 Minuten Zeit das jeweilige Kulturerbe zu präsentieren. Interessant ist der Fakt, dass Mannheim als erste Stadt in Deutschland solch eine Liste mit vielen verschiedenen Kulturerben bekam.

So saß ich am Freitag vier Stunden in dem Ratssaal und hatte die Möglichkeit, die vielen Länder, die vertreten waren und ihre Diasporen in Mannheim zu bestaunen. Die kritische Soziologin in mir versuchte dabei immer wieder irgendwelche Machtstrukturen zu finden, die mich stören könnten. Aber mehr als einen Vortag, der zu Beginn der Show über die Integration ging, aber Integration mit Assimilation vertauschte, konnte ich nicht kritisieren. Das Projekt an sich wird von einer Gruppe, die, so wie es scheint, mehrheitlich aus der Mehrheitsgesellschaft stammt initiiert, jedoch sind andere Mitwirkende und die Unterstützer*innen aus vielen verschiedenen Kulturkreisen beteiligt. Die Intention des Projektes sei es, Migrant*innen und auch Flüchtlingen eine Autorität zu verleihen und diese durch die Erstellung einer solchen Liste mit in den soziokulturellen Diskurs in Mannheim einzubinden. Durch diesen Machtwechsel, bzw. Machtübergabe soll bezweckt werden, dass die Definition eines anderen Kulturkanons, bzw. einer Erweiterung des bestehenden Kanons ermöglicht wird. (siehe http://weltkulturenerbe.de/projekt/)

Macht, Autorität und kritische Soziologie hin oder her: Viele Beiträge gingen mir, aufgrund der aktuellen politischen Situationen in den Ländern, sehr nah. Auch, dass die Show an dem Tag von der Vereidigung des neuen US-Präsidenten Trumps stattfand, hatte eine gewisse Ironie. Denn im Ratssaal haben wir Mannheim und die Welt für 4 Stunden zu einem Ort gemacht, in dem Begegnungen geschaffen wurden, indem Kunst, Kultur und Vielfältigkeit von Vielen aufeinander traf, ohne Mauern, ohne Grenzen, ohne (Berührungs-)Ängste. Von Werten, wie Freundschaft über Pflanzen, Tee, Orte, Festtage, Personen, Schriftzeichen, Tänze, Lieder und Musik im Allgemeinen bis zu Instrumenten war alles mit dabei. Diese ganzen verschiedenen Kulturen leben in einer Stadt seit Jahren zusammen, ohne, dass viele voneinander überhaupt wissen. Durch das Projekt wurde gleichzeitig ein Rahmen geschaffen, um durch die Kulturerben geschichtliche und politische Themen (wie etwa den Kolonialismus) aufzugreifen.

Ich glaube resümiert werden, kann die ganze Veranstaltung mit folgendem Satz:

„Das Mannheimer Erbe der Weltkulturen ist gelebte Kultur in einem Einwanderungsland.“

Hier ein paar coole Fotos [(c) Arthur Bauer]:

Togo
Beitrag von Togo
Newroz
iranischer Beitrag: Newroz-Fest
syrischer Beitrag
syrischer Beitrag: die Jasmin-Pflanze
Haiti
haitianischer Beitrag: Schallplatten
Südafrika
südafrikanischer Beitrag: zusammen musizieren/Musik
Tunesien
Kostproben für das Komitee
Niederlande
holländischer Beitrag: Bilder von Mannheim „in a nutshell“
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schwedischer Beitrag: Lucia
Armenien
armenischer Beitrag: Tanz
Jemen
jemenischer Beitrag: traditionelles Tuch. Hier wird das Tuch dem Moderator umgebunden.
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namibianisches Spiel: Mancala
Schweden
Dieser kleine Junge lebt seine ganz eigene Kultur der Entspannung aus.
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Und zum Schluss eine Begegnungskultur.

[tip_box]Weitere Informationen zu dem Projekt findet ihr auf http://weltkulturenerbe.de/[/tip_box]

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Für alle Mannheimer*innen und Umgebung: Zeitraumexit veranstaltet auch viele andere coolen Events http://www.zeitraumexit.de/

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[note_box]Beitragsbild, sowie alle verwendeten Fotos (c) Arthur Bauer[/note_box]

Comments

  1. Hati says:

    Ein cooler Beitrag und die Bilder sind echt toll geworden!!!

    1. Safiyye Arslan says:

      Vielen Dank : ) <3

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