Die Welt – immer schmutziger

„Was ist nur mit der Welt passiert?“, fragte mich eine Dame im Zug, die sich neben mich setzte, nachdem wir bereits etwa eine Stunde gemeinsame Zugfahrt hinter uns hatten. Ich lächelte sie an und fragte zurück, inwiefern dies so sei. „Grad eben ist ein Jugendlicher mit seinem dicken Rucksack mich anrempelnd an mir vorbei gelaufen.“
Ich weiß nicht mehr wie und vor allem nicht wieso sie das Thema dann auf den Schmutz auf den Frankfurter Straßen, Haltestellen und Parks, der nicht weggeräumt wird, lenkte.

Ihre Beschwerden gingen dabei nicht an die jeweilige Stadt, sondern an vor allem BürgerInnen, die keine Steuern zahlen, aber ihren Dreck und sogar vielleicht auch deswegen – so ihre These – liegen lassen.

Auf meinen Einwand, dass es sicherlich auch genug Menschen auf der Welt gibt, die einen Haufen Steuern zahlen, aber genauso und sogar vielleicht deswegen ihren Müll hier und da liegen lassen, fand ich Zustimmung.

Witzigerweise entdeckte ich nach ihrem Verlassen des Zuges, ein Stück ihres Mülls vom Eis, welches sie genüsslich zu Beginn der Zugfahrt schnabulierte und eigentlich auch im Anschluss wegwarf. Aber ein kleines Stückchen von der Verpackung muss sie wohl übersehen haben, so dass ich schmunzeln musste, als ich das abgerissene Stück ihrer Eisverpackung, sprich ihren Müll, entsorgen musste.

Na, jedenfalls kamen wir beim Thema „Afrika“ an. „Jemand nannte mir mal einen äußerst guten Grund, weshalb die Afrikaner es nicht schaffen, ihren Müll in die Mülltonnen zu schmeißen. Dadurch, dass sie jahrhundertelang nur natürlichen Müll produzieren konnten, noch keine Plastikverpackungen in Afrika angekommen waren, sind sie es einfach nicht gewohnt und sie raffen es einfach nicht, dass diese Verpackungen eben NICHT biologisch abbaubar sind!“, verkündete sie mir arrogant. Richtig dreist fand ich das, wie sie es formulierte – zumal eine Person afrikanischen oder afroamerikanischen Ursprungs neben uns saß. „Hier im Westen hat man es eben schon längst gerafft!“, fuhr sie fort.

Aber auch wenn kein Afrikaner oder Afro-Amerikaner neben uns sitzen würde, hätte ich es mir nicht verkneifen können, daran zu erinnern, wie hier „im Westen“, wie sie es verallgemeinernderweise die ganze Zeit zum Ausdruck brachte, noch im 18. Jahrhundert aus dem Fenster…

Auf meine kleine Pause mitten im Satz beendete sie diesen mit „pinkelten..“!

Manchmal nervt mich diese westliche Arroganz, die sich nicht einmal mit einer Bildungslücke zu entschuldigen vermag.

Aber ja, die Dame hat Recht. Sie hat Recht, wenn sie diese Welt als „schmutzig“ bezeichnet. Und ich kann es nachvollziehen, wenn sie fragt, was mit dieser Welt passiert sei. Wobei ich ja doch irgendwo der Meinung bin, dass die Welt an sich gleich bleibt. Sich zwar äußerlich ändert, aber die Menschen dadrin ähnliche Verhaltensweisen aufzeigen.. und das, egal wie viele Jahrhunderte vergehen.

Bis heute zu dieser Stunde nach der Zugfahrt und zu dieser Sekunde, in welcher Sie, meine Damen und Herren, diesen Satz lesen, hat sich die Menschheit auch nicht viel geändert. Aber wie heißt es so schön? „Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung.“ So lassen Sie uns, meine Damen und Herren, einsehen, wie viele Defizite wir Menschen auf dieser Welt haben und versuchen, die Arroganz, egal ob westlicher, östlicher, südlicher oder nördlicher Art abzulegen. Vielen Dank im Voraus.

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