So programmatisch beginnt der Film von Doug Aitken. Am Sonntag war die Deutschlandpremiere von "Station to Station" in Frankfurt. Er zeigt in 62 einminütigen Filmen 10 Happenings, die auf 4000 Meilen vom Atlantik zum Pazifik statt finden. Aneinander geschnitten ergeben die 62 Filme ein Ganzes. Vor jedem Film wird der Titel eingeblendet und wer das verpasst kann der Annahme unterliegen, dass es noch zum vorigen Film gehört. So stellt sich der Künstler den künstlerischen Prozess vor: nahtlos. Es geht um Bewegung, Zeit, Kreativität, Syntax, Grenzen und die Kunst natürlich.

"Die Künstler fuhren im Zug von Stadt zu Stadt und führten ihre Happenings auf. Das ist sehr radikal, fast schon zionistisch", sagte Kurator Matthias Ulrich über den Film.

Von Soul bis Rock, von der atmo einer Zugfahrt bis zur Dialogsituation einer Dokumentation ist eine breite Palette abgedeckt. Die Idee einer Narration findet Aitkens heuchlerisch und hat die 10 Happenings eben so aneinander gefügt, wie es bildlich passt. Allein der Umgang mit dem Format ist spielerisch, weil es vom Normalformat zu Breitband wechselt und wieder zurück und nochmal und dann zu mehreren Kanälen von 9, 12 und so vielen, dass ich gar nicht mehr zählen konnte. Ein filmtechnisches No-No setzt Aitkens kurzerhand als Stilmittel ein und es gelingt.

"Der Zug war bis ins 20. Jahrhundert das, was das Internet heute ist, es war das Netzwerk", sagt die Stimme aus dem Off im 56. Teil des Films mit dem Titel Beschleunigung. Das ist der Teil von Doug Aitken selbst.

Doug Aitkens Film steigert die Gleichzeitigkeit ins Unermessliche. Die reiche Geräuschkulisse aus mehreren Ebenen und die Einstellungswechsel in schnellen Schnitten setzen eine hohe Medienkompetenz voraus. Der Zuschauer wird übermannt von Bildern und Tönen die alle auf einmal kommen. Der Film versetzt seine Zuschauer mal in Euphorie, mal in ein nachdenkliches Besinnen und lockert wieder durch humoristische Einlagen auf. Wer einen Augenblick wegschaut hat bereits zu viel verpasst. Aitken setzt Standards. Station to Station macht, gleich einem Schmetterlingseffekt, den Flügelschlag der Künstler zu einem Sturm der über den ganzen Globus geht.

Woran man den Erfolg eines Films ermessen kann? Wenn die Leute nicht gehen möchten.

Selbst als der Vorhang zu fiel starrte die Menge gebannt auf den Abspann, der sich auf den Stofffalten abspielte. Schließlich wurde der Vorhang wieder geöffnet und der Saal betrachtete schweigend die Namen vor einer, vom Zug gefilmten, Landschaft in schwarz/weiß. Wer wissen möchte, wie der Film von Morgen aussehen kann, was Künstler über Kunst denken und wie eine Reise in die Kreativität verläuft, der sollte unbedingt Station to Station sehen.

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