Ein honigsüßer Ramadan Abend

 

Zahlreiche auf den Dialog ausgerichtete Fastenbrechen- Abende führen heute in Deutschland und weltweit dazu, dass der Ramadan auch zu einer Zeit des interkulturellen und interreligiösen Dialogs wird.

Eine Fraueninitiative, gegründet von Deutsch-Türkischen Akademikerinnen, gab eine Einladung zum Fastenbrechen- Essen im evangelischen Gemeindesaal der St. Peter und St. Paul Gemeinde in Karlsruhe- und ich durfte die schönen Momente als unvergänglich nennen lassen. Mitunter waren die ein oder andere Prominenz, wie Frau Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl von den Grünen, unter anderem Frau Stadträtin Christa Köhler von der CDU und Herr Stadtrat Michael Borner von den Grünen, des weiteren waren von der Stadt Karlsruhe, das Kulturamt, der Migrationsbeirat und verschiedene Einrichtungen vertreten.

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Wie bekannt begeht derzeit die muslimische Welt den Fastenmonat Ramadan und insbesondere versuchen Fastende in diesem Monat Brücken zwischen Mitmenschen zu bauen. Als Gastgeber hatten sie die Intention, einen interkulturellen Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen zu fördern und das gegenseitige Kennenlernen und Miteinander zu intensivieren. Obgleich eigentlich diese Ziele keiner besonderen Veranstaltung bedürfen, kommen diese Facetten im Alltag oft nicht genügend zur Erscheinung. Es besteht kein Zweifel, Deutschland braucht Begegnung, dem schließt sich auch der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland, Herr Nikolaus Schneiter, an. In seinem Grußwort zu Ramadan: „Gute Nachbarschaft braucht Begegnungen und unsere Gesellschaft braucht gute Nachbarschaft. Viel ist gewonnen wenn Christen und Muslime erkennen würden, dass es der selbe Durst ist nach Leben und der selbe Hunger nach Gerechtigkeit, der sie verbindet“. Ich denke, wir alle können uns diesen Worten nur anschließen. Die Menschheit besitzt so vieles was sie verbindet. Allgemein gesprochen sind wir Menschen soziale Wesen, die gern mit anderen Menschen kommunizieren, die auf Kontaktaufnahme zu ihren Mitmenschen im Grunde angewiesen sind.

 

Die Initiatorin der Fraueninitiative erwähnte nach ihrem Begrüßungswort:“ Wir sind heute Abend nicht um eine Sache zu beweisen, sondern um zu zuhören und um zu verstehen, nicht um eine Position zu verteidigen, sondern um neue Möglichkeiten zu erkunden, zusammengekommen.“ Dabei ist mir diese Bemerkung aufgefallen, ich zitiere: „Aus welchen Kulturen wir kommen, sollte in diesem Zusammenhang eigentlich völlig egal sein. Gemeinsame Probleme verlangen einfach nach gemeinsamen Lösungen.“ Im Anschluss daran hat ein Wissenschaftlicher Angestellter am KIT, ein Kurzreferat über den Fastenmonat Ramadan gehalten. Das vollkommenste Fasten, meinte er, sei nicht nur dem Magen, sondern mit ihm zugleich auch allen Organen des Menschen, wie den Augen, den Ohren, der Zunge, aber auch dem Herzen, der Phantasie und den Gedanken ein Fasten aufzuerlegen, also mit anderen Worten: all den Verbotenen, aber auch allen nichtigen Dingen aus dem Wege zu gehen und jedes Organ auf seine Art Dienst und Anbetung hin zu orientieren, seine Zunge vor der Lüge, vor übler Nachrede, das Ohr vom Hören schlechter Dinge abzuwenden und die Augen vor unerlaubten Dingen zu bewahren und sie stattdessen auf lehrreiche Dinge zu lenken.

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Auf unseren Tellern gab es kleine Geschenktütchen, was von einer türkischen Urtradition stammte, die man „diskirasi“ nennt, was übersetzt „Zahnsteuer“ bedeutet. Noch in der Osmanischen Zeit wäre es üblich, Gästen im Ramadan, die zum Essen eingeladen waren, als Dankeschön für die Mühe zum Kommen und für die Mühe das Essen zu kauen als Zahnsteuer mit einem Goldsäckchen zu beschenken. Zwar waren unsere Tütchen nicht mit Goldmünzen gefüllt, aber dafür mit etwas goldwertem. Säckchen, gefüllt mit Liebe und Herzlichkeit verpackter türkischer Honig. Als Andenken an einen Abend mit honigsüßen Momenten und Gesprächen. Wirklich tolle Idee, mit einer Prise Geschichte dahinter.

 

Der Highlight des Abends war, dass uns eine Sema- Tanz Aufführung mit orientalisch mystischer Musik erwartete. Sie stillten uns den Hunger unserer Seelen, wenn man so sagen darf. Eines möchte ich zu dem Sema-Tanz, dem sogenannten Tanz der Derwische hinzugefügt haben. Dr. Celaleddin Celebi der 21.Urgroßenkel von Mevlana Celaleddin Rumi beschreibt: “Es ist wissenschaftlich anerkannt, dass die grundlegende Voraussetzung für unsere Existenz eine Drehbewegung ist. Es gibt kein Wesen oder Objekt, das sich nicht dreht, denn alle Wesen bestehen aus Atomen mit kreisenden Elektronen, Protonen und Neutronen.Alles kreist und der Mensch lebt dank der Teilchenbewegung, dem Blutkreislauf und den Lebenszyklen mit dem Erscheinen aus der Erde und dem Zurückkehren zur Erde.

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Der Der Sema-Tanz ist eine der ältesten Techniken der Sufis. Es ist wie ein Wirbelsturm und doch in der Mitte ganz ruhig. Der Körper wird zu einem kreisenden Rad und das innere Sein der Drehpunkt. Die Person wird die Mitte des Universums, ganz bei sich und doch mit allem verbunden. Es ist der stille Dialog zwischen dem inneren und dem äußeren Universum. Musik und Tanz verbinden sich im Rhythmus, der die Brücke schafft zum Pulsschlag des eigenen Herzens, und zur Präsenz der anderen.

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In diesem Sinne war es ein gelungener Brückenschlag zwischen den Herzen der Menschen verschiedener Abstammung, welcher diese Veranstaltung so unvergesslich machte.

 

 

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