Ein Influencer-Panel um den heißen Brei

Ein Panel mit drei sympathischen Gesichtern und einem netten Moderator. Das sieht vielversprechend aus. Doch das was an Ergebnissen heraus kam, kann man auch auf jedem Marketingblog und in den unzähligen Blogger Gruppen nachlesen: Seit nett zu Influencern. Gebt euch Interessiert. Lasst sie mitgestalten. „Das sind alles Dinge, die um 2004/2005 über Blogger diskutiert wurden“, sagte der Moderator Torsten Panzer und erkannte das Problem richtig. 

Diskutiert wurde nicht über aktuelle Inhalte, es gab keine Tipps, kein Insiderwissen. So richtig ließ sich keiner in die Karten schauen. Ein Boxkampf auf dem sich beide Kämpfer bedeckt halten ist langweilig. Für ein Panel gilt dasselbe. Dabei ist ein Panel etwas ganz anderes, so geht es doch vor allem um Kommunikation. „Obwohl wir alle in der Kommunikation arbeiten, machen wir das manchmal so erstaunlich wenig“, sagte Naveed von Influencer World. „Word!“, sagte ich innerlich und wünschte mir, man würde dieses Panel nicht als Dauerwerbesendung seiner Person missbrauchen, sondern qualitative Inhalte einbringen. So wie auf der Audi Session am Tag zuvor.

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer kam aus dem PR-Bereich und sie alle wollten eins wissen: Wie bekommt man Influencer und zwar ziemlich kostenlos? Die Agentur DIVIMOVE GmbH gehört zur RTL Group und setzt auf die langfristige Kontaktpflege zu Influencern. Die Agentur Influencer World nimmt seine „Talents“ an die Hand, damit sie in keine Fettnäpfchen treten. Immerhin zwei gute Strategien, denn wer mal groß raus kommt, wird die Starthilfe nicht vergessen. Hannah Thalhammer von kleinaber.de setzt auf Offenheit und transparente Produktplatzierung. Dass sie sich gegen Bodyshaming einsetzt, finden wir megasymphatisch.

Von links nach rechts: Torsten Panzer, Malik Riaz Hai Naveed, Hanna Thalhammer und Stephan Schilling.
Von links nach rechts: Torsten Panzer, Malik Riaz Hai Naveed, Hanna Thalhammer und Stephan Schilling.

Alle drei Gäste waren sich darin einig, dass halbautomatische Plattformen auf denen Influencer promotet werden ganz ganz schlecht sind. Dann werde der Influencer nämlich einfach zu einer Nummer und das worauf es ankommt, ja die Individualität, gehe damit völlig verloren. Niemand kann mir sagen, dass die 1200 Influencer im Pool einer Agentur, keiner halbautomatischen Plattform wohlgemerkt, keine Nummern sind. Dass die Agenturen als Bindeglied zwischen Unternehmen und Influencern wegfallen, kann eine Kampagne unkomplizierter machen und ist günstiger. Kein Wunder, dass sich auf der Bühne schleichende Ablehnung breit machte.

Kooperationen sind für viele Influencer, die ich kenne, weniger attraktiv. Eine Kooperation macht viel Arbeit, vor allem viel Vorarbeit und bedeutet nur selten eine Win-Win-Situation. Nach dem großen Wirbel ist der Blogger out, weil von dem haben wir ja schon so viel gehört und das reicht dann auch irgendwann. Vor allem steht für mich die Frage im Raum: Was passiert mit meinem Blog nach der Kampagne? Skandale einer Marke, aber auch weniger wichtige, sagen wir mal, Nachteile, werden auch viele Jahre nach einer Kooperation auf die Influencer projiziert. Hält das die Reputation eines Vlogs/Blogs/etc. aus?

Auch Du als Influencer bist eine Marke. Möchtest du nur mit einem einzigen Produkt oder Thema in Verbindung gebracht werden? Bei denkerinnen.de haben wir uns das auch gefragt, mit dem Wissen, dass wie die nächsten 5, 10 und sogar 15 Jahre im Blick haben müssen. Alle Anfragen werden ausführlich besprochen und anschließend bewertet. Viele haben wir abgelehnt. Wir bloggen eben aus Spaß an der Freud, wie man so schön sagt. Und vor allem möchten wir uns nicht die Freiheit nehmen lassen, zu schreiben was wir wollen. Influencer die sich für Koops interessieren, sind gut beraten nicht jedes Angebot anzuspringen. Und auch wenn Agenturmenschen nett sein können, kann und sollte man zweigleisig fahren und sich auch auf Plattformen eintragen. Es ist immer gut einen Plan B zu haben, zumal die meisten Koops den Influencern eher Goodies, also Werbegeschenke einbringen als monetäre Einnahmen. Nennen wir das Kind beim Namen, was aus einer Kooperation heraus kommt, ist weniger als mickrig. Man wird einfach abgespeist. Ganz richtig bezeichnete es Stephan Schilling von der DIVIMOVE GmbH, als er sagte: „Es gibt viele Krokodile in der Branche“.

Mehr über die Social Media Week könnt ihr >hier< erfahren!

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