Ein Leben ohne Geld

Wir leben in einem monetären System. Alles kostet Geld. Unterkunft, Wasser, Strom, Kleidung, Dienstleistungen. Wir können ohne Geld gar nicht leben- oder etwa doch?

Raphael Fellmar ist einer jener Personen, der seit drei Jahren ohne Geld lebt. „Wie jetzt? Gar kein Geld und das schon seit drei Jahren?“, dachte ich mir als ich im Radio seinen Bericht gehört habe. Während die nette Dame, die ihn interviewt, meiner Meinung nach etwas spöttisch und missbilligend klang, erzählt Fellmar sehr gelassen und geduldvoll seine Geschichte, wie er dazu kommt ohne Geld zu leben und seine Idee hinter diesem Lebensstil. Angefangen hat es mit einer Reise nach Mexico, die er ohne Geld auszugeben meisterte. Nach diesem Abenteuer beschließt er sein Leben umzukrempeln, weiterhin ohne Geld zu leben. Zunächst geht er nachts containern, später schreibt er die Supermärkte und Bioläden in Berlin an. Er schlägt ihnen vor, ihre vermeintlichen „Abfälle“ für ihn neben den Containern bereit zu stellen. Somit sparen diese auch an Abfallkosten und Fellmar kommt ohne in die Container reinzusteigen an die Lebensmittel. Nur ein Bioladen antwortet auf seine Anfrage.  Die Unterkunft „bezahlt“ er mit freiwilliger Arbeit, wie z.B. als Hausmeister. Seine Kleidung tauscht er oder bekommt sie durch Kleidungsspenden.

Am meisten beeindruckte mich folgende (nicht wortwörtlich übernommene) Passage aus dem Interview. Die nette Radiodame fragte ihn, ob es ihn nicht angeekelt hat, zwei oder dreimal die Woche in die Container zu steigen, weil es ja im Grunde Abfälle sind. Er antwortete drauf, dass er es eklig finde, dass Menschen Sachen überhaupt wegschmeißen. Und im Grunde hat er Recht, denn das, was er aus den Containern mit nach Hause nimmt, sind Lebensmittel, die aufgrund Schönheitsfehler aussortiert werden. Es sind keine ungenießbaren oder vergifteten Lebensmittel. Nur weil wir so sehr auf ein (wie bei allem anderen auch) Idealbild fixiert sind, kommt uns die verschrumpelte Tomate nicht gut genug oder die gefleckte Banane nicht genießbar vor. Im Schnitt werden 81,6 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr weggeworfen, obwohl 65 Prozent davon vermeidbar wären, weil wir so ein Überangebot an Lebensmitteln in unserem Kühlschrank haben, dass aus rein zeitlichen Gründen das Konsumieren von diesen nicht möglich ist.

Ein weiteres Beispiel ist Phillipp Hausschild. Er kommt zwar nicht ganz ohne Geld aus, jedoch sind 40€ Ausgaben für einen Monat schon relativ wenig. Von vielen von uns ist es vielleicht gerade ein Supermarkt-Einkauf oder reicht als Minimum für eine Shoppingtour. Auch er profitiert von den weggeworfenen Gütern anderer. Im Gegensatz zu Fellmar sammelt er auch in den Containern von Unternehmen, wo er beispielsweise eine Spiegelreflexkamera gefunden hat. Diese tauscht er dann aber mit anderen Sachen, die er für sich für nützlicher hält. Diese Lebensweise wird ihm auch durch das Internet ermöglicht. Immer mehr Menschen wollen tauschen und teilen, durch die Plattformen im Internet wird das ermöglicht. Private Zimmer werden als kostenlose Hotelzimmer vermietet, unbekannte Menschen zum Abendessen eingeladen oder der eigene Garten wird für ein Event mit anderen Menschen geteilt. Besonders bekannt geworden ist das Projekt „foodsharing“, das heißt, Lebensmittel, die man nicht mehr selber verbrauchen kann, werden über diese Plattform verschenkt. All diese Plattformen und Initiativen sind gegen eine Wegwerfgesellschaft.  „Die neuen Initiativen sind erste zarte Pflänzchen, aber sie gedeihen gut“, sagt die Soziologie-Professorin der Universität Frankfurt, Birgit Blättel-Mink.[1]

Natürlich ist das noch ein Anfang und es geht langsam voran, aber wir müssen bedenken, dass die Ressourcen der Welt nicht unerschöpflich sind. Auch sie werden irgendwann zum Ende neigen. Deshalb sollten wir wenigstens versuchen diesen Prozess zu verlangsamen und wirklich nur das Verbrauchen, was uns auch zusteht. Des Weitern sollten wir auch die Länder bedenken, von denen wir immer etwas nehmen, aber nie etwas zurückgeben. Auch diese Menschen haben ein Recht auf sauberes Wasser, Nahrung, Unterkunft und Kleidung. Nur weil es uns in diesem Moment gut geht, heißt das nicht, dass sich das irgendwann nicht ändern wird.

Es ist für alle genug da. Nur nicht genug für die Gier weniger….[2]

 


[1] http://www.welt.de/regionales/hamburg/article113072637/Ein-Leben-im-Luxus-mit-nur-40-Euro-im-Monat.html

[2] http://www.blogandshop.de/2013/04/10/leben-ohne-geld-raphael-fellmer-machts-vor/#sthash.GsjBCKFz.dpuf

Comments

  1. Jusimitsu says:

    Sehr interessant!
    Ein Bild des Herren hätte den Artikel „lebendiger“ gemacht.

    weiter so 🙂
    LG aus München

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