Vor kurzem hat uns Frau Dr. Franziska Katharina Brantner von den Grünen freundlicherweise eingeladen an einer politischen Bildungsreise in Berlin teilzunehmen. Bildungsreisen werden von dem Presse- und Informationsamt der Bundesregierung organisiert, um Bürgern einen Einblick in die Arbeit im Bundestag zu geben. In unserer Reisegruppe waren von 16 bis 60 Jahren Mitmenschen jeder Alterssparte dabei. Trotzdem waren wir junge Menschen deutlich unterrepräsentiert. Das Programm war gut durch strukturiert mit Führungen, Stadtrundfahrten nach politischen Gesichtspunkten, politischen Diskussionen und natürlich dem Besuch des Bundestags mit Kuppelbesichtigung. Dem atemberaubenden Höhepunkt unserer Reise.

Die Diskussion mit Frau Brantner im Paul-Löbe-Haus

Franziska Katharina BantnerAls Einstieg vor dem Besuch der Plenarsitzung war die Diskussion mit Frau Brantner im Paul-Löbe-Haus. Frau Brantner begrüßte uns freundlich und wir bekamen die Möglichkeit Fragen, die uns auf der Seele brannten, zu stellen. Die Flüchtlingspolitik wurde angesprochen, wie sehr Flüchtlinge auf Hilfe angewiesen sind und ob Waffenlieferungen nach Syrien sinnvoll sind. Auch Steuergelder oder wie es ein Teilnehmer treffender formulierte Steuerverschwendungen waren ein Thema. In diesem Rahmen wurde der Nürburgring angesprochen, der den Steuerzahler 330 Miollionen Euro gekostet hat, genauso wie der Berliner Flughafen BER. Dieser hat es sogar zum ersten Bild der Fotostrecke "Die irrsten Steuerverschwendungen" geschafft. Für den Flughafen waren ehemals 2,4 Milliarden Euro angesetzt. Derzeit liegen die Mehrkosten bei über 5 Milliarden Euro. "Man sollte in Deutschland stärker gegen Korruption vorgehen", fasste Frau Brantner diesen Abschnitt zusammen.

Der Besuch einer Plenarsitzung

Eine Plenarsitzung ist wahnsinnig interessant für einen Normal-Bürger, auch wenn ich mich ein wenig an die Kurssitzungen an der Uni erinnert fühlte: Ein Vortrag folgte dem Anderen und meist kam der Applaus doch nur von den eigenen Freunden bzw. aus den eigenen Reihen. Nur wenige Abgeordnete applaudierten, sei es aus Nettiquette sei es aus Gutmenschentum, nach wirklich jedem Vortrag.

Bildquelle: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Joachim-Gauck/Reden/2013/06/130614-17-Juni-BT.html

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Mein Interesse galt natürlich vor allem den Frauen im Reichstag. In bunten Blazern und dezent geschminkt bringen Politikerinnen Stil in den Bundestag. Rot und vor allem dunkle Rottöne wie Bordeaux scheinen die Damen besonders zu bevorzugen. Zumal dies eine autoritäre Farbe ist. Desweiteren waren die Damen in pfirsich, in Grüntönen und hellblau gekleidet.

CDU-BundesparteitagNicht immer muss die Farbe der Kleidung zur Partei passen. So saß Angela Merkel in einem dunkelgrünen Blazer auf ihrem Platz.

Wie immer die Ruhe in Person, manchmal zustimmend nickend, tippte Merkel etwas in ihr Smartphone unter dem Tisch. Und zwischendurch tippte sie auch mal etwas in ihr Tablet, dann natürlich auf dem Tisch.

Die Ansprache von Ulrike Gottschalk (SPD) "Ja meine Damen und Herren hier steht eine Großmutter von sechs Enkelkindern. Alles Mädchen also viel Frauenpower", zauberte unserer Bundesangie ein herzliches Lächeln auf das Gesicht.

Bildquelle: http://www.abendblatt.de/kultur-live/tv-und-medien/article124099229/Sahra-Wagenknecht-beschwert-sich-ueber-ZDF-und-Markus-Lanz.html

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Derweil unterhielt sich Sahra Wagenknecht (LINKE) angeregt mit ihrem Sitznachbarn. Auch der Beitrag von Gerda Hasselfeldt (CDU/CSU) stört Frau Wagenknecht und besagten Sitznachbarn nicht im Geringsten. Anscheinend gab es Wichtiges zu besprechen.

Sahra Wagenknecht saß in einem reizenden roten Kleid da, ihre Ohrringe funkeln bei jeder noch so kleinen Kopfbewegung. Und wenn sie sich nicht unterhielt tippte sie etwas, Kaugummi kauend, in ihr Smartphone unter dem Tisch. Mit ihrer lässigen Art und ihrem stilvollen Auftreten war sie für mich an diesem Tag die femme fatale des Bundestags.

 

Anja Hajduk -  stellv. Fraktionsvorsitzende und haushaltpolitische Sprecherin

Anja Hajduk (B90/Grüne) sprach in ihrem Vortrag die Schenkung des Ehepaares Pietzsch unter der Bedingung, dass ein Museum für Moderne eröffnet wird an.

Laut tagesspiegel.de soll das Museum 2021 eröffnet werden. Auch Kunstwerke aus der Nationalgalerie die aus Platzgründen nicht ausgestellt werden können sollen in dem neuen Museum ausgestellt werden.

 

Die Kuppel des Reichstagsgebäudes

Der Reichstag ist das Zentrum der parlamentarischen Demokratie in Deutschland. Mit rund 3 Millionen Besuchern aus der ganzen Welt gehört der Bundestag zu den meistbesuchten Parlamenten der Welt. Das Reichstagsgebäude vereint harmonisch traditionelle und moderne Elemente. Der britische Architekt Norman Foster hat den Spagat zwischen Tradition und Moderne gemeistert. In dem historischen Mantel des Reichstagsgebäudes befinden sich verspielte, futuristisch anmutende Formen eines modernen, weltoffenen Parlaments.

Bildquelle: http://medienblick-bonn.de/durchblick/medienpolitik/eine-kuppel-aus-glas-%E2%80%93-transparenz-im-bundestag/attachment/reichstagskuppel

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Die Kuppe des Reichstags ist 23,5 Meter hoch und 40 Meter breit. In die 800 Tonnen schwere Stahlkonstruktion ist 3.000 Quadratmeter Glas eingearbeitet. Die Kuppel versorgt den Plenarsaal mit modernster Beleuchtungs- und Belüftungstechnik. Innerhalb der Kuppel befindet sich ein trichterförmiges Konstrukt aus Spiegeln. In der Fachsprache als Konus bezeichnet, lenkt dieses Konstrukt aus 360 einzelnen Spiegeln, die in 30 Reihen mit jeweils 12 Spiegeln angeordnet sind, Tageslicht in den Plenarsaal.

Um die Überlichtung des Plenarsaals zu vermeiden sind die Spiegel mit einem Sonnenschutzelement ausgestattet. Dabei handelt es sich um Aluminiumlamellen die mittels umlaufenden Stahlrahmen über die Spiegel gefahren werden. An 24 verschiedenen Stellen werden Messungen durchgeführt um den Sonnenschutzmechanismus an den Sonnenstand anzupassen.

Bildquelle: http://www.wallsforpc.com/wp-content/uploads/2012/11/Reichstagskuppel-MittelGerman.jpg

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Der Plenarsaal wird gleichzeitig durch den Konus belüftet.  Verbrauchte Luft gelangt durch den thermischen Auftrieb nach oben. Dort am Kuppelscheitel befindet sich eine 10 Meter breite Öffnung durch welche die Luft entweicht.

Im Gespräch teilte mir eine Denkerin mit wie sehr sie von der Kuppel beeindruckt ist. Der Plenarsaal ist nach oben hin durch die Kuppel "offen". Auch die Demokratie ist offen für neue Meinungen, neue Ansichten, neue Gedanken. Diese Umsetzung demokratischer Werte in die Architektur hat sie fasziniert und mich genauso.

Die Führung in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Wie haben sich die Menschen zwischen 1933 und 1945 gegen den Nationalsozialismus gewehrt? Welche Handlungsspielräume hatten sie? In 18 Themenbereichen findet man auf diese und viele andere Fragen Antworten. Uns hat eine wundervolle Frau durch die Ausstellung geführt. Sie hat uns ihr Wissen vermittelt, als würde sie gleichsam miterleben was sie erzählt. Es gab Beispiele von Flugblättern die als Werbung getarnt verteit wurden und Geschichten von Menschen die zu Unrecht Leiden mussten. Eine junge Frau beispielsweise wurde ins Konzentrationslager gebracht, weil sie "Schade" gesagt hat. Dieses Wort ist ihr ausgerutscht als ihre Nachbarin ihr davon erzählte, dass ein Attentat auf Hitler gescheitert ist. Zufällig war eine dritte Person im Hintergrund. Diese Person hat die Frau später denunziert.

Zitat aus einer Protestkundgebung "Das freie Wort"

 

"Die Blüte unseres Volkes wurde geopfert!

Wofür? Etwa für die Zukunft des deutschen Volkes? Oder den Frie-den Frieden Europas? Nein!!

Alle Aktionen Hitlers zum sogenannten "Neuaufbau Europas" tra-gen bereits den Keim zu neuen Kriegen in sich. Man kann Völker nicht auf ewig unterdrücken, der grauenvolle Rückschlag muss erfolgen! Niemand kann den Pendel der Welt-geschichte anhalten!

Will Hitler den Frieden?

[Ausführungen zu den Übernahmen und Kriegen Hitlers gegen Polen, Dänemark, Norwegen etc.]

Nein!! Hitler und seine Auftraggeber, die Herren von Kohle und Eisen, wollen den Krieg jetzt und in der Zukunft!"

Ein Ausflug nach Berlin lohnt sich allein um den Besuch dieser Gedenkstätte willen. Und wenn man schon da ist kann man das Programm noch mit anderen Highlights bereichern. Ich kann nur empfehlen an einer politischen Bildungsreise teilzunehmen.

Dieses wunderbar durchstrukturierte Program mit dem Besuch einer Plenarsitzung und der Führung in der Gedenstätte Deutscher Widerstand machte diese Reise für uns zu etwas ganz Besonderem. Deswegen denke ich kann ich sagen, dass dies eine Berlinreise war wie keine andere. Wir Denkerinnen bedanken uns herzlichst bei Frau Brantner für die Einladung nach Berlin und danken auch allen anderen Mitwirkenden für die gute Organisation dieser tollen Reise.

Quelle des Beitragsbildes

http://home.meinestadt.de/berlin Zugriff am 14.03.2015 um 21:40 Uhr

Quellen

http://www.bundestag.de/kulturundgeschichte/architektur/loebehaus

http://www.bundestag.de/kulturundgeschichte/architektur/reichstag/kuppel

Infomaterial des Bundestags: Fakten. Der Bundestag auf einen Blick, Mai 2014, Berlin

 

Änderungen vorgenommen am 14.03.2015 um 21:40 Uhr:

Änderung des Beitragsbilds samt Bildquelle und Hervorhebung der Quellen

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