Letztens kam mir die Frage auf, warum eigentlich jeder Mensch in der gleichen Situation anders reagiert. Man stellt eine Frage und jeder beantwortet sie auf die eigene Weise. Es entsteht Handlungsbedarf und jeder handelt für sich anders. Schon allein die Gedankengänge sind oftmals nicht gleich. Wie entsteht diese Individualität? Womit hängt das zusammen?

Man kennt die Situation wahrscheinlich am besten aus dem Klassenzimmer. In den Fächern Ethik und Politik wird oft hin und her diskutiert, zu ein und derselben Frage. Ein Sachverhalt- viele Meinungen. Um dieses Phänomen zu verstehen müsste man die Beziehungen im Privaten wissen, sich die Erziehung anschauen und versuchen herauszufinden wie die Sozialisation des jeweiligen Individuums abgelaufen ist. In welchen Kreisen ist dieser Mensch aufgewachsen, in welchem Freundeskreis bewegt er sich, wie engagiert und interessiert ist der Mensch in Sachen Politik, Wirtschaft, gesellschaftliche Probleme. Schließlich kommt jedes Kind mit einer gewissen Erziehung in das Klassenzimmer. Man hat bestimmte Lerngewohnheiten oder Verhalten aus der familiären Umgebung mitbekommen. Je nachdem welche Erfahrungen man gesammelt hat, in welchen Situationen man sich behauptet hat lernt man dazu und versucht das erlernte Verhalten dann bezogen auf ähnlichen Situationen anzuwenden.

Es nervt einen vielleicht oftmals, dass Menschen nicht immer die gleichen Ansichten oder Meinungen vertreten, aber wie langweilig wäre die Welt, wenn alle gleich wären? Man braucht die Meinungsvielfalt um sich persönlich weiterzuentwickeln. Große Denker, Gelehrte haben es bevorzugt kritisiert zu werden, Gegenmeinung zu hören als ständig für ihre Taten gelobt zu werden. Denn nur so wussten sie, wie die anderen denken, was sie an der eigenen Handlung verbessern können, wie sie sich besser darstellen und repräsentieren können. Denn wenn man die Argumente des „Gegners“ kennt, kann man sich besser erklären und gegenargumentieren. Natürlich sollte man sich auch im Klaren sein, dass oftmals das sture Argumentieren, bzw. Diskutieren nicht nötig ist, wenn der Diskussionspartner eigentlich kein Wissen aufnehmen will, verstehen will, was Einen dazu bewegt hat dieses oder jenes zu tun, sondern nur rein provozieren will. Natürlich sollte man selber auch den Blickwinkel auf die Tatsachen wechseln können, Empathie aufbauen, einfach verstehen was die anderen Aussagen möchte. Man kann keinem seine Meinung aufzwingen. Das muss einem von vornherein klar sein, ansonsten ist die Diskussion nichts als reine Zeitverschwendung.

Es ist ein Segen für die Welt, dass es Menschen gibt, die eben nicht dem Strom der „Mainstream“-Gedanken folgen sondern ihm entgegenschwimmen, sich als Individuen kennzeichnen und der Welt beweisen, dass es auch anders geht. Eintönige Gedanken sind oftmals die gefährlichsten, denn sie haben zu Umständen wie in der NS-Zeit geführt. Denn sie haben die Diktaturen legitimiert. Denn sie haben dazu geführt, dass das Ensemble von Individuen aufgehoben wird.

 

 

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