Schon Thukydides hat vor ungefähr 2400 Jahren in seinem berühmten Werk “Der Peloponesische Krieg” festgestellt, dass nicht nur die bloße Selbsterhaltung des Menschen Ziel ist, sondern auch das Erstreben nach Macht. Doch was ist diese Macht, wonach der Mensch strebt,  wie ist sie zu definieren, wie kann man sie messen, wie erstrebt und erreicht der Mensch diese Macht?

Die klassische soziologische Antwort auf diese Frage lautet wohl nach Max Webers Definition, dass Macht jede Chance ist, den eigenen Willen trotz Widerwillen anderen zu übertragen. Nach Hannah Arendt jedoch, ist Macht nicht eine messbare Materie, sondern etwas was durch die Zusammenarbeit und Kommunikation der Individuen untereinander zustande kommt und sich danach auflösen kann. (Arendt, Vita Activa 1969).

Abgesehen von der begrifflichen Eingrenzung von Macht, gibt es verschiedene Ebenen und Formen, Macht zu erlangen und diese zu sichern. Einer dieser Formen ist die unter dem Deckmantel der Entwicklungspolitik (EZ) geführte Machtpolitik. Diese Art von Machtpolitik wurde von den westlichen Staaten in der Geschichte gegenüber den Dritte Welt Ländern angewendet, um diesen zu helfen und sie durch Zivilisierung des Besseren zu belehren. So wurden Kontinente und Länder wie Südamerika, Afrika, Indien und Australien seitens der Spanier, Engländer oder auch Franzosen kolonialisiert und über Jahrhunderte unter der Macht dieser Kolonialherren regiert. Dieser Zustand bestand bis diese Kolonien ihre Autonomie erlangten. Afrika erhielt diesen Zustand im Jahr 1960. Der autonome Zustand Afrikas hielt sich aber leider begrenzt und Afrika sah sich mit Ende des Kalten Krieges nochmals als Zielscheibe von Amerika und Europa.

Die Kolonialzeit war offiziell beendet und die Autonomie erlangt, jedoch entwickelten sich nach dem Kalten Krieg neue Bedingungen und Definitionen der Hilfe in den ‘bedürftigen’ Ländern. Im Namen der Demokratisierung und der Zivilisierung, wurde diesen Ländern nochmals ‘geholfen’. Dieser Deckmantel der Machtpolitik wurde dann Entwicklungshilfe getauft. Wie dieser ‘Deckmantel’ legitimiert wurde kann darin erklärt werden, dass diese Form der Entwicklungspolitik Hand in Hand mit außenpolitischen Beziehungen einherging.  Geht man vom Allgemeinen auf den speziellen Fall Frankreichs, entdeckt man interessante Ergebnisse. Denn nach Bourmaud “France has ceased to consider public development aid and, more generally, its policy of development co-operation as a central instrument of its foreign policy.” (Bourmaud  Daniel 1995) Einige Kritiker bezeichnen diese Art der Außenpolitik Neokolonialismus. Doch weshablb genau nach dem Kalten  Krieg? Weshalb erklärte sich Frankreich dazu bereit, nochmals 'zu helfen'? Sein Eingriff wurde 'aid development' genannt, doch steckte dahinter die Angst die Machtposition innerhalb der Alliierten zu verlieren. So musste sich Frankreich gegenüber Großbritannien, Russland und Amerika behaupten und suchte sich sein altes Opfer aus.

Nicht nur aus Sicht Frankreichs, waren diese Völker nicht im Stande sich selbst zu regieren. So haben sie sich freundlicherweise dazu bereit erklärt, diese zu zivilisieren und zu unterstützen. Jedoch ist es anachronistisch anzunehmen, dass dies die Realität wiederspiegeln würde. Afrika ist für Frankreich aus ökonomischer Hinsicht ein Anreizpunkt. Diese hat Martin Staniland in vier ausschlaggebenden Punkten zusammengefasst. Die Motivation und die Ursache Frankreichs seine politische Machtstellung in der francophonen Zone sicherzustellen liegt darin, dass durch diese Politik für Frankreich erhebliche Handelszuschüsse erzielt wurden. Dies ist aber natürlich nicht der einzige Grund. Hinzufügend kommt, dadurch dass in zwölf francophonen Staaten, zumindest bis 1983, eine gemeinsame französische Währung geführt wurde, die Liquidation der französischen Staatskasse sichergestellt wurde. Dadurch hatten natürlich französische Firmen eine dominierende Position in der Erbringung von Dienstleistungen für den Handel. Doch nicht aus den Augen zu führen ist die Tatsache, wie Staniland hervorhebt, dass“Africa is an important source of strategic raw materials for France, which in some cases has been granted preferencial access to them.” (Staniland 1987: 55).

Doch was ist das Bestreben Frankreichs in diesen Gebieten, trotz der Unabhängigkeit Afrikas und Beendigung der Kolonialisierung? Es ist offensichtlich der Versuch Frankreichs seine ‘alte’ Stellung in seinen ehemaligen Kolonien aufrechtzuerhalten, jedoch nicht unter dem alten Namen der Kolonialisierung.

In dieser ganzen Debatte stellt sich wiederholt die Frage, wenn es doch klar ist, dass Entwicklungszusammenarbeit eine Verschönlichung des Begriffes Kolonialisierung ist, wie wird dieser Zustand legitimiert? Und weshalb lassen es diese Länder zu, trotz Erlangung der Unabhängigkeit sich noch immer als unterwürfige Boten gegenüber dem 'weißen Helfer' zu positionieren und spielen bei diesem unendlichen Trauerspiel der Ungleichheit mit?

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