Fall um Gustl Ferdinand Mollath

Der Fall Mollath kursiert seit Tagen überall in den Medien. Dabei fallen einem Schlagzeilen wie [frame_box]Gustl Mollath vor Untersuchungsausschuss: Die Abrechnung (Spiegel)[/frame_box] ins Auge.

Genauso gibt es Schlagzeilen wie:

[frame_box] Mollath bleibt in der Psychiatrie Skandalöse Entscheidung“ (Süddeutsche)[/frame_box] oder

[frame_box]Der Fall Gustl Mollath: Bayerns Justizministerin ist sich keiner Schuld bewusst(Stern) [/frame_box]

und [frame_box]Gustl Mollath muss in der Psychiatrie bleiben (Die ZEIT) [/frame_box]. Als ich die Chronologie dazu auf Süddeutsche.de gelesen habe, gingen unterschiedliche Sachen durch meinen Kopf, die ich gerne hier festhalten möchte.

Mollath angeklagt von Ex-Frau

Mollath ist ein im Jahre 1956 geborener Nürnberger, der von seiner Ex-Frau angeklagt wurde und nun statt im Gefängnis in der Psychiatrie sitzt. Er habe sie, laut ihrer Anklage, der Freiheit beraubt, Körperverletzungen zugefügt sowie Sachbeschädigungen begangen. Vom Richter wurde Mollath für unzurechnungsfähig gehalten. Seltsam dabei ist, dass laut dem Online-Portal der Süddeutschen Zeitung „jenen psychiatrischen Stellungnahmen aus den vergangenen Jahren inzwischen vier Stellungnahmen von Psychiatern, Ärzten und Psychologen gegenüber stehen, die Mollaths Einweisung für nicht (!) gerechtfertigt halten.“[1]

Mollath beschuldigt Frau wegen Schwarzgeldgeschäften

Mollaths Verteidigung sieht so aus, dass er seine Ex-Frau mit „Schwarzgeldgeschäften“ beschuldigt und ihre Anklage nicht gerechtfertigt sei. Zeugen, die Mollaths Verbrechen bezeugen könnten, gebe es auch nicht. Und alle Vorwürfe, die Mollath nun endlich nach Jahren im Nürnberger Landesgericht aussprechen darf, könnten nicht abgeschlagen werden.

Mollath – mundtot gemacht

Die Gerichtsverhandlungen gehen nun schon seit längeren Jahren. Wieso man Mollath nicht früher hat sprechen lassen, lässt sich für mich nicht nachvollziehen. Mollath wurde aus irgendwelchen Gründen mundtot gemacht. Mit Bankgeschäften kenne ich mich nicht aus, aber was ich verstehe ist Folgendes:

[info_box]Wenn „sich mehrere Augenzeugen melden, darunter der Schöffe im damaligen Verfahren, die beschreiben, dass der Vorsitzende Richter dem Angeklagten Mollath 2006 in einem wesentlichen Punkt kaum (!) richterliches Gehör geschenkt und ihm sogar gedroht haben soll, dieser müsse den Saal verlassen, sobald er über den „Schwarzgeldkomplex“ reden wolle“[2], dann ist es doch klar, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. [/info_box]

Justizministerin Beate Merk unter Druck

„Je mehr Details über die Causa Gustl Mollath auftauchen, desto stärker gerät auch Jusitzministerin Beate Merk unter Druck. Erst nach wochenlanger scharfer Kritik erklärt die Ministerin am 30.11., dass sie den Fall komplett neu aufrollen lassen will“, schreiben Olaf Przybilla und Uwe Ritzer.

Fall Mollath und der Fall NSU  – Fehler seitens des Staates?

Wieso braucht es an so viel Kritik und Druck, bis man die Meinung aller Betroffenen anhört? Während ich den Artikel so las, fiel mir auch der NSU-Prozess ein. Im Fall NSU wurden ebenso, wie hier im Fall Mollath gravierende Fehler der Behörden gefunden. Im Fall Mollath geht es um Fehler der Judikative, und im Fall NSU geht es um Fehler der Exekutive, der Sicherheitsbehörden des Rechtsstaates Deutschland. Hier geht es mir nicht um das Aufdecken von Fehlern. Sondern mir stellt sich die Frage, wie es zu so etwas kommen kann. Ich hoffe nur, dass wir nie davon betroffen sein werden – denn Deutschland ist mir dann doch noch am sichersten, gerechtesten und demokratischsten. Und bitte meine nächste Frage nicht allzu patriotistisch sehen: Aber wenn es selbst in Deutschland zu gravierenden Fehlern kommen kann, wo soll man da noch Zuflucht finden? Wenn nicht hier..

Frau am Start

Aber schon interessant, wie abgesichert die Frau in diesem Lande ja, wie man hier sieht, ist. Wenn man aus dieser Perspektive einen Blick auf das ganze Geschehen wirft, ist es für mich als Frau erleichternd, zu wissen, dass ich geschützt werde – sobald mir als Frau zu Nahe getreten wird! Ich denke, dass diese Art von Sensibilisierung auch nicht in jedem Lande zu finden ist. Es ist ja schon ein Problem als Frau in bestimmten Fällen „Nein!“ sagen zu können, aber trotzdem in Bedrängnis zu geraten. Aber ein noch viel größeres Problem ist es für diejenigen Mädchen oder Frauen, die nicht „Nein!“ sagen können, wenn ihre Individualdistanz überschritten wird. Dennoch – hier mal am Rande des ganzen Geschehens – ein Lob an das Gericht, das die Frau so in Schutz nimmt.. Aber wie wir mittlerweile aus den Medien wissen, war die richterliche Anordnung ja nicht nur aus der Sensibilität gegenüber der Frau wegen.. Deshalb zurück zum Fall Mollath.

Kollektives Bewusstsein über Geschehnisse

Im Falle Mollaths geht man ja davon aus, dass Mollath bewusst mundtot gemacht wurde, und es nicht nur darum ging, seine Ex-Frau vor ihm zu schützen. Hinweise hierauf geben die Aspekte, dass man ihm eben kaum Gehör schenkte, wenn er über die Bankengeschichte seiner Ex-Frau, die bei der Hypovereinsbank arbeitete, sprechen wollte. Deshalb müssen Fälle wie die der NSU oder Mollath öffentlich publik gemacht werden, damit der Staat sich verbessern kann. Damit er erst einmal auf das Bewusstsein über Geschehenes in der Bevölkerung aufmerksam gemacht werden kann, aber auch damit er sich als demokratischen Rechtsstaat optimieren und beweisen kann. Es beruhigt mich nämlich, dass weder die aktuelle Regierung noch Oppositionsvertreter so tun, als wäre in beiden Fällen (NSU und Mollath) alles in Ordnung gewesen. Denn wie wir wissen ist „Einsicht der erste Schritt zur Besserung“!


[1] Alle Zitate von Süddeutsche.de aus: Olaf Przybilla und Uwe Ritzer: Chronologie zum Fall Gustl Mollath – Suche nach der Wahrheit: http://www.sueddeutsche.de/bayern/chronologie-zum-fall-gustl-mollath-schwierige-suche-nach-der-wahrheit-1.1542305, Artikel vom 13.6.13. [Stand 15.6.13].

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