Frauen in der Digitalen Revolution

Das gesellschaftspolitische Thema unserer Zeit ist die Digitalisierung: Wir befinden uns mitten in einer Entwicklung, die tiefgreifend in das Leben aller Menschen auf der Erde eingreift und unseren Alltag nachhaltig verändert und beeinflusst. Die Ereignisse der letzten 18 Monate jedoch, der NSA-Skandal und die Debatte über die Monopolisierung von essentiellen digitalen Diestleistungen, haben vielen Menschen Angst eingejagt. Leider entsteht so eine negative öffentliche Wahrnehmung der Digitalisierung, die den Blick auf die Chancen überlagert.

Dabei sollten wir vor allem die Möglichkeiten in den Vordergrund stellen: Die Digitalisierung bietet mehr Transparenz und Offenheit. Die Digitalisierung bietet verstärkt Zugang zu Informationen. Die Digitalisierung bietet die Chance, stärker an Entwicklungen und Entscheidungsprozessen zu partizipieren. Das gilt auch und vor allem für die Emanzipation von Minderheiten: Gleichberechtigung in der Welt wird duch das Internet gestärkt. Das gilt auch für Frauen und die Durchsetzung ihrer Rechte, die in vielen Teilen der Welt immer noch verletzt und eingeschränkt werden.

Ich möchte an dieser Stelle einen genaueren Blick auf die Gleichberechtigung in der digitalen Welt richten, hier zeigt sich im Besonderen was das Netz auch für die Frauen in aller Welt tun kann. Das Internet ist ein weltweites Sprachrohr für die Interessen der Frauen: Völlig neue Formen des weltweiten Protests sind möglich, auf Missstände und Benachteilungen kann medienwirksam hingewiesen werden. Auch der Erfahrungsaustausch und der gesellschaftliche Diskusrs findet im Internet ganz andere Mittel und Wege – und das international!

Ein schönes Beispiel für den digitalen Protest von Frauen sind die Twitteraktionen auf die Forderung eines öffentlichen Lachverbots für Frauen durch den türkischen Vize-Regierungschef Bülent Arinc. Im Juli und August posteten viele türkische Frauen als Erwiderung auf die absurde Forderund einfach Fotos die sie lachend im öffentlichen Raum zeigen. Auch der digitale Protest von Iranerinnen gegen ein Stadionverbot fand über die Verbreitung im Internet weltweite Aufmerksamkeit und führte bereits zu ersten erfolgsversprechenden Veränderungen. In Deutschland sorgte der #Aufschrei über Twitter für eine breite gesellschaftliche Diskussion über Alltagssexismus in der aufgeklärten Bundesrepublik.

Gerade für Regionen, in denen Frauen gegenüber den Männern eine noch eher untergeordnete Stellung in der Gesellschaft einnehmen, kann die Digitalisierung helfen, diese in Zukunft zu verbessern. In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind 65 Prozent der Hochschulabsolventen weiblich, im Iran 63 Prozent und in China 47 Prozent. In Asien und Osteuropa liegen die Prozentzahlen von Informatikstudentinnen viel höher als in Deutschland der Fall ist. Da IT-Jobs jetzt und in Zukunft händeringend gesucht werden, haben diese jungen Studentinnen eine Trumpfkarte in der Hand, die ihnen in Zukunft helfen könnte, eine gerechtere gesellschaftliche und wirtschaftliche Teilhabe in ihren Ländern zu erreichen.

Interessant ist der Blick nach Indien. Die IT-Metropole Bangalore macht Mut und zeigt den kommenden Weg: Im IT-Bereich wird es in Zukunft nicht ohne gut ausgebildete Frauen gehen. Die boomende Softwareindustrie in Bangalore beschäftigt bis zu 25 Prozent Frauen. Diese geben sich nicht nur als Angestellte zufrieden, sondern erobern Managementabteilungen oder gründen eigene Firmen. Durch die Teilnahme an wirtschaftlichen Machtpositionen entwickeln sie ein starkes Selbstbewusstsein.

Heute studieren junge Frauen ebenso wie ihre männlichen Kollegen Fächer der Naturwissenschaften und der Technik. An indischen Universitäten finden sich mehr als 50 Prozent Mathematikerinnen und Informatikerinnen. In Deutschland liegt der Anteil der eingeschriebenen Informatikstudentinnen dagegen bei etwa 22 Prozent. Auch die Zahl der deutschen Startups, die hauptsächlich von Gründerinnen aufgebaut wurden, ist nach Angaben des Bundesverbands deutscher Startups mit 13% noch ausbaufähig. Gerade die Digitalwirtschaft mit ihren neuen Geschäftsmodellen und ihrer Affinität dazu Prozesse zu überdenken und neu aufzustellen sollte ein ideales Feld für modernere Geschäftsstrukturen sein.

Für Deutschlands Zukunft stellt sich die Frage, wie wir es schaffen können, die digitale Revolution zu dem zu machen was sie sein könnte: Eine Revolution für alle Bevölkerungsgruppen, egal ob Frau oder Mann, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Bei der Frauenförderung sind die ersten Schritte getan. Um Frauen die Hemmschwelle in der Informatik zu nehmen, gibt es in Deutschland inzwischen drei Bachelor-Studiengänge der Informatik und Wirtschaftsinformatik nur für Frauen. Auch der Girls Day, der, von zwei Bundesministerien gefördert, Schülerinnen die von ihnen unterbesetzten MINT-Studiengänge näherbringt, hat zu diesen positiven Entwicklungen beigetragen. Als einer der Hauptakteure im wirtschaftlichen globalen Wettbewerb kann Deutschland es sich nicht erlauben, das große wirtschaftliche Potenzial an weiblichen Arbeitskräften brachliegen zu lassen. Die Digitalisierung und das verbesserte Standing von qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnerhmern durch den Fachkräftemangel wird jetzt in Zukunft helfen neue Arbeitsformen zur Entstehung zu bringen. Home Office, Crowdsourcing und neue Arbeitszeitmodelle sind hier die Schlüsselwörter. Der Anfang ist gemacht! Nun ist es wichtig, die bestehenden Erfolge weiter auszubauen um in Zukunft die Früchte der Digitalisierung ernten zu können.

Comments

  1. Carot Girl says:

    Wooow! Cooooler Beitrag! Ich bin geflasht! So hab ich das ja noch gaaar net gesehen, aber stimmt, da ist schon was dran. Nach dem Abitur werd ich auch was mit IT machen. Hundert pro!

  2. Ilse Krug says:

    Toller Beitrag! Macht Frauen Mut zu Mehr. Ein frischer Blick auf die Möglichkeiten der Digitalen Revolution. Schön, dass es Menschen gibt die ihre Gedanken mit allen teilen.

  3. Simone DeBeauvoir says:

    Die Frauenrechtlerin in mir hat gelächelt. Es sei Ihnen gedankt Frau Kampmann. Das Internet gibt Frauen die in ihren Rechten verletzt oder eingeschränkt werden eine Stimme. Das ist wunderbar! Doch ich denke an Frauen in Drittweltstaaten die tagtäglich ausgebeutet und missbraucht werden. Jene Frauen die keinen Zugriff zum Internet haben. Sie brauchen unsere Stimme. Für diese Frauen müssen wir aufschreien! #Aufschrei

  4. LikeToMoveIt says:

    What the hell is going on here? Spaaaß! Echt toller Artikel. Daumen hoch, Den werd ich jetzt erst mal fett teilen. 😀

  5. dieguteFrauvonnebenan says:

    Ich selbst war ja immer etwas betrübt wenn die Kinder nur am Rechner sitzen. Aber wenn die da so gute Sachen machen dann ist das eine richtig feine Sache.

  6. Petra W says:

    Klasse Beitrag!
    Trotzdem eine wichtige Anmerkung:
    Bitte vergesst in der digitalisierten Welt nicht behinderte Menschen. Es gibt immer noch viel zu viele Zugangsbarrieren in der digitalen Welt. Sehbehinderte und blinde Menschen, lese- und rechtschreibschwache Menschen, Menschen mit kognitiven Einschränkungen stoßen zu oft auf vermeidbare Hindernisse. Ebenso ältere Menschen und diejenigen, die sich aktuelle Technik nicht leisten können.

  7. Psychotherapiepraxis says:

    Hallo Frau Kampmann,
    Ihr feministischer Beitrag zur Digitalisierung gefällt mir sehr gut.
    Mein Anliegen wäre, dass diese mit weniger Funkstrahlung einhergeht.
    Denn manche elektrohypersensible (EHS) können nur noch
    wenig am öffentlichen Leben teilnehmen, weil die Strahlung von WLAN und
    Antennen immer stärker wird und ca. 10 % der Bevölkerung zunehmend
    Beschwerden macht. Zumal das Krebsrisiko sich dabei für alle erhöht
    – seit 2011 von der WHO anerkannt, bitte ich die SPD um Minderheitenschutz wie für Nichtraucher.
    Die extrem hohen Grenzwerte, die Fr. Dr. Merkel als Umweltministerin von der Industrie als sicher verkauft wurden, müssen drastisch gesenkt werden auf die vom BUND für Umwelt und Naturschutz empfohlenen Innenraumschutzwerte von 1 Mikrowatt/qm, denn Mobilfunk ist unter 0,001 möglich, s. die von der unabhängigen Verbraucherschutzorganisation Diagnose-Funk in Mobilfunkstudien.de zusammengetragenen Fakten. Auch die sog. smart meters sind überhaupt nicht smart,
    sondern für viele krank machend, wenn sie per Funk statt Festnetz betrieben werden.
    Digitalisierung JA – aber nicht nur per Funk!
    Eine besorgte Psychotherapeutin, die Angst vor zu viel Elektrosmog für gesund hält!

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