Frauen und High Heels – das ewige Dilemma

 

Schon im Kindesalter spielt der Schuh eine ganz besondere Rolle. Das kann ein neues Paar Schuhe zur Konfirmation oder zu Bayram sein, oft kommt der Schuh auch in Märchen vor. Dem gestiefelten Kater ist der Schuh ein Mittel für gesellschaftlichen Aufstieg und so bewerkstelligt er Dinge, die sonst nur Menschen vorbehalten sind. Auch Aschenputtel schafft den sozialen Aufstieg mit Hilfe des Schuhs, den der Prinz allen unverheirateten Frauen im Land anprobieren lässt bis er seine künftige Braut findet.

Im alten China galten kleine, zierliche Füße fast 1000 Jahre als Schönheitsideal. Die Füße einer Frau waren maßgebend bei der Wahl einer Braut.  Dem jungen Mann wurde kein Porträt von der Braut gezeigt, sondern ein kleines Paar zierlicher Schuhe. Bei der Hochzeit wurde die Braut vollkommen verhüllt bis auf ihre Füße. Wenn ihre Füße klein waren huldigte man ihrer Schönheit, aber wenn ihre Füße groß waren so galt die Braut als hässliche Braut.

Quelle: http://i.lesmads.de/blogs/chuhchuh/upload/570-800--.maison_margiela_shoe_glass.png
Quelle: http://i.lesmads.de/blogs/chuhchuh/upload/570-800–.maison_margiela_shoe_glass.png

In wohlhabenden Familien, in denen die Mädchen nicht arbeiten gehen mussten, wurden den kleinen Mädchen schon im 3. oder 4. Lebensjahr die Zehen gebrochen und gebunden. Füße so klein und spitz wie eine Lotusblüte waren das Ideal. Zudem musste die Frau das Kunsthandwerk lernen um die bestickten Schuhe für ihre Lotusfüße herzustellen.  Der unsichere trippelnde Gang der Frauen soll die Männer zu jener Zeit verzückt haben. Doch das Brechen und Binden der Füße führte von Entzündungen der Schumpen bis zu einer Blutvergiftung, die tödlich endete. Jeder Schritt war für Frauen mit Lotusfüßen eine Quelle qualvoller Schmerzen.

Quelle: http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/mode/schuhe/img/av_schuhe_lotus_g.jpg
Quelle: http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/mode/schuhe/img/av_schuhe_lotus_g.jpg

Wer die aktuelle Mode verfolgt wird sich wundern, wie ähnlich die Lederstiefel mit Fellanteilen im Schaufenster den Stiefeln auf Höhlenmalereien von 12.000 v. Chr. sind. Damals umwickelten die Menschen ihre Füße mit Tierhaut und Fell, um sich vor der Kälte zu schützen. Lange Zeit gab es keine Unterschiede zwischen Frauen- und Männerschuhen. Erst im vierten Jahrhundert entstanden neue Schuhformen. Der Stiefel kam in diesem Zeitraum zum ersten Mal in den Okzident und war zunächst als Arbeitsschuh den Männern vorbehalten. Erst im 12. und 13. Jahrhundert trug man zum ersten Mal Absätze und zwar aus praktischen Gründen. Damit der Reitstiefel nicht aus dem Bügel rutscht wurde er mit Absätzen ausgestattet. Im Spätmittelalter wurde von der Gesellschaft großer Wert auf die äußere Erscheinung gelegt. In der damals ständischen Gesellschaft wurde die Mode neben Faktoren wie Sitte, Religion, kulturellen und wirtschaftlichen Besonderheiten vor allem von den herrschenden sozialen Schichten geprägt. Seit dem 13. Jahrhundert gab es Kleiderordnungen, die es einzuhalten galt und die vor allem die Privilegien des Adels etablierten.

Quelle: http://www.abload.de/img/lotusfuss9jcwu.png
Quelle: http://www.abload.de/img/lotusfuss9jcwu.png

Im Laufe des 14. und 15. Jahrhunderts gab es einen regelrechten Mode Boom. Es entstand eine große modische Vielfalt. Die Damenbekleidung wurde immer figurbetonter, teilweise wurde die Oberbekleidung mit Knöpfen und Schnüren an den Körper angepasst. Das Schuhwerk des Adels war aus weichem Leder, Samt und Seide und wurde mit prachtvollen Verzierungen versehen. Das höfische Schuhwerk musste von dem Dreck auf den Straßen geschützt werden, denn damals gab es noch keine Kanalisationen. Es wurden Trippen, Überschuhe mit Absätzen, aus Holz oder Kork getragen, die man auszog bevor man das Haus betrat.

Quelle: http://www.kayserstuhl.de/schuhwerk_schuhe.htm&docid=0ClYRCdJHz-xGM&itg=1&imgurl=http://www.kayserstuhl.de/images/schuhe/schuhe.gif&w=200&h=294&ei=noagUsS0BsG64AS2q4FA&zoom=1&iact=hc&vpx=165&vpy=48&dur=5409&hovh=235&hovw=160&tx=88&ty=160&page=1&tbnh=132&tbnw=90&start=0&ndsp=34&ved=1t:429,r:9,s:0,i:108
Quelle: http://www.kayserstuhl.de/schuhwerk_schuhe.htm&docid=0ClYRCdJHz-xGM&itg=1&imgurl=
Quelle: http://www.leder-info.de/images/thumb/Chopine-Venedig-um-1600---02.jpg/250px-Chopine-Venedig-um-1600---02.jpg
Quelle: http://www.leder-info.de/images/thumb/Chopine-Venedig-um-1600—02.jpg/250px-Chopine-Venedig-um-1600—02.jpg

Im 15. Jh. entstand die Chopine, von Kritikern als modische Absurdität bezeichnet, war dies ein Plateauschuh mit Absätzen von bis zu 40 cm Höhe, der bevorzugt von Kurtisanen getragen wurde. Im 17. Jahrhundert entstanden erst geschlechterspezifische Schuhe. Der Stiefel wurde vom Arbeitsschuh zum glanzvollen Männerschuh erhoben und Frauen trugen verzierte Modelle, die ihre Bewegungsfreiheit einschränkten. Erst in diesem Zeitraum kam der Absatz so wie wir ihn kennen auf und war bei beiden Geschlechtern gleichermaßen beliebt.

Quelle: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/visite/fuss106_v-contentgross.jpg
Quelle: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/visite/fuss106_v-contentgross.jpg

Im europäischen Raum gelten viel mehr schmale Füße als erstrebenswertes weibliches Ideal. Vermutlich liegt dies in der Zeit begründet in der feine Damen der Aristokratie schmale, schlanke Füße hatten, weil sie es sich leisten konnten nicht zu arbeiten. Im kulturellen Gedächtnis hat sich die Assoziation von adlig und aristokratisch mit schlanken Damenfüßen bis in unsere Zeit fest gehalten. Diese schmalen, schlanken Füße zwängen Frauen heute in High Heels, was sich sichtbar auf die Haltung und den Gang der Frau auswirkt. Ähnlich wie Frauen mit Lotusfüßen, fällt es Frauen, die High Heels tragen, schwer zu gehen.

Quelle: http://www.washingtonpost.com/rw/2010-2019/WashingtonPost/2013/06/17/Health-Environment-Science/Graphics/HighHeels18.jpg
Quelle: http://www.washingtonpost.com/rw/2010-2019/WashingtonPost/2013/06/17/Health-Environment-Science/Graphics/HighHeels18.jpg

Gerne werden die modernen Damenschuhe auch als Sitz- oder Stehschuhe bezeichnet. Auf langer Sicht leiden Frauen, die oft High Heels tragen unter Haltungsschäden, Rückenschmerzen, die Zehen werden zu einer Klaue zusammen gedrückt, es entstehen Hühneraugen, Ballenzehen und sogar Verformungen am Fuß. Vielleicht wird man mal über all die Frauen, die zum Orthopäden gehen sagen „Ach, die hat mal zu lange High Heels getragen.“ Fest steht, dass Frauen seit eh und jeh leiden, um gesellschaftlichen Trends zu folgen, die ihnen Schönheit versprechen. Nicht umsonst sagt der Volksmund „Wer schön sein will muss leiden.“

Bildquelle: http://www.kristinthurm.de/wp-content/uploads/2012/02/12-pinke-Brautschuhe.jpg

http://www.bessergehen.com/blog/index.php/news/comments/lotusfuesse-verkrueppelte-fuesse-als-schoenheitssymbol-im-alten-china

http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/mode/schuhe/video_schuhe_lotus.jsp

http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/mode/schuhe/video_schuhe_highheels.jsp

http://www.schuhmuseum.de/01/index02.htm

http://www.fem.com/fashion/high-heels/index.html

http://www.ig-historisches-handwerk.de/kleidungfrauen1380.html

 

 

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.