"Österreich und Deutschland, deutschsprachiger Raum, was kann da schon, kultur- und sprachmäßig schiefgehen?", dachte ich mir, als ich in den Bus stieg, der anderthalb Stunden Verspätung hatte. Eine neunstündige Fahrt stand mir bevor, bis ich mein Ziel, Wien erreichte.
(Hier würde ich gerne berichten, wie spaßig und angenehm diese Fahrt war, wo der Bus fast gegen ein Baustellenschild gecrasht ist und dies schon das Ende vom Anfang meines Abenteuers zu sein schien, mach ich aber nicht, um die Leser nicht noch mehr zulangeweilen.)

Angekommen in einem dunklen Wien, es war ja schon fast 20.00 Uhr  warte ich auf die Person, die mich (nicht) abholte, da sie es verpeilt hatte. Beladen mit einem Rucksack, einer Handtasche, das, in der letzten Minute mir zugesteckte, Reiseproviant von meiner lieben Mama und meinem Koffer Rudi (ja mein Koffer hat einen Namen, so wie viele meines Habes) suchte ich mir also meinen Weg mittels U-Bahn und Fußstrecke zum elften Bezirk. Dort angekommen holte mich dann doch jemand ab. Als ich dann fix und foxi  ankam, dachte ich nur: Wie soll ich nur sechs verdammt lange Wochen hier überleben?

Als wäre die Tatsache, dass ich 700 km weit von meiner Heimat entfernt bin, nicht schlimm genug wäre, erzählte mir meine neukennengelernte WG-Mitbewohnerin das meine Praktikumsbetreuerin eine strenge, disziplinierte "Hexe" wäre. (nicht böse nehmen, das ist alles relativ.)

Am nächsten Tag begann der Tag damit, mich irgendwie in dieser komisch großen, aber angenehm kleinen Stadt zu orientieren. Die Menschen schienen alle nicht gerade einen Clown gefrühstückt zu haben und das Wetter ließ auch einiges zu wünschen übrig. Naja, wenigstens kam ich mit dem Ticket-Automaten zurecht, wir sind ja da schon hart geschult, Deutschlands Fahrscheinautomaten mit seinen 100 Gebietstarifen sei Dank. Als ich in das Raumschiff namens U-Bahn einstieg, endete die Fahrt auch nach 3 Stationen (obwohl ich 7 fahren musste), irgendwas war defekt (das sind wir ja aus Deutschland auch gewohnt :) ), also aussteigen und auf die nächste warten. Die erste Hürde meisterte ich aber, indem ich heil an meinem Praktikumsort ankam, wo dann neue verwirrende Umstände auf mich warteten, die jedoch von organisatorischem und fehlkommunikatorischem Belangen waren und deshalb in kürzester Zeit gelöst wurden. Ja, Safiyye war für einen kleinen Moment doch glücklich. Als zweite Meisterleistung des Tages und besonders ernennenswert war die Tatsache, dass ich es (mit Unterstüzung, ich gebe es zu) geschafft hatte, in Besitz einer MONATSKARTE zukommen. Da rastet aber jemand aus.

Um der angeblichen "Hexe" näher zukommen, unternahmen wir an diesem Abend eine kleine Stadtspaziergang durch den ersten Bezirk. Wir schlenderten durch den Volksgarten und betrachteten das Parlament von einem genügenden Abstand- seit meinem Praktikum im europäischen Parlament habe ich es nicht so mit Politik. Und in den nächsten Tagen (und Nächten) lernte ich sie nicht nur als Praktikumsbetreuerin, sondern als mein kleines, privates und geheimes Stipendium kennen, die mir ständig was ausgab. (ich bin nicht arm. ich kann auch mit Geld umgehen und bezahlen) Und nicht nur das, sie war auch mein U-Bahn-Netz-Fahrplan, meine Stadtkarte, mein Restaurant- und Poststellenfinder und und und...

Die nächsten Tage liefen eigentlich ohne weitern Probleme, nur bis auf die Tatsache, dass in Wien keiner Deutsch spricht. Ich meine, wer nennt Tomaten schon Paradeiser. Und so ganz habe ich es auch nicht verstanden, als die nette Kassiererin an der "Kassa"(dt.Kasse) mich fragte, ob ich ein "Sackerl" (dt. Tüte oder Tragetasche) brauche und mich schräg anschaute, als ich sie fragte, ob sie mir eine Tüte geben kann. Den Höhepunkt erlitt ich dann in der Eisdiele, wo ich ein Eis mit "Schlagobers"(dt. Schlagsahne) wollte, es doch nicht bestellte, weil ich treu zu meinem Hochdeutsch bleiben wollte. Ah, da war ja auch noch die Pizza, die mit Melanzani (dt. Aubergine) belegt war.

Und weil es in Wien irgendwann zu langweilig wurde, verschlug es uns nach Prag, aber darüber könnte ich glaube ich noch 100 Beiträge schreiben. Ich habe gemerkt, wie schwierig es ist, wenn man mit der heimischen Währung nicht umgehen kann und sich jedes Mal fragt, wieviel man denn nun wirklich ausgegeben hat. Mit 100 KRC hatte ich mich echt reich gefühlt, bis ich gemerkt habe, dass es nur 4 Euro entspricht.

Als weiteres Reiseziel kam dann noch Salzburg hinzu, wobei ich in Salzburg mehr Menschlichkeit und Freundlichkeit gesehen und gespürt habe, als in Wien. Salzburg hat etwas Interessantes an sich, es scheint eher als würde es eine Filmkullisse für die nächste kitschig-romantische Komödie sein, so klein und verträumt. Zu unserem Glück hat das Wetter mitgespielt, sodass wir prima die Burg (und natürlich den restlichen Teil der Stadt) zu Fuß (irrsinnig, wirklich irrsinnig) bestiegen sind und als Belohnung fast, wegen der Dehydralisierung, umgekippt sind. Und da war die Tatsache, das Salzburger gratis und Touristen für 8 Euro sich eine leere Burg besichten können. Hurray.

Als Highlight der Rückfahrt von Salzburg möchte ich meine brilliante Idee erzählen, am selben Tag noch die "lange Nacht der Museen" zu besuchen. Nicht, dass wir tot müde und schlafwandelnd herumwandern, nein es müssen auch noch Museen besucht werden. Also schleppte ich mein Allround-Talent, aka ehemalige "Hexe" und mit der offizielen Bezeichnung "Praktikumsbetreuerin" mit mir in diverse Museen, wo wir Steine begutachteten oder ein Geschöpf, ich glaube es war ein pubertierendes Mädchen mit leicht narzistischen Zügen, das mindestens 20 Bilder von sich vor einem Dinosaurier schießen ließ in verschiedenen Gefühlsmomenten ("und jetzt schau ich böse und jetzt als ob ich Angst hätte und jetzt so, als würde ich auch brüllen"). Nicht nur uns fiel diese eigenartige Spezies auf, um sie herum standen eine Vielzahl von Menschen, die nicht ganz wussten, ob sie denn nun auch zur Ausstellung gehörte oder einfach nur so da herumlungerte.
Als wir als letztes zum Schmetterlingshaus ankamen, wo mehr Kakerlaken drinne waren als Schmetterlinge, hatte sich der Abend für mich und meine treue und schwer überredete Begleiterin erledigt.

Das absolute Highlight meines gesamten Aufenthaltes war natürlich das Wiener Riesenrad, ein Kindheitstraum. Und als ich die Stadt so von oben in einem wackelnden Wagon betrachtete, war ich irgendwie doch glücklich, dass ich genau jetzt hier bin, mit dem Menschen, aka ehemalige Hexe, die mir meinen Kindheitstraum erfüllt hat.

Insgesamt freue ich mich eigentlich riesig auf meine Heimat und meine Familie, jedoch glaube ich, dass ich diese Stadt tief irgendwo in meinem Herzen doch vermissen werde. Denn ich habe gemerkt, dass eine Stadt nur dann schön ist, wenn man genügend Verrückte um sich hat, die man liebgewinnt. Und hier habe ich definitiv einige sehr stark liebgewonnen und bin sehr, sehr froh, dass ich sie kennengelernt habe. Und so kann ich mit vollem Herzen sagen: Wien, du bist mit all deinen Macken wunderschön!

& hier ein paar Bilder, die alle total schön sind und euch gefallen sollten. (Effekte wie WOW, URSCHÖN (dt. super oder total schön) sind erwünscht)

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Prag- Ausblick auf eine Burg

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Prag- Ausblick auf Karlsbrücke

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Wiener Rieserad

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Ausblick vom Kahlenberg

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Salzburg- rundes, goldenes Ding und die Burg

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Salzburg- Brücke und Blick auf die Altstadt

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