Gute Freunde – nur an schlechten Tagen?

Oft denkt man, gute Freunde zeigen sich besonders an schlechten Tagen. Damit meint man, dass es an schlechten Tagen benötigt, um zu sehen, wer immer noch zu einem steht. Und dieser eine, der dann immer noch zu einem steht, sei als guter Freund oder als gute Freundin zu erkennen. Es muss aber nicht nur das „an-schlechten-Tagen-zu-einem-stehen“ sein, was diesen guten Freund oder gute Freundin erkennen lässt. Es kann auch die Bereitschaft sein, einem an seinem schlechten Tag zuzuhören, sein Leid zu teilen und bei ihm sein, was eine Person als guten Freund oder gute Freundin sichtbar werden lassen kann.
Nun gibt es aber auch viele gute Tage – Gott sei Dank! Ist es nicht schön, wenn genau an diesen Tagen auch die Freude miteinander geteilt werden kann?! Wenn an diesen Tagen gezeigt wird, dass man auch bei einem sein kann, in vollen Zügen?! Machen sich gute Freunde nicht auch an diesen guten Tagen sichtbar?! Die Ausrufezeichen hinter den Fragezeichen zeigen natürlich, dass die Fragen nur Suggestivfragen sind.

Nur leider vergessen wir Menschen allzu oft, diese Menschen zu schätzen. Diese Personen, die Folgendes können: sowohl das Leid teilen, als auch die Freude teilen. Wir wissen manchmal manche Personen, die zu einem stehen würden, egal was passiert, nicht zu schätzen. Wir wissen manchmal manche Personen, die einen lieben, nicht zu schätzen. Vielleicht, weil wir „Liebe“ nicht gewohnt sind. Vielleicht, weil wir das „Lieben“ nicht gewohnt sind. Und weil wir das nicht gewohnt sind, können wir es weder lieben, noch Liebe annehmen und schätzen… Es bleibt dann nur noch eine Frage der Zeit, bis man es dann vielleicht doch hinkriegt: Zu lieben und geliebt zu werden. Zu schätzen und geschätzt zu werden. Ein großartiger Mensch soll einst gesagt haben, dass man sich trauen solle, jemandem zu sagen, dass man ihn liebt, bevor es zu spät sei. Sonst könne man es bereuen, es verschwiegen und dieses Gefühl der Liebe mit ins Grab genommen zu haben. Und das wäre nur allzu schade… Denn Lieben ist eine großartige, wenn auch nicht immer einfache Sache.

Denn natürlich verläuft in guten, selbst in den besten Freundschaften, Partnerschaften, Familien auch mit viel Liebe, Vertrauen und Beisammensein nicht alles reibungslos. Es gibt kleine große und große kleine Streitigkeiten. Hierbei ist eben das Verzeihen wichtig. „Verzeihen bedeutet das Verziehene zu vergessen. Es bedeutet aber auch, dass man auch das eigene Verzeihen vergisst. Und zuletzt bedeutet Verzeihen das Vergessen des Vergessens“, erklärte eine von mir geschätzte Person. Ich finde es sehr schön, mal zu verstehen, was „Verzeihen“ denn wirklich heißt. Denn wenn man nicht vergisst, dass man verziehen hat, dann kann es sehr leicht beim nächsten Streit zu folgendem Satz führen: „Ich hatte dir doch schon beim letzten Mal verziehen!“… Nein. Das ist kein Verzeihen. Dann hast du das Verzeihen nicht verstanden. Und auch niemals verziehen.. Damit dir verzeiht wird, lerne zu verzeihen! Egal, ob du Menschen um Verzeihung bittest – oder Gott: Verzeihe, damit dir verziehen wird!

Im Islam gibt es diesen Glauben und damit folgendes Wissen für Muslime und Musliminnen: Dass einem von Gott im Jenseits eher verziehen wird, wenn man selber im Diesseits in der Lage ist, zu verzeihen. Ich finde diesen Aspekt einen sehr schönen. Der Aspekt hat einen erzieherischen Aspekt. Aber auch eine erleichternde Wirkung. Denn mit dem Wissen darüber, dass Gott sich schon um das Unrecht – spätestens im Jenseits – kümmern wird, belastet man sich nicht mit den Ungerechtigkeiten, die einem widerfahren. Man braucht es nicht wie einen schweren Rucksack auf dem Rücken während einer Schifffahrt tragen, sondern kann diesen schweren Rucksack auf den Schiffsboden ablegen. Und das gibt Kraft, Ausdauer und Erleichterung.
Von daher gilt es also für eine gute Freundschaft aber vor allem für eine gelungene Partnerschaft, die Fähigkeit zu schätzen, zu lieben, zu verzeihen und aber auch Gott zu vertrauen. Damit man nicht aus jeder Mücke einen Elefanten macht.

 

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