Ein junges Mädchen, 20 Jahre alt, ist tot. Vergewaltigt, erstochen und verbrannt. Ihr wurde ihr Leben genommen. Mit 20. Mitten im Leben. Ihr wurden ihre Träume genommen, ihre Wünsche, ihre Zukunft. Sie wurde von ihrer Familie und ihren Freunden weggenommen. Sie wird nie wieder die Chance bekommen, morgens aufzustehen, die Sonne zu genießen, zu lachen, zu weinen, sich über ihre Uni zu ärgern, zu tanzen, ein gutes Buch zu lesen, einen Kaffee zu trinken oder einfach in den Armen ihrer Liebsten zu verweilen. 

Und warum? Warum wurde Sie ermordet? Wer zur Hölle trägt so viel Hass in seinem Herzen, so viel Hässlichkeit und Abscheu mit sich, dass er eine junge Frau auf diese Weise tötet?

Darauf kann kein gesunder Menschenverstand eine Antwort finden. Und wenn ich Kommentare höre wie: „Sie hat die Männer bestimmt mit ihrer Kleidung oder ihrem Verhalten provoziert“, dann kriege ich einen Ausraster. Egal ob mit Minirock oder vollkommen verschleiert. Ein geisteskranker Mensch lässt sich von diesen Umständen nicht abschrecken.

Sie ist kein Einzelfall. Wird es leider auch nie bleiben. Seit 200 Jahren kämpfen Frauen für ihre Rechte. Versuchen in der männlich dominierte Gesellschaft klar zustellen, dass sie ebenfalls ein Teil dieser sind. Mit mehr oder weniger Erfolg. „Eine von drei Frauen hat seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren, einer von fünf Frauen wurde nachgestellt („gestalkt“), und jede zweite Frau war mit einer oder mehreren Formen der sexuellen Belästigung konfrontiert, um nur einige Beispiele zu nennen.“, heißt es auf der Seite der FRA, European Union Agency For Fundamental Rights.

Schon allein am Anfang dieses Jahres hörten wir von zwei erschreckenden Morden, beide 19 Jahre alt. Die eine in Berlin, hochschwanger, verbrannt. Die andere in Darmstadt, erstickt. Hintergründe, wie Herkunft der Täter oder Motiv der Taten, sind für mich zu diesem Zeitpunkt nicht relevant. Nichts legitimiert das Morden, keine Ideologie, keine Religion und auch keine Herkunft, Tradition or whatever.

Wenn ich in einem vermeintlich sicheren Land, wie Deutschland, ab einer bestimmen Uhrzeit Angst habe auf die Straße zugehen, weil mir was zustoßen könnte, dann müssen wir einiges überdenken.

Wenn eine Freundin von mir nach Unischluss im Bus blöd angemacht und bis nach Hause verfolgt wird, dann müssen wir einiges überdenken.

Wenn wir aus einem Bus aussteigen, weil dieser leer ist, bzw. zu wenige Menschen da sind und/oder diejenigen die mitfahren Männer sind, dann müssen wir einiges überdenken.

Wenn viele von uns  immer mit einer Hand am Pfefferspray nach Hause laufen, dann müssen wir einiges überdenken.

Wenn Frauen geschlagen, missbraucht, vergewaltigt, erstochen und verbrannt werden, wenn diejenigen die diese Taten begangen haben sich immer noch als MENSCH ansehen und nicht die gerechte Strafe kriegen, dann müssen wir definitiv etwas überdenken. Und zwar unsere Menschlichkeit. Unser Rechtssystem. Unsere Erziehung. Und vor allem unsere Werte und Normen.

Es kann doch nicht sein, dass wir im Jahr 2015 immer noch die Frau als etwas Minderes ansehen, als etwas, was zu beherrschen gilt. Was Mann unterdrücken muss. Oder womit Mann alles tun darf, was ihm in den Sinn kommt und das auch noch ohne jegliche Konsequenzen.

I have a dream that one day we will recognize that all people - men and women - are created equal!

 

Übrigens haben wir auch schon vorher uns mit dem Thema befasst

http://denkerinnen.de/internationaler-tag-zur-beseitigung-von-gewalt-gegen-frauen/

 Für alle Interessierten ist hier eine EU-weite Erhebung zum Thema "Gewalt gegen Frauen": http://fra.europa.eu/de/publication/2014/gewalt-gegen-frauen-eine-eu-weite-erhebung-ergebnisse-auf-einen-blick

 

 

Share

Tags: , ,