Im Gedenken an Marwa El-Sherbini

Liebste Marwa,

es sind nun bereits vier Jahre vergangen seit diesem grauenhaften Tag. Vier lange Jahre. Lange Jahre für die Menschen, die dir sehr nahe waren und dich jeden morgen vermissen und sich immer wieder fragen, wie deine Stimme klang, wie dein Lächeln  oder das Licht in deinen Augen aussah. Eine lange Zeit. Lange für das Diesseits.

Du, als Mensch mit Glauben, du, als guter Mensch, du, als eine Frau die so sehr geliebt wurde, weil du einfach ein reines Herz hattest, bist jetzt im Himmel, daran glaube ich fest. Dieser Glaube ist es sicherlich auch, der diesen Schmerz aushaltbar macht und einen Rest Hoffnung hinterlässt. Denn durch den Glauben an das Jenseits, bringen die Menschen, die dich lieben die notwendige Geduld auf, für ein Wiedersehen. Ihr werdet euch sicherlich wieder sehen. Dann im Jenseits, fern von jeglichem Schmerz, jeglicher Qual und Last. In Frieden werdet ihr euch begegnen. Jeder so, wie er ist.

In den vier Jahren ist bei uns viel passiert. Du bist gegangen. Zunächst brach für Tage eine starre Ruhe ein. Eine Ohnmacht. Es wurde kein Wort darüber verloren. Alle Zeitungen und Medien, die doch sonst ach so schnell sind, waren alle samt stumm. Vielleicht haben sie gewartet, dass irgendein anderer das Schweigen als erster bricht, und je nach Stimmlage dann synchron im Chor gelabert wird. Ich benutze bewusst das Wort labern, denn auf diese Art ist es dann nur noch labern und nicht mehr reden, schreiben, kommentieren oder berichten. Ja, danach haben sie gelabert. Was genau, weiß ich nicht mehr, denn nach dieser Stille, war das Wort wertlos für mich. 

In den vier Jahren wurde das Diesseits Zeuge neuer Alexander W.‘s. Menschlich verkümmerte Wesen, die keinerlei Reue zeigen, für die Schäden, die sie an anderen Menschen verursachen… Die Liste dieser Menschenschänder ist sicherlich länger, diejenigen, die ans Tageslicht kamen sind Zschäpe, Breivik und Sarrazin. Die Gesellschaft scheint manchmal aus Fehlern und Schmerz nicht zu lernen. Dennoch stirbt die Hoffnung zuletzt. 

Liebste Marwa, ich weiss nicht, vielleicht brauchen wir eben nochmal vier Jahre, um sagen zu können „wir haben aus unseren Fehlern gelernt, so etwas wird nie wieder passieren„. Ich weiß, irren ist menschlich, doch morden nicht! Ich denke nichts geschieht ohne Grund. Manchmal ist eben die Zeit und unser Wissen nicht reif genug, und wir können die Lage der Dinge nicht erfassen.

Der 1. Juli ist für viele Muslime, Christen, Juden, Buddhisten, Atheisten, Agnostiker und was es eben sonst noch so gibt  in Deutschland, ein Jahrestag. [frame_box]Du bist nicht umsonst gestorben! Dein Tod symbolisiert für viele von uns den Appell an die Zivilcourage und Toleranz. [/frame_box]

[note_box]Ruhe in Frieden, und mögen deine dich liebenden immer die Kraft in der Geduld finden…[/note_box]

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