Woran messen wir unsere Stärke? An unseren Leistungen, an unseren Freundschaften, an unserem Besitz? An den schönen Momenten, die uns ermutigen oder an den traurigen, die uns daran erinnern, dass bessere Zeiten kommen werden?
Ich messe meine Stärke an meiner Familie, wenn ich schwach bin, flüchte ich in die Arme meiner Eltern, zu der Geborgenheit meiner Geschwister. Wenn ich stark bin, dann nur weil ich mich an den starken Rücken meines Vaters anlehne, im Schatten meiner Mutter mich erhole und meine Motivation aufs neue durch meine Geschwister schöpfe. Ich bin nur so stark, wie meine Familie. Oder etwa nicht nur? Denn manchmal passiert es, dass der Rücken nicht mehr so stark, der Schatten nicht mehr so erholsam und die Motivation zu schwach ist. Und dann fragt man sich, was nun? Woraus schöpfe ich neue Kraft, um den neuen Herausforderungen standzuhalten, sie zu meistern. Und wie überlebe ich den neuen Tag. Was passiert,wenn die Kraftquelle nicht mehr in dem Maße vorhanden ist, wie man sie einst kannte?

Und dann denke ich an die Personen, mit denen ich keine "Blutsverwandschaft" besitze. Denn Familie besteht ja nicht nur Mama, Papa und co., sondern auch aus Personen, die wir als Familie wahrnehmen. Aus Freunden, die einen so gut kennen, dass man manchmal selber staunt. Manche sind wie die Festungen in der Brandung oder das Licht mitten in der Dunkelheit. Sie erinnern uns an Vieles, an Dinge die gemeinsam überstanden wurden, an Momente, die uns viel bedeuten. Vielleicht an einen schönen Herbstag, wo man gemeinsam eine Allee spazieren ging, oder an einen Sommertag, wo man hungrig und durstig am Ufer eines Flusses saß und versucht hat für extrem wichtige Klausuren zulernen. Oder sie erinnern uns an unsere zahlreichen Selbsthilfe-Gruppen Meetings, wo die Sorgen angeblich größer waren als alles andere auf der Welt. Ja, sogar die Streitigkeiten sind wertvoll. Und sie erinnern uns eigentlich immer, wie wertvoll diese Person ist und warum man sie nie verlieren will. Sie erinnern uns an uns selber, an die Person,die wir sein wollen, die wir mal waren und die aus uns im Endeffekt geworden ist. Wenn alles Schlag auf Schlag kommt, wenn man keine Lust mehr auf die gesamte Menschheit hat und sie auch gar nicht mehr versteht, sind sie da. Wenn das Erwachsenwerden nur noch wie eine komplizierte mathematische Formel aussieht und alle Wege aus unserem Gedankenlabyrinth versperrt scheinen, sind sie da. Sie sind da um zu helfen, weil man ihnen wirklich was bedeutet, weil sie wirklich da sein wollen. In guten wie in schlechten Tagen.

Und dann gibt es diese bestimme Art von Menschen, die wir gar nicht richtig kennen, aber die uns mit ihrer bloßen Existenz beglücken. ;)

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