Ist der Feminismus intolerant?

Studiert man etwas mit Internationalen Beziehungen, wird von einem erwartet, sich mit jeder Länderpolitik des Globus auf Expertenniveau auszukennen. Für jeden IB Studenten ist das auch der ideale Traum. Leider ist die Schnittmenge von Traum und Realität nicht immer die Gleiche. Gründe hierfür aufzuzählen erspare ich dem Leser und mir selbst. Doch oft ist es auch so, dass die Information, sprich die „Wahrheit“ zu einem gewissen Thema je nach Region unterschiedlich wahrgenommen wird. So ist diese aus diesem Grund auch in den medialen Kommunikationsmitteln anders dargestellt.

Deshalb hat sich eine Ansicht über die Konstrukte einer ‚westlichen‘ und ‚nicht-westlichen Welt‘ entwickelt. Was im ‚Westen‘ gut ist kann im ‚Nicht-Westen‘ schlecht bewertet werden. Deswegen gibt es ja auch die heftige Auseinandersetzung (nicht neu), dass einige nichtwestliche Länder einem gewissen Standard an Wirtschaft, Demokratie sogar einem zivilgesellschaftlichen Schema entsprechen sollten, um als entwickelt zu gelten. Wer das alles bestimmt, oder wer das Recht dazu hat dies alles zu bestimmen, wird hier nicht diskutiert. Vielmehr ist die Frage wie es dazu kommt, dass einige Theorien und Ansichten unterschiedlich wahrgenommen werden. Wie auch am Beispiel der letzteren Aktionen von „FEMEN“. Diese Aktion den weiblichen Oberkörper in der Öffentlichkeit zu entblößen, hat ihren Ursprung in Kiew, doch mittlerweile gilt FEMEN als eine feministische Aktion, welche „unterdrückte Kopftuch-KZ“ befreien soll. Ich denke man muss kein Feminismus-Experte sein, um behaupten zu können, dass solch eine Aktion nicht wirklich in den Grundlagen des Feminismus zu finden ist.

Es ist vielmehr die Aktion einer Intoleranz, vielleicht mit gutgemeinter Absicht, aber das macht es nicht besser. Die Annahme es zu wissen, dass eine andere Gruppe unterdrückt ist, da diese Gruppe es nicht einmal weiß unterdrückt zu sein, und  diese bevormundend mit der eigenen Nacktheit (welch heldenhafte Tat) zu befreien. Ist das der Feminismus? Wofür viele intelligente Frauen jahrelang gekämpft haben, um ihre Rechte gegenüber den Männern zu erlangen? Um aufzuklären, ich bin keine Feministin, noch Gegnerin. Jedoch ist es interessant dass eine einst den Männern den Kampf erklärende Bewegung nun diesen Kampf auch gegen die Gleichgeschlechtigen erklärt. Genauso kritisch zu beurteilen sind die radikalen Gegenaktionen, von den „zu befreienden Unterdrückten“, die sich auf dasselbe Niveau herablassen.

Als sich diese ganzen Aktionen in Europa und in Deutschland abspielten, bzw. während auch ich, als eine der Unterdrückten, von den aufopfernden Gleichgeschlechtigen gerettet werden sollte, befand ich mich in einer ganz anderen Welt, in Mekka. An einem Ort, von dem oft kritisiert wird, dass die Frauen nicht frei sein dürfen und sich nicht selbst mündig seien. Ich sah Frauen aus allen Ecken der Welt, aus jeder Altersgruppe und sozialem Milieu. Kein einziges Mal während meines Aufenthaltes an jenem hoch kritisierten Ort habe ich mich unfrei, meiner Rechte beraubt gefühlt. Keinen einzigen Moment habe ich mich in einem KZ gefühlt, noch das Verlangen verspürt von nackten FEMEN Aktivistinnen gerettet zu werden. Freiheit ist weder Sache der Bekleidung, noch kann man seinen eigenen Freiheitsgedanken einem anderen Menschen auferlegen und erzwingen.

Ich denke, dass es ein Zeichen dafür ist, dass die Feminismus-Bewegung einen Rückschritt erlitten hat und sich nochmals darauf zurückbesinnen  sollte, was ihre eigentlichen Ziele und Motive waren und diese auch auf niveauvollem Maße ihren Anhängerinnen in intelligenten Schriften zu lehren, damit sie nicht selbst in die Falle der Unterdrückten fallen. Und zwar der Unterdrückung der eigenen Unwissenheit und Intoleranz.

Comments

  1. Meryem says:

    sehr schön gesagt. fühle mich sehr verstanden. danke für den tollen mal differenzierten beitrag zum thema feminismus…

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.