Das kleinste Museum der Welt zu Besuch in Darmstadt

Gerade mal einen halben Kubikmeter Ausstellungsraum bietet die Kunsthalle Marcel Duchamp auf der Mathildenhöhe in Darmstadt. Konzipiert wurde die Kunsthalle von den Schweizer Künstlern Caroline Bachmann und Stefan Banz, die die Kunsthalle auch betreiben.  Es ist die das kleinste Museum der Welt und nimmt einen wichtigen Platz als interdisziplinäre Ausstellung ein. Immerhin hat sie 24 Stunden lang geöffnet. Ihre Funktion als Kunsthalle in Verbindung mit ihrer kleinen Größe machen sie zu einem exklusiven Kunstobjekt, das architektonische wie skulpturale Elemente vereint. Jetzt nach der Reise von ihrem Enstehungsort Cully nach Darmstadt auf die Mathildenhöhe ist sie auch eine Sculpture de voyage (Reiseskulptur) und eine Boite-en-valise (Schachtel im Koffer).

Die geographische Lage von Cully ist hierbei von eminenter Bedeutung. Cully liegt in der Nähe von Vevey, wo 1875 die Milchschokolade erfunden wurde. Auch liegt sie in der Nähe des Wasserfalls Le Forestay einem Ort der Inspiration die Duchamp als Ausgangspunkt für seine Werke: Étant donnés: 1° La chute d´eau,2° Le gaz d´éclairage… (Gegeben seien: 1. Der Wasserfall, 2. Das Leuchtglas …) gedient hat.

Foto(1)

[frame_box]

Duchamp, ein Meister der Ready-Mades und Bedeutungsverschiebungen, liebte Schokolade. Zu seiner täglichen Ernährung gehörten Kekse und ganze Packungen Schweizer Schokolade, die sich auf seiner Fensterbank sammelten. Der Schokolade schreibt er eine ganz besondere Bedeutung zu. Diese ist der Genuss.

[/frame_box]

 

Das Kunsthalle Marcel Duchamp ähnelt auf den ersten Blick einer Kastenkamera, die auf einem Metallständer fixiert ist, einem Vogelhaus, aber auch einem Fernglas für schaulustige Touristen, die ein kleines Entgelt bezahlen, um Sehenswürdigkeiten näher zu betrachten. Diese Architektur in Skulpturengröße bietet dem Betrachter fünf Öffnungen zur Bewunderung der ausgestellten Objekte. Dem Betrachter steht nicht die Option frei einen Blick in die Kunsthalle zu werfen, er ist gezwungen Perspektiven einzunehmen die in seinem Namen bestimmt worden sind. So wie Duchamp mit der Perspektive gespielt hat, so spielt auch die Kunsthalle Marcel Duchamp ein Spiel mit der Perspektive zwischen sichtbar und unsichtbar.

herbertdistel

Zuvor lag in der Kunsthalle  ein Ei das von Herbert Distel in einem Blaumeisennest auf erlesen wurde. Ein anderes Mal wurden Hunderte Sonnenblumenkerne ausgestellt. Mit der Hand bemalt, sahen diese Blumenkerne aus Porzellan täuschend echt aus. Ein Meisterstück von Ai Weiwei.

sunflowerseedaiweiwei

Die Themenausstellung La broyeuse de chocolat in der Kunsthalle Marcel Duchamp steht den Besuchern noch bis zum 3. November dieses Jahres zur Verfügung. Danach reist die Kunsthalle Marcel Duchamp zurück nach Cully am Genfersee, ihrem Entstehungsort.

 

 

Anmerkungen der Autorin: Das Beitragsbild so, wie das Plakat Herbert Distel und das Bild zur Ausstellung von Ai Weiwei stammen von der Seite der Kunsthalle Marcel Duchamp.

www.akmd.ch

Ausst.Kat. La broyeuse de chocolat. Kunsthalle Marcel Duchamp, Darmstadt (Mathildenhöhe Darmstadt) 2013

 

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.