Teil I unter http://denkerinnen.de/kritik-an-gesellschaftlichen-verhatnissen-heute-i/

Darüberhinaus behauptet der Mensch durch die Aufklärung alles Unwissende erklären zu können und durch die Wissenschaft Transparenz aufzuweisen. Jedoch gibt es immer noch sämtliche Krankheiten und Viren wie bspw. HIV, deren Gegenmittel trotz Verwissenschaftlichung der Gesellschaft nicht bekannt sind. Der Technik und Wissenschaft sind die „Hände“ gebunden, und die unendliche Verwissenschaftlichung bleibt doch ein Mythos. Somit erfüllt die Aufklärung ihr Postulat des Alles-Erklären nicht wirklich. Folglich kann man annehmen, dass die Aussage der Kritiker stimmt, dass jeder Fortschritt ein Rückschritt und Rationalität in Irrationalität zurückläuft.

Doch diese Ansicht über unsere gesellschaftlichen Verhältnisse ist sehr pessimistisch.  Mein Verständnis über die Gesellschaft und ihre Konstellation sagt mir, dass es nicht möglich ist von so einem abstrakt pessimistischen Weltbild auszugehen.  Es gibt unzählige Organisationen und Individuen, die das Gegenteil dafür beweisen. Nichtregierungsorganisationen wie die Amnesty International, Greenpeace, Ärzte ohne Grenzen, UNCHR etc. alle sind Organisationen, die für eine ideelle Sache kämpfen und sich dafür einsetzen. Dabei ist von großer Bedeutung, dass diese keine eigennützigen Interessen und nicht profitable Ziele verfolgen. Beispielsweise setzt sich Amnesty International in zahlreichen Ländern für die Menschenrechte ein, und möchte die Gesellschaft und ihre Defizite verbessern. Diese Aktionen selbst sind auch eine Kritik, da sie Fehler an den Zuständen aufdecken und versuchen diese zu verändern und dabei ohne einen eigenen Nutzen daraus zu ziehen. Amnesty International versucht seine Kritik auch durch die Medien zu verbreiten. Bspw. ein hoch brisantes und zeitlich nicht weit entferntes Thema „waterboarding“ , die Foltermethode der CSI. Durch diese Ansprache dieses Themas ist die Gesellschaft und jedes Individuum moralisch dazu verpflichtet dagegen seine Meinung zu äußern und nur so kann etwas dagegen unternommen werden.  Aber abgesehen von solchen großen Organisationen, die im Laufe der Jahre an Anzahl gewonnen haben, gibt es auch in der Kunst Kritik. Die Kunst ist nicht der gesellschaftlichen Norm und dessen Gebot gebunden. Es ist falsch zu behaupten, dass der Kunst ihre Kritik in vorgegebenem Maße vorliegt. Ein  geeignetes Beispiel hierfür ist Robert Banks (Name nicht 100% sicher). Er ist ein anonymer  britischer Guerilla- Künstler. Durch seine Arbeitsweise schon weist er in sich Kritik auf. Seine Arbeiten sind hauptsächlich outdoor Graffitis und beinhalten aktuelle Themen der Gesellschaftskritik. Dazu gehören von der Prahlerei und unersättlichem Reichtum der „oberen Schicht“ (Bsp. Paris Hilton), der gesellschaftliche   Massenkonsum  bis zur  US- Außenpolitik. In vielen Städten auf der Welt kann ein aufmerksamer Mensch  an einer Straßenwand in einer U-Bahn Unterführung ein Banksy erkennen. Es soll aus dem Alltag rausziehen und den Menschen wachrütteln, was der Zustand ist und dass dieser  nicht wünschenswert ist.

Darüberhinaus ist schon die Theorie der Dialektik der Aufklärung von Horkheimer und Adorno selbst eine Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen. Sie nahmen sich die Freiheit und entwarfen ihre eigene Theorie und kritisierten die Gegebenheiten. Darüberhinaus wanderten beide während der NS-Zeit ins US-Exil . Diese Handlung  ist ein Ausdruck der Kritik, man ist mit dem gesellschaftlichen Zustand nicht zufrieden.

Desweiteren gibt es Zeichen dafür, dass  die Kritik in der Gesellschaft weiterhin von Bestand ist. Chris McCandless, ein Amerikaner von 23 Jahren, beschloss 1992 nach Abschluss seines hervorragenden Studiums, sich der Gesellschaft zu entziehen. Er war der Meinung die Gesellschaft, das kapitalistische System verändert den Menschen und dessen Unschuld, nur wenn er sich dieser entzieht und sich seinem ursprünglichen Ausgangspunkt, dem Leben in der Natur widmet, kann er sich aus dem Zwang  befreien. Er spendete sein ganzes Vermögen, über 25 000 Dollar an eine gemeinnützige Organisation, die gegen die Hungersnot in  Afrika tätig ist, verbrannte seine letzten Geldscheine, die in seinem Portemonnaie waren, machte seine Kreditkarten und seinen Ausweis unbrauchbar und ging zu Fuß (per Trampen) nach Alaska. Schließlich ist McCandless kein Ausnahmefall, er ist einer von vielen, die sich jährlich der Gesellschaft entziehen möchten und sich ihren Vorgaben nicht beugen. Sein Fall repräsentiert alle Individuen, die diese kritische Haltung haben und den ganzen Luxus hinter sich zurücklassen können und durch ihre Entscheidung ihre Kritik äußern.

Somit ist  eine Aussage, dass Kritik immer noch möglich und allgegenwärtig ist richtig. Kritik begegnet uns überall und zu jeder Zeit, es ist nur wichtig ob wir sie wahrnehmen oder uns schon in das vermeintliche System integriert haben. Folglich denke ich, dass es noch viele Gesellschaftskommentatoren geben wird, die die Gesellschaft wachrütteln werden.

 

Bildquelle: Katharina Fritsch "Tischgesellschaft" Museum für Moderne Kunst FFM unter http://abtoern.blogspot.de/2012/02/gesellschaftskritik.html

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