Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen heute I.

Wir leben in einem Jahrhundert, in dem alles wissenschaftlich und technisch hoch entwickelt ist. Es ist nichts Ungewöhnliches daran, dass der Mensch sich seiner eigenen Vernunft bedient uns sich mündig verhält. Die Individuen können frei ihre Meinung äußern und durch Kritik Veränderung hervorrufen. Die Dialektik der Aufklärung  jedoch sieht das als eine Illusion.“ Anders formuliert stellt sich also der Gesellschaftskritik die Frage nach der Möglichkeit einer Perspektive, die einerseits ein „privilegiertes“ Problembewusstsein requiriert, aus dem heraus sich Protest oder Kritik überhaupt formulieren lässt, die aber andererseits zugleich die Relativität ihres Standpunktes auf eine Weise berücksichtigt, mit der nicht erneut Umstände geschaffen werden, die gesellschaftlichen Unmut hervorrufen“  (Füllsack: S. 314).

Inwieweit ist trotz der „ Dialektik der Aufklärung“ Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen möglich?  Nahezu Jeder kennt das berühmte Zitat Kants, dass die Aufklärung der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten  Unmündigkeit ist. Durch die Ratio des Menschen wird alles erfasst und erklärt. Die Aufklärung ist der Versuch des Menschen die Natur mittels Begriffe und Technik zu erklären, und somit sie zu beherrschen. Darüberhinaus wird die Welt  von ihren Naturzwängen befreit. „ […] Aufklärung  „war“ ursprünglich ausgezogen, um von den Menschen Furcht und Schrecken zu nehmen“ (Füllsack, S. 313). Alles Mythische soll durch die wissenschaftliche Beschreibung ersetzt werden.

Adorno und Horkheimer fällen ihr Urteil über die Aufklärung sehr hart. Sie „verurteilen sie an ihrem Instrument, der Vernunft, gescheitert“ zu sein. Die Verbesserung des Zustands ist ihrer Meinung nach nicht vollzogen worden. Desweiteren postulieren Adorno und Horkheimer den Fortschritt als Rückschritt, und gleichzeitig läuft  „Rationalisierung Gefahr, im Zuge ihrer Verwirklichung in  Irrationalität zurückzufallen“ (Füllsack: S. 317). Alles was als eine Art Befreiung und Erweiterung der Menschheit gelten soll, ist für sie nur eine Bewegung ins wahre Mystische. Dadurch, dass der Mensch versucht die Welt von ihren Naturzwängen zu befreien, unterliegt er selbst einer totalitären und despotischen Herrschaft, die ihn dazu zwingt „frei“ zu sein. Folglich ist das neue System als eine Käseglocke vorzustellen, die Alles umschließt und nichts Neues zulässt, und falls doch nur zu einem gewissen und vorgegebenem Maße. „[…] politische Intervention scheint heute systemischen Kräften zu erliegen, in deren Strömung sich gesellschaftliche Zusammenhänge letztlich als unbeeinflussbar erweisen“(Füllsack: S.314).  Dies jedoch sollte nicht die Absicht der Aufklärung sein.  Schließlich wird angenommen,  dass ein vom Menschen gemachter Zustand entstand, dieser jedoch als Naturgegeben angenommen wird.

Dabei gibt es einige Argumente, die dafür sprechen und Adorno und Horkheimer in ihrer Theorie unterstützen. Kritik und Unzufriedenheit kann oft in verschiedenster Weise ausgedrückt werden. In Massen wird  es oft in Form von Demonstrationen ausgetragen.  Die Menschen versammeln sich, verfolgen ein Ziel, schreien ihre Slogans durch die Straßen und trillern mit Pfeifen. Dies ist eine Form der  Auslegung der Unzufriedenheit. Aber schon die Tatsache, dass die Art, Form und der Verlauf einer Demonstration vorgegeben ist, umschließt die Kritik. Sie wird vorgegeben und zudem wird auch durch polizeiliche Kontrolle ihr Maß begrenzt.  Erweiternd zum  Thema Demonstration, ist ein weiteres Beispiel für die Ausübung der Kritik die 68`er Bewegung.  Viele Studenten sorgten für Unruhen um ihre „Freiheit“ zu erlangen.  Sie demonstrierten, randalierten und veranstalteten sämtliche Aktivitäten um ihre Wertvorstellungen durchzusetzen.  Sie hatten die Absicht, sich nicht einer Gesellschaft unterzuordnen, die nicht ihren Bedürfnissen und Freiheiten gerecht wird. Deswegen kämpften sie für eine Veränderung. Einer dieser Studenten war Joschka Fischer.  Er ist das Paradebeispiel einer gelungenen Dialektik der Aufklärung. Damals ein aufsässiger Student in Schlaghosen, heute ein Politiker in feinem Hosenanzug. Sein Schritt nach vorne wurde der Schritt zurück, wäre hierbei das Argument der Dialektik der Aufklärung. Die Kritik hat sich der Gesellschaft untergeordnet, bzw. sich in diese integriert und ist Teil von ihr geworden, so wie Adorno und Horkheimer es behaupten….

weiter im Teil II.

Bildquelle:  A. Paul Weber unter  http://www.weber-museum.de/werk/geskrt/

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.