Liebe. So einfach zu schreiben und doch so schwer. Der Grund für die Verzweiflung von Faust, für die Irrung bei Botho, für die Verrücktheit bei dem Studenten Nathanael. In allen literarischen Texten geht es entweder um die unerwiderte oder die unerreichbare Liebe.

Das VERlieben ist eigentlich nur ein biochemischer Vorgang in unserem Gehirn. Hat an sich wenig mit dem Herzen und „Schmetterlinge im Bauch“ zutun.

Wir brauchen nur 3 Sekunden um herauszufinden, ob wir den gegenüber als attraktiv empfinden, danach werden die ganzen Botenstoffe und Hormone freigeschaltet:, Dopamin, Serotonin, Vasopressin, Adrenalin und Oxytocin. Dabei arbeiten die Neurotransmitter (Substanzen, die bei Übertragung der Stoffe helfen) auf Hochtouren, daher empfinden wir alles noch intensiver, da eine dauerhaft starke Übertragung der Hormone herrscht.

Die amphetaminähnlichen Transmitter: Dopamin, Phenethylamin, Noradrenalin sind natürliche Aufputschmittel, welches ausgeschüttet werden, wenn wir etwas als überraschend angenehm und erfreulich empfinden. Verständlicherweise ist der Dopamingehalt bei Verliebten erhöhter als bei Menschen im Normalzustand. (Daher sind unsere frisch verliebten Freund immer so glücklich, haben einen Tunnelblick, die rosarote Brille auf, sind auf der siebten Wolke, laufen kichernd in der Gegend herum und sind nervig).

Die opiatähnliche Glücksbotenstoffe: Der Serotoningehalt ist im Gegensatz dazu niedriger als normal. Serotonin sorgt für unsere innere Ruhe und Ausgeglichenheit, das heißt das Gleichgewicht kann durch die verringerte Ausschüttung nicht eigehalten werden. Dieser Zustand ist eigentlich medizinisch gesehen schlecht, denn ein psychisch Kranker hat den gleichen Serotoningehalt wie ein Verliebter. Daher der Spruch: „Liebe macht krank“. Dass dieser Zustand im Extremfall wirklich krankhaft ist, sehen wir allein an den medialen Ereignissen in den letzten Jahren. Menschen bringen ihre Partner um, weil sie eifersüchtig, bzw. blind vor Liebe sind, und diese mit niemand anderem teilen wollen. Als weiterer Faktor kommt dann der Adrenalin hinzu, dieser wird in den Nebennieren produziert und führt dazu, dass wir unter Stress versetzt werden, unkontrollierte Handlungen (Wegbleiben der Luft, Herzrasen, Händezittern, Weichwerden der Knie) durchführen und am Ende lächerlich da stehen. Die gleiche  Symptomatik weisen wir auch in Angriffs- und Fluchtsituationen auf.

Das Kuschelhormon: Das Gefühl der Bindung erlangen wir durch das Hormon Oxytocin. Je mehr davon in der Phase des Verliebens ausgeschüttet wird, desto mehr Binden wir uns und desto mehr erhöht sich die Chance auf eine langlebige Partnerschaft. Interessanterweise hat man mit Prärie- und Bergwühlmäusen ein Experiment mit dem Hormon Oxytocin durchgeführt. Diese verwandten Mäusearten haben unterschiedliche Lebensweisen: Während die Präriewühlmäuse ihren Partnern ein Leben lang treu bleiben, trennen sich die Bergwühlmäuse nach der Paarung. Durch das Blocken von dem Hormon bei den Präriewühlmäusen, weisen sie das Verhalten der Bergwühlmäuse auf. Und auch umgekehrt kann man durch eine überhöhte Dosis von Oxytocin die Bergwühlmäuse dazu bringen „treu“ zu bleiben. Oxytocin kann also in tiefgreifendere Prozesse bei der Liebe und Treue mitwirken. Dieses Experiment kann man aber nicht auf den Menschen übertragen, da unser Hormonsystem komplexer aufgebaut ist als das der Mäuse.

Interessant ist auch: Wenn Oxytocin und Vasopressin produziert werden, sinkt der Dopamin- und Noradrenalingehalt, d.h. wir sind entspannter, glücklicher und rundum zufriedener. Können also diese Stoffe aus dem Zustand der Verliebtheit Liebe werden lassen?

Das kann man so nicht beantworten, denn ob die Chemie zwischen zwei Leuten stimmt, entscheidet im Nachhinein doch nicht die Chemie. Das ganze wurde in diesem Beitrag zu einseitig betrachtet, denn der Mensch besitzt nicht nur den Körper sondern auch den Geist. Und was dieser dazu beiträgt, weiß der Einzelne für sich. Man kann also nicht Faust, Botho und co. einfach einen Hormonblocker verabreichen und somit die Gefühle „stoppen“. Vielleicht wäre die Welt auch ohne das Gefühlschaos und Liebesdrama, sowohl in der Literatur als auch im realen Leben, langweilig. Was wäre GZSZ,  Marienhof und Verbotene Liebe ohne die Intrigen und Dramas um die große Liebe? Und was wäre mit der Musikindustrie, den ganzen Herzschmerzliedern, die wir alle leugnen zu hören und es trotzdem heimlich tun.

Man weiß es nicht.

http://www.youtube.com/watch?v=PBZfCmlRIVs

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