Lieber Sextourist, bist du mein Papa?

[frame_box]Dies ist ein fiktiver Brief zum Unicef Fotowettbewerb Gewinner Bild „Wanna have love!?“

Mit der Auszeichnung “UNICEF-Foto des Jahres“ prämieren UNICEF Deutschland und das Magazin GEO im Verlag Gruner + Jahr AG & Co KG einmal im Jahr Fotos und Fotoreportagen, die die Persönlichkeit und Lebensumstände von Kindern weltweit auf herausragende Weise dokumentieren.

Mit ihrer Reportage von den Philippinen gewinnen die beiden deutschen Fotografen Insa Hagemann und Stefan Finger den aktuellen Wettbewerb. Ihre Bilder erzählen von den Folgen des Sextourismus und der Situation von Kindern ausländischer Väter. 

 http://www.unicef.de/foto

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Lieber Papa,

ich heiße Salita. Ich hoffe dir geht es gut. Mama hat mir erzählt, dass du sehr sehr weit weg wohnst und sehr viel arbeitest. Schade, dass wir uns noch nie getroffen haben. Mama sagt, dass sie dich nur einmal getroffen hat ihrer Arbeit. Aber das ist nicht so schlimm. Ich wohne mit ganz vielen anderen Kindern zusammen, die Papas von denen kommen leider auch nicht. 

Papa, vor kurzem waren zwei Besucher bei uns im Kinderheim, die sahen ein bisschen aus wie ich. Das war schon komisch. Eigentlich war ich immer sehr sehr traurig, weil ich gar nicht so aussehe wie meine Mama und meine Großeltern und meine Tanten und Onkel. Auch die anderen Kinder sehen anders aus und sind manchmal nicht nett zu mir, sie ärgern mich und nennen mich „bleiche Haut“, „Albino“, „Ausserirdische“ und „Monster“. Das macht mich sehr sehr traurig. Ich glaube Opa und Oma wollen mich auch wegen meinem Aussehen nicht sehen. Sie sind immer so zornig und schimpfen viel. Deshalb hat Mama gesagt, dass es mir hier bei den anderen Kindern im Heim besser gehen wird. Das stimmt aber nicht immer so. Aber ich habe Mama nichts gesagt, dass sie nicht traurig wird. Diese beiden Gäste, die sahen auch so aus wie ich. Das war komisch. Ich habe das Mama erzählt und sie hat mir gesagt, dass du auch so ausschaust. 

Wanna have love?!

 

Ich weiß man kann es sich nicht aussuchen wie man aussieht aber, versteh‘ mich nicht falsch, ich würde eigentlich gerne so aussehen wie Mama. Ich meine dann würden die Menschen auf der Straße mich nicht mehr so anschauen und so schlimme Sachen über Mama sagen, ja vielleicht könnte ich dann auch bei Mama bleiben. Einmal habe ich sehr viel geweint, weil eine Frau im Laden gesagt hat, dass ich Dreck sei. Das hat echt weh getan. 

Papa, kannst du vielleicht wieder mal in die Philippinen kommen und uns zu dir nach Hause mitnehmen? Ich bin dann auch ganz brav und räume meine Spielsachen alle auf. Mama hat gesagt, dass du gerne Reisen unternimmst. Vielleicht nimmst du mich auch mit in die vielen Länder dieser Welt? 

Ich wollte dir einfach mal einen Brief schreiben um dir zu zeigen, dass ich dich nicht vergessen habe. Ich weiß ganz fest im Herzen hast du mich auch nicht vergessen. Bitte komm und hol uns von hier zu dir. 

Deine Salita

 

[tip_box]Tausende von Kindern in den asiatischen Ländern verbringen ihr Leben als Endprodukt des Sextourismus. Ihr Alltag ist geprägt von gesellschaftlichem Verstoß, Ausschluss und Diskriminierung.  Oft bleibt ihnen später nichts übrig, ausser selbst in dieser Branche arbeiten zu müssen. [/tip_box]

 

Fotos: http://www.unicef.de/foto

Comments

  1. eva says:

    Liebe Petra,

    ich verstehe ja, dass du in dem Text den Finger auf ein krasses Problem legen willst. Aber den letzten Absatz finde ich sehr problematisch. Menschen als „Endprodukt des Sextourismus“? Klingt für mich extrem abwertend- noch nicht einmal Anführungszeichen sind gesetzt. Menschen sind für mich keine Produkte aus irgendetwas und diese Kinder auch nicht.

    Freundliche Grüße,
    e

    1. Petra Lustig says:

      Lieber e,
      ich will damit ja auch auf den Zustand aufmerksam machen, womit diese Menschen tagtäglich zu tun haben. Sie werden in diesen Ländern ja nicht wirklich wie Menschen sondern wie „Ausgegrenzte“ behandelt und diskriminiert. Der Text soll zum Mitdenken und Mitfühlen anregen, danke für’s mitmachen.

  2. Leen says:

    So gut dieser Artikel auch gemeint sein mag…aber er impliziert beim Lesen auch Folgendes:

    Menschen mit anderer Hautfarbe sind ablehnungswert – deshalb möchte man doch lieber die Hautfarbe haben, die gerade im eigenen Land vorherrst (= rassistisch)

    „Papa – hol mich zu Dir“: ist ja einer der Grundaussagen. Will ein Kind wirklich zum Papa, den es nicht kennt? Warum sagt das Kind nicht „Mama, hol mich zu Dir“. Hier wird die Botschaft mitgeliefert, dass das philippinische Kind zum europäischen/amerikanischen Vater übersiedeln möchte. Sprich, es geht nicht darum, dass das Kind zum Vater will, sondern ins westliche Ausland. Und ich bezweifle sehr, dass ein Kind das will.

    Der Begriff „Endprodukt“ (siehe: Tausende von Kindern in den asiatischen Ländern verbringen ihr Leben als Endprodukt des Sextourismus.) ist einfach nur widerlich.

    Vielleicht sollte der Artikel doch noch mal überarbeitet werden? Oder beim nächsten Artikel viell. ein bisschen mehr mitgedacht werden?

  3. Ilse Krug says:

    Ach! So habt ihr das verstanden? Also ich habe da den deutlichen Sarkasmus raus gehört. Der Text verhält sich ja mütterlich-beschützerisch gegenüber Kindern, die wegen dem Sextourismus entstehen. Das merkt man an der Perspektive: Es spricht ein Kind. Also eine in unserer Verfassung schützenswerte Person. Und dieses Kind baut eine emotionale Atmosphäre auf, die den Leser zu Mitgefühl anregt. Denn schließlich will jedes Kind wissen wer ihn den geheugt wird und wo dieser Mensch ist und was er macht. Dann wird lang und breit beschrieben, wie unmenschlich dieses Kind behandelt wird. Das Wort Endprodukt wird schließlich verwendet, um noch ein mal zu betonen, dass diese Kinder unwürdig behandelt werden und schon hat man der Gesellschaft den Spiegel vor die Nase gehalten.
    @Leen Das mit dem Rassismus finde ich derweil an den Haaren hergezogen. Der Fokus des Textes liegt ja in der Tatsache, dass es sich um das Kind einer Sexarbeiterin á Hure handelt. (Das ist sogar ein Schimpfwort.) Ich sehe evrlich gesagt keinen Hinweis darauf, dass das Kind in die USA möchte. Es sagt, dass es zum Papa möchte. Da ist keine Rede von dem Westen. Daher ist das Herkunftsland des Vaters dem Kind einerlei, es könnte auch ein Chinese oder Afrikaner sein.

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