Margot Becke- Goehring

Zum Todesjahrtag von Margot Becke- Goehring

Einer der aktuellsten Themen unserer Zeit ist womöglich die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Auch in Deutschland ist dies ein umstrittenes Thema. Einen der- wie ich finde- wichtigsten Meilensteine legte man vor etwa 40 Jahren, indem die Universität Heidelberg eine Dame als Hochschuldirektorin ernannte- Margot Becke-Goehring.

Margot Becke-Goehring, geboren am 10. Juni 1914 in Allenstein, Ostpreußen, war eine Chemikerin. Sie machte 1933 ihr Abitur in Erfurt und nahm ihr Chemie- Studium, gegen den Wunsch des Vaters, in Halle und München auf. Durch die Lage des Zweiten Weltkrieges und dem damit verbundenen Männermangel, gelang es ihr sehr schnell nach  ihrer Promotion (1938) eine Habilitation anzuschließen.

1959 wurde sie ordentliche Professorin und drei Jahre später Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät.

Am 22. Februar 1966 wurde sie schließlich die erste Rektorin einer westdeutschen Universität, der Karl- Ruprecht- Universität. Die Frage, ob sie ihre Wahl zur Hochschuldirektorin als ein Symptom für den Fortschritt der Gleichberechtigung ansehen würde, verneinte sie. Desweiteren sagte sie: „Als ich hier gewählt wurde, haben weder ich noch meine Kollegen das als eine solche Sensation empfunden.“[1]

Ihre Amtszeit überschnitt sich mit den 1968er–Studentenunruhen. Da sie gegen eine Politisierung der Universität war und aufgrund der hohen Nachfrage an den deutschen Universitäten den Numerus Clausus eingeführt haben wollte, vertrat sie nicht die Meinung der mehrheitlichen Studenten. Diese sprühten an die Wände der Uni Sprüche wie: „Bringt die Becke um die Ecke“ und sahen sie eher konservativ und veraltet an. Sie gab aber den Forderungen nach mehr Mitbestimmung der Studenten nicht nach und sagte sogar, dass diese Forderungen das Verhältnis zwischen Dozenten und Studenten kaputt gemacht habe.

Zwei Jahre später gab sie freiwillig ihr Amt auf und schied vollkommen aus der Universität aus.

Freilich war sie, obwohl sie es nicht so sieht, eine der ersten Ikonen, die die Frage der Gleichberechtigung mitbestimmt und verändert hat. Sie wurde aus einem Gremium von 240 Männern als Rektorin gewählt und nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch im Ausland erregte das Aufmerksamkeit. So sagte einer ihrer französischen Amtskollegen:

„Es ist gut, dass eine Frau heute als Patin des Heidelberghaus in Montpellier ist. Denn sie bringt das, was Goethe gerühmt hat: das erlösende Element in das menschliche Werk. Wir Männer haben es geschafft, Sie, gnädige Frau, werden es krönen.“ [1]

Womöglich ist diese autoritäre Haltung nur ihrerseits ein Art Beweis, dass auch Frauen führen können und sich nicht unterkriegen lassen. Für sie scheint auch nicht das Geschlecht, sondern nur die Tat allein eine Rolle zu spielen, was man auch ihren Aussagen entnehmen kann. Sie scheint sich bewusst diesem Konflikt zu entziehen, indem sie (was ich für Richtig erachte) nur das Geleistete beurteilt unabhängig von dem Geschlecht.

Andererseits finde ich sie als eine Studentin, aber auch als eine Frau, etwas zu verschränkt und starr. Sie hat viel Gutes für die Universität geleistet, jedoch hätte sie noch viel mehr leisten können, wenn sie die Studenten mit auf ihrer Seite gehabt hätte.

Sie verstarb am 14. November 2009 in Heidelberg.



[1] http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kalenderblatt/470221/

Comments

  1. Kleine Coco says:

    Wow! Also Hut ab würde ich sagen.

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