Nach der ruhigen und besinnlichen Weihnachtsphase haben wir den weniger leisen Tag überstanden: Silvester.

Das Jahr 2013. Viele Erlebnisse, Veränderungen, Ereignisse prägen das Land, die Welt, aber auch das Individuum. Das neue (hoffentlich) bessere Jahr begrüßen wir derweil mit viel Krach und Rabauk, ganz im Gegenteil zu dem Zeitraum davor. Große Städte wie Berlin, New York und Sydney sind dabei Zufluchtsort vieler Touristen, die, ausnahmsweise mal, mehr als die paar gewöhnlichen kommunellen Feuerwerke sehen wollen.

Das Interessante an der Sache ist, dass Menschen in Raketen getarnte Geldscheine und viel, viel Umweltschmutz in die Luft zersprengen. Nur merkt das keiner. 2011 gaben die Bundesbürger 113 Millionen Euro (die bessere Verwendung im Bildungssystem gefunden hätten) für Böller und Raketen aus. Eine nicht allzu kleine Zahl, die man nicht unterschätzen sollte.

Zur Veranschaulichung:

Mit 113 Mio. Euro könnte man ungefähr 3.700 BMW 1er, 452 Reihenhäuser in Berlin, über 3 Mio. Wasserflaschen kaufen.

Desweiteren könnte man eine Weltreise, die in Deutschland startet, endet und über Chile, Peru, Ecuador, Panama, Costa Rica, Panama, Ecuador (Galapagos), Peru, Bolivien, Chile (Osterinsel), Tahiti, Fidschi, Australien, Indonesien, Malaysia, Thailand, Kambodscha, Vietnam, Laos, Thailand führt, für 17.000 Euro 6.647 Mal durchführen.

Dass das versprengte Geld sinnvoller in andere Sachen investierbar ist, beweisen viele Aktionen, u. A. „Brot statt Böller“. Seit 1982 rufen die Organisatoren auf, an die 925 Millionen Menschen zu denken, die irgendwo auf der Welt hungern. Und daher einen Teil der Böller und Raketengelder an sie zu spenden. Als Alternative kann man auch einfach eine App für 2,99 downloaden und ein Feuerwerk auf seinem Ipad/ Iphone genießen.

Weitere Gründe, warum man auf die Silvesterkracher verzichten sollte:

Gesundheit! Der aufkommende Lärm an Silvester kann in einer tausendstel Sekunde einen lebenslangen Hörschaden verursachen. Der Gießener Hörforscher Gerald Fleischer untersuchte dabei unter anderem Piloten alter Militärmaschinen, die ständigem Motorlärm ausgesetzt werden, dennoch ein gutes Gehör haben. Im Kontrast dazu ein chinesisches Volk, welches, ausgenommen an einem Tag, in Ruhe lebt. An Silvester lassen sie es dann so richtig krachen, wobei mehr als die Hälfte der Bewohner taub ist. Selbst der nächtliche Diskobesuch ist weitgehend unschädlicher als der Knall der Böller.

Sicherheit! Zwar werden die Kracher vom Bundesamt für Materialprüfung geprüft und mit dem CE-Siegel versehen, jedoch kommt es auch vor, dass ungeprüfte, falsch geprüfte oder gefälschte Feuerwerkskörper in den Handel kommen. Durch den falschen Gebrauch oder eben durch die unsichere Konstruktion der Böller und Kracher passieren tragische Unfälle, wobei die Betroffenen ganze Körperteile, im schlimmsten Fall ihr Leben verlieren. Die Bilder sind uns durch die Nachrichten am nächsten Tag bekannt.

Produktionsbedingungen! Da die Produktion dieser Raketen im Ausland, meist in den ärmeren Ländern wie China und Indien abläuft, und die Arbeitsbedingungen in diesen Ländern weit unter dem europäischen Standard liegen, unterstutz man auch indirekt diesen Prozess. Viele dieser Arbeiter sind zudem auch Frauen und Kinder, welche in ihren späteren Jahren (falls sie nicht durch Arbeitsunfälle verunglücken) an schlimmen Krankheiten leiden, da sie mit giftigen Chemikalien ohne jeglichen Schutz arbeiten müssen.

(Hier ein sehr guter Link für alle die mehr Wissen wollen: http://blogs.faz.net/asien/2011/12/30/stadt-der-1000-sonnen-zwei-drittel-unserer-silvesterkracher-kommen-aus-liuyang-in-suedchina-66/)

Umwelt! Die Feinstaubplakette und andere Maßnahmen für eine saubere Luft scheinen an Silvester ihren Sinn und ihre Gültigkeit zu verlieren. Täglich befinden sich 30-40 Mikrogramm pro Kubikmeter Feinstaub in der Luft. In den Großstädten darf der Wert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter nur 35 Mal überschritten werden- so auch an Silvester. In den ersten Stunden des neuen, sauberen (!) Jahres befinden sich 4.000 Mikrogramm Feinstaub in einem Kubikmeter Luft!!!!

Müll, Müll, Müll! Der Tag danach: Wenn man sich dann am nächsten Tag auf die Straße traut, sieht man nur eine Unmenge an Müll, leere Hüllen und aber auch noch ungesprengte Böller, die beim Routine-Spaziergang mit den Kindern, aber auch beim Gassi gehen mit Wuffi zur Gefahrenquelle werden können. Die Müllentsorgung ist auch ein Kosten- und Zeitfaktor, den man nicht unterschätzen sollte.

Sachschaden! Durch die falsche Ausrichtung oder der ungeplanten Richtungswechsel der Raketen, falsche Platzierung und andere Miserien, kommt es zu den einen oder anderen Wohnungsbrand oder Schäden an Autos und der Umwelt, welche dann teuer enden. Rund 31 Millionen Euro zahlen deutsche Versicherer laut Versicherungswirtschaft jährlich für Schäden, die durch Feuerwerkskörper entstehen!

Und das alles für einen höchstens 30-minütigen Spaß!

 

Bildquelle: http://delivery1.dam.contentpool.evangelisch.de/DeliveryServer/get?id=BPOYID-o2ziEomhFKhJWlotlZgAfmbuXljLyd7t3hb_mGkQN9CAugEVadxdLXdCCF9sU28vRGPtD8tjAYRJhsMtxKI97ZWWFUn80TD4vb40Utll9oq9pBcVZm9VXX83RhbFPXXMIrMKtALTcL8laHTZzULgsKUzve7JVTNKzHRriwri9HBjEDB6ysW5MAfs_

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