Bezüglich des Anschlags von gestern Abend in Nizza, möchten wir als die denkerinnen ebenfalls ein paar Worte verlieren und mit euch einen sehr schönen Beitrag von Juna Grossmann, Autorin des Bloges irgendwiejuedisch.com, teilen.

Wir beobachten in der letzten Zeit mit Besorgnis, dass die Anzahl von hassmotivierten Anschlägen zunimmt. Und uns ist klar, dass vor allem in dieser schwierigen Zeit mehr als den je Solidarität mit Opfern und ihren Angehörigen gezeigt werden muss -  unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht oder Anschauungen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Hass, Intoleranz und andere Gefühle, die uns trennen als vereinen, die Oberhand gewinnen. Nichts kann und nichts darf das Töten eines anderen Menschens legitimieren. Gemeinsam und Hand in Hand müssen wir gegen den Terrorismus, Rassismus und Extremismus vorgehen und dürfen unsere Hoffnung an eine friedvollere Welt nicht verlieren. An den Frieden nicht verlieren.

Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Angehörigen.

Hier der Beitrag:

Gedanken zu #Nizza

Wie viele Tage begannen wir inzwischen damit, aufzuwachen und zu lesen, dass Menschen getötet wurden? Wie viele Tage stehen wir hilflos dabei, sind fassungs- und sprachlos. Wie viele Tage noch lassen wir uns zu Instrumenten machen, beginnen, die selbe sinnlose Sprache der Gewalt zu sprechen? 

Es sind zu viele Tage, zu viele Länder, zu viele unschuldige Opfer, die sterben für nichts und wieder nichts. Hat jemals Gewalt geholfen, Enttäuschungen, Kränkungen und Schmerz zu heilen? Sie führt weiter zu Gewalt und immer wieder. Wir kränken, beleidigen, verletzen, töten uns gegenseitig in einer unsinnigen Spirale.

Auch ich weiß, dass diese meine Worte nur ein Zeichen der Hilflosigkeit sind. Ich weiß aber eines ganz gewiss: Ich will mich nicht hineinziehen lassen in diese Spirale. Ich will mich bewusst dagegen wehren, meinem Nächsten zu misstrauen, ich will mich dagegen wehren, dass Hass und Gewalt mein Leben bestimmten, ich will etwas dagegen setzten, dagegen angehen uns kämpfen. Ich glaube daran, dass, wenn wir alle in unseren kleinen Welten uns dagegen setzen, wenn wir Schlupflöcher in die Spiralen brechen, müssen sie langsamer werden, können sie nicht mehr jeden mitziehen.

Ich lebte in einer Welt, in dem die Menschen voller Angst nach oben blickten, wenn ein Flugzeug flog, wo sonst keines flog, wo Bahnhöfe geräumt werden, wenn jemand seine Tasche vergaß, wo es keine Mülleimer mehr auf Flughäfen gab. Es gibt die Welt, in der man durch Metalldetektoren und Taschenkontrollen muss, wenn man einkaufen gehen muss, wo Schulausflüge vom Militär begleitet werden. Es gibt die Welt, in der große Straßenfeste stets von Angst begleitet sind. Es ist nicht die Welt, in der ich aufwuchs und noch weniger die Welt, auf die ich nach dem Ende des Kalten Krieges hoffte. Es ist unser Welt, heute und hier. Und wir lassen es zu. Habe ich eine Lösung. Nein. Ich weiß nur eines, Menschen pauschal zu verurteilen ist ein Teil der Ursache für diese Welt und es ist auch das Ziel für jene die Gewalt und Tot bringen. Auch, wenn es manchmal schwerfallen mag, wir dürfen nicht mitmachen. Wir müssen zeigen, dass wir das nicht mitspielen. Dass es egal ist, wo jemand geboren wurde, woher seine Familie kam, dass es egal ist, ob und woran er glaubt. All das spielt absolut keine Rolle. Hass sucht seine Gründe und wird sie immer finden, auf die eine oder andere Weise. Ob man selber aber beginnt zu hassen, oder sich dem bewusst entgegenstellt, entscheidet jeder allein.Ich denke an die Familien, Freunde, Bekannten der Opfer, auch an die des Täters. Ich denke an die Stadt und ihre Bewohner, ich denke an uns und daran, dass nur eines zählt: Frieden.

 Diesen und viele andere schöne, unterhaltsame und coole  Beiträge von Juna Grossmann findet ihr auf dem Blog: http://www.irgendwiejuedisch.com/

  
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