Philosophie, Kunst und Kultur

Die Philosophen beschäftigen sich mit Problemen, mit denen sich jeder auf irgendeiner Art und Weise auseinandersetzt. Ein vierjähriges Kind kann zum Beispiel Fragen wie „Wie ist die Welt entstanden?“, „Warum ist alles entstanden?“, oder „Was passiert nach dem Tod?“, stellen. Die Tatsache, dass kleine Kinder diese Fragen stellen und die Tatsache, dass alle Menschen neugierig auf die Antworten dieser Fragen sind, zeigt uns, dass die Menschen den Durst danach haben; denn

„Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen.“

Gewiss sind alle philosophischen Fragen beunruhigend. Man kann jederzeit mit diesen Fragen konfrontiert werden. Und diese Fragen schwinden auch nicht bevor man ihre Antworten gefunden hat. Für ein zufriedenstellendes Leben ist es eine Notwendigkeit, solche Fragen zu überwinden. Wir müssen diese Fragen für uns selbst beantworten.

Ohne Zweifel beschäftigt sich die Philosophie nicht nur mit den Problemen und Fragen über die Existenz des einzelnen Menschen, sondern auch mit kulturellen Fragestellungen. Von Anfang an versucht die Philosophie die Formen der Kultur, die auf dem ersten Blick zerstreut wirken, zu sammeln. Außerdem haben einige Philosophen aus der westlichen Welt ihre Aufmerksamkeit auf die Analyse und Kritik der Sprache, welches ein wichtiger Träger der Kultur ist, gelenkt. Denn es ist die bestimmte Funktion der Philosophie die Wörter logisch zu analysieren und die Bedeutung der Wörter und der Begriffe zu erläutern. Fast alle Philosophen haben das Verfahren der Analyse benutzt und versucht, die Bedeutungen der Wörter und die Verwendung der Sprache zu dechiffrieren. Einige Philosophen haben dies sogar als die Hauptaufgabe der Philosophie gesehen; einige haben auch behauptet, dass es die einzige legitime Funktion der Philosophie ist. Denn der philosophische Ansatz besteht im Wesentlichen aus Äußerungen, Hervorbringen von Klarheit, der Vervollständigung, der Eingliederung und der Bewertung. Der Philosoph muss das Thema, über das er philosophieren möchte, auf einer klaren und deutlichen Weise aussprechen.

In diesem Zusammenhang tritt die Philosophie als eine Verfügbarkeit der Überlegung und der Anschauung über die  Begriffe und kulturellen Annahmen und über ihre Kritik auf. Die Haltung der Philosophie ist die genaueste Forschung und Kritik und eine unvoreingenommene Beobachtung. Z.B. haben Psychologie, Ethnologie, Anthropologie und Geschichtswissenschaft eine erstaunlich reiche und immer noch wachsende Fülle von Tatsachenmaterial angehäuft. Unsere technischen Hilfsmittel für  Beobachtung und für Experimente sind unendlich verbessert worden, und unsere Analysen sind präziser und schärfer als früher. Gleichwohl hat es den Anschein, als hätten wir noch keine Methode gefunden, dieses Material zu meistern und zu organisieren. Verglichen mit der gegenwärtigen Fülle, könnte die Vergangenheit geradezu arm erscheinen. Aber Tatsachenreichtum erzeugt nicht notwendigerweise Ideenreichtum. Wenn es uns nicht gelingt, einen Ariadnefaden zu finden, der uns durch dieses Labyrinth leitet, können wir zu wirklichen Erkenntnissen über den Charakter der Kultur nicht gelangen; wir werden uns in einer Masse unverbundener, zusammenhangloser Daten verlieren, der jede konzeptuelle Einheit zu fehlen scheint.

In dieser Hinsicht interessiert sich der Philosoph nicht nur mit der Entwicklung nacheinander folgenden Ereignissen sondern hauptsächlich für die Ausrichtung und Verbindung der Kultur. Im Bereich der Kultur kann von einer Kontinuität geredet werden, da ein Netz vorhanden ist, welches die einzelnen kulturellen Ereignisse verknüpft. Denn die Kultur ist eine Art Vermenschlichung der Natur und ein Prozess und Ergebnis spezifisch für diese Aktivität. Die Kultur ist eine Hervorbringung einer Welt, in der sich der Mensch willkommen fühlt. Mit anderen Worten ist die Kultur der geformte Ausdruck von menschlicher Existenz. Darüber hinaus ist es die Art wie dieser Mensch denkt, hört, fühlt, wünscht, wie er sich selbst betrachtet, wie er sein Wesen sieht und wie er seine Werte ordnet. Die Kultur bezieht sich sozusagen  auf die Annahme der Menschen über ihr Lifestyle, Existenzprogramm und Handlungsform. In dieser Hinsicht ist es wichtig  die geheime Essenz, das Selbst, hinter der Vielzahl und dem Verlauf an Tatsachen und Ereignissen zu finden. Damit der Mensch eine genaue Kenntnis und ein Bewusstsein über sich selbst bekommt, überarbeitet die Philosophie alle Änderungen. Somit wird hervorgebracht, wie die Kultur sich bis zu diesem Zustand verändert hat. Die Bestandteile der Kultur sind keine Reihe von Phänomenen, sondern im Gegenteil ein organisches Ganzes.

Wenn der Mensch genau genommen nur durch das Sehen oder durch direkte Erkennung die Objekte, Tatsachen und Ereignisse wüsste, könnte eine Erkennung, wie auf dem Akt des Zeigens basierend, in Bezug auf das Existierende stattfinden. Wohingegen das Selbst nicht auf Basis der Sinne erkennbar ist, weil das Selbst mental ist. Deshalb können die Sinne nicht das Selbst der Dinge wiedergeben, sondern nur die Vermutungen. Denn das Mentale macht die existierenden Dinge zu den Dingen und deshalb ist seine Bindung zu den Sinnen sehr gering. Nach Platon z.B. sind wir dank unserer physikalischen Präsenz durch die Wahrnehmung mit dem Sein und dank der Seele durch den Verstand mit dem wirklich Existierenden in Verbindung. Die wahre Existenz ist in jeder Hinsicht mit sich selbst identisch. Im Gegensatz zu dem sich bildenden und kontinuierlich Verändernden befindet er sich stets in der gleichen Weise.

Mit Hilfe der Sprache ist es möglich, sich nicht auf das konkrete Objekt selber, sondern  auf die Begriffe bezüglich des Objekts zu beziehen und sich danach zu orientieren. In der Tat ist sogar die Anerkennung eine Objekts nur mit einem Begriff in Zusammenhang mit diesem Objekt möglich. Mit anderen Worten braucht man die Fähigkeit und die Stärke, die Empfindungen zu sammeln und Verbindungen zwischen den Empfindungen zu stellen.

Der Mensch unterscheidet, wählt aus und richtet sich zu einem Zweck. Er kann der Sache, die er selber gewählt hat, eine Kontinuität verleihen, weil der Mensch die Kraft und die Berechtigung besitzt, einer Sache einen ontologischen Status zu geben. Der Mensch macht dies durch die Sprache. Sie beginnt mit einfachen Erscheinungen und wird zunehmend bereichert und vervielfältigt und reift in der Kunst, in der Theologie und in philosophischen Kontexten heran. Es ist eine Art Formen und ist an einem Kriterium gebunden. Ein eingezogenes Leben, welches aufgegeben wurde, kann keine Form hervorbringen. Wohingegen der Mensch durch diese Kraft und diese Berechtigung sich selbst formt. Es ist Gegenstand von neuen Kontexten, von unseren eigenen Problemen, unserer Geschichte und bezieht sich insbesondere auf unsere Daseinsweise. Die Geschichte und die Kultur wird von freiwilligen und zweckgebundenen Handlungen konstruiert. Willentliches Handeln und das Erzielen eines Zwecks stehen lediglich nur dem Menschen zur Verfügung. Der Mensch ist kein Wesen, welches vollständig durch natürliche Faktoren bestimmt und beschränkt wird. Er ist ein Gegenstand der Kultur, der die Kontrolle der äußerlichen Faktoren übernimmt und denkt bzw. fühlt und als Wesen mit Wille die äußerlichen Faktoren formt.

Kant zum Beispiel meint, dass die Kraft und Fähigkeit des Formens eine Eigenschaft des Menschen als vernünftiges Wesen ist und dass auf der Grundlage der theoretischen Wissenschaften die Verkörperung dieser Besonderheit des menschlichen Verstandes liegt.

Es ist deutlich zu verstehen, dass der Mensch nicht nur in der physischen Welt lebt, sondern auch Zugang zu der metaphysischen Ebene hat. Die Sprache, Mythologie, Kunst und Religion sind Teil dieser Ebene. Sie sind die Fäden eines symbolischen Netzwerkes und die  komplizierten Gewebe des menschlichen Lebens. Die Fortschritte im Denken und Experimentieren des Menschen stärken diese Gewebe. Der Mensch begegnet der Realität nicht auf direkter Weise. Je weiter sich die symbolischen Ereignisse des Menschen entwickeln, desto mehr verbirgt sich die physikalische Realität, die parallel zu diesem Fortschritt steht, in den Hintergrund.

Zwischen der Fähigkeit des Menschen Symbole zu erzeugen und seiner Freiheit besteht ein starker Zusammenhang. Die Freiheit des Menschen bezieht sich auf die Fähigkeit des Menschen, sich durch eine Art, die er sich selbst gegeben hat, zu bestimmen. Ein freier Mensch sieht sich nicht begrenzt durch die Natur. Die Bewertung des Menschen durch eine naturalistische Annäherung bedeutet das Gefangenhalten des Menschen in der phänomenalen Welt.  Die Kultur ist der Erfolg des Menschen, der durch Symbolisierung in seiner Umgebung eine qualitative Veränderung verursacht und nicht der Erfolg eines Wesens, der als ein Organismus an biologischen Regelungen gebunden ist. Anstatt mit den Objekten selbst in Kontakt zu kommen, kommuniziert der Mensch nur mit sich selbst.

Durch die Denk-Handlung gibt der Mensch der Sache eine Bedeutung. Dieses Deuten funktioniert nur durch Bildung und Formen von Begriffen. Erst durch die geformten Begriffe ist das Etwas oder die Sache Gegenstand der Gedanken. Ein Philosoph geht immer von dem schon Da-Seienden aus, aber gibt sich damit nicht zufrieden. Er versucht auf den Grund der Dinge zu gehen und versucht ihnen Bedeutungen zu geben.

Andererseits sind die Begriffe Elemente der Gedankenwelt und sind gedankliche Rahmen, welche erstellt wurden, um die Wesen in der Außenwelt, im Verstandes oder in der Sprache zu kennen  und ihnen Bedeutungen zu geben. Eine deutliche Eigenschaft des Begriffs ist die Eingrenzung der Dinge, weil der Begriff ein Anhaltspunkt für den Werdegang und Bekanntsein der Dinge ist. Kenntnis geschieht nur durch universelle Begriffe und Definitionen.

Und deshalb hier auch mal ein Versuch, Begriffe zu definieren. Alternativvorschläge, Verbesserungsvorschläge, Anregungen und Feedback sind gerne willkommen. Denn einen absoluten Wahrheitsanspruch sollen Definittionen nicht setzen. Sie sollen lediglich helfen, das Wahrscheinliche greifbar zu machen. Um sich mit dem Möglichen zufrieden geben zu können. Vielen Dank im Voraus.

Zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Beitrag nur die männliche Form verwendet. Die weibliche Form ist selbstverständlich immer mit eingeschlossen.

Bildquelle: http://www.antike-griechische.de/Raffael_Schule_von_Athen.jpg

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