Als vor wenigen Jahren die Rente mit 67 eingeführt wurde hieß es "Sollen wir arbeiten bis wir sterben?". Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) möchte zum 1. Juli die Rente mit 63 einführen und erntet dafür Kritik. Die neue Rentenreform sieht die abschlagsfreie Rente ab 63 Jahren für langjährig Beschäftigte vor, sofern diese 45 Jahre lang Beiträge in die Rentenkasse gezahlt haben. Die Anrechnung für Arbeitslosigkeit soll auf 5 Jahre beschränkt werden. Doch Kritiker warnen davor, dass Arbeitnehmer bereits mit 61 Jahren entlassen werden und die verbleibenden zwei Jahre bis zur Rente mit Hilfe des Arbeitslosengeldes überbrücken. 

Arbeistministerin Nahles: Gute Löhne, gute Renten. Bildquelle: http://www.abendblatt.de/politik/article119678115/Andrea-Nahles-singt-im-Bundestag-hier-im-Video.html

Arbeistministerin Nahles: Gute Löhne, gute Renten. Bildquelle: http://www.abendblatt.de/politik/article119678115/Andrea-Nahles-singt-im-Bundestag-hier-im-Video.html

Auch in Kritik steht die verbesserte Rente für Mütter. Demnach sollen Mütter die vor 1992 Kinder zur Welt gebracht haben mehr Geld bekommen. Dabei handelt es sich um ca. 10 Mio. Frauen. Was viele nicht wissen ist, dass die Mütterrente zu 100% mit der Grundsicherung verrechnet wird. Arme Rentnerinnen haben de facto nicht viel von der neuen Rentenreform.

Mogelpackung oder Klientelpolitik?

Markus Kurth, Rentenpolitischer Sprecher der Grünen: "Also wir gehen durchaus davon aus, dass es sich um einige hunderttausend Frauen handelt die nichts von dieser Leistung haben werden." Handelt es sich bei dem neuen Rentenpaket etwa um eine Mogelpackung?

deutschlandfunk.de.göring-eckard.denkerinnen

Grünen Fraktionschefin Göring-Eckardt: Die Rentenreform ist zukunftsvergessen. Quelle: http://www.deutschlandfunk.de/wir-koennen-mit-der-spd-gemeinsam-die-energiewende-umsetzen.868.de.html?dram:article_id=258249

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende B'90/Grüne wirft der Koalition "Klientelpolitik" vor: "Nicht erreichen tun Sie die Jüngeren, nicht erreichen tun Sie viele Frauen die wenig verdient haben, nicht erreichen tun Sie die Ostdeutschen, die haben bei Ihnen keine Chance."

Was wird das neue Rentenpaket kosten?

Auf ca. 10 Milliarden Euro belaufen sich die Kosten der Rentenreform im ersten Jahr ihrer vollen Wirksamkeit also 2015. Allein für die verbesserte Mütterrennte entstehen Mehrkosten von 9,5 Milliarden Euro. Diese sollen aus der Rentenkasse finanziert werden. Die Rentenkasse verfügt jedoch über Reserven in Höhe von 32 Milliarden Euro und wäre mit dem in Kraft treten der neuen Rentenreform binnen weniger Jahre aufgezehrt.

Gut gemeint, schlecht gemacht und zukunftsvergessen

Die Mütterrente solle nicht aus der Rentenkasse finanziert werden, sondern von der Steuerkasse, dies fordern die Grüne und die Linkspartei. Ihre Begründung ist, dass die Leistung von Mütter von der ganzen Gesellschaft bezahlt werden müsse.

Mathias Birkwald, Linke: Die Reform ist gut gemeint, aber schlecht gemacht. Bildquelle: http://diefreiheitsliebe.de/gesellschaft/ein-gesprach-mit-matthias-birkwald

Mathias Birkwald, Linke: Die Reform ist gut gemeint, aber schlecht gemacht. Bildquelle: http://diefreiheitsliebe.de/gesellschaft/ein-gesprach-mit-matthias-birkwald

"Zukunftsvergessenheit" wirft die Fraktionschefin der Grünen Göring-Eckardt der Koalition vor. "Auch jene die wirklich Unterstützung brauchen werden von der Regierung vergessen", ergänzt sie weiter. Denn sogar nach der Reform der Erwerbsminderungsrente liegt diese unter dem Existenzminimum. Zudem profitieren nur solche, die nach dem 1. Juli in Rente gehen.

"Gut gemeint, schlecht gemacht", so fasst Linken-Rentenexperte Matthias Birkwald seine Kritik zusammen. Er betonte die anhaltende Ungleichheit der Leistungen zwischen Ost und West. Die Ungleichheit hält auch bei der Mütterrente an. Den Betrag von 86 Euro pro Kind werden nämlich nur Mütter im Westen bekommen.

 Deutschland sollte das Rentenalter abschaffen!

Prof. Klaus F. Zimmermann, Wirtschaftswissenschaftler und Arbeitsmarktexperte, gehört zu den Kritikerin der Rente mit 63. Er befürchtet, dass 2/3 der Menschen, die bald berechtigt sind mit 63 abschlagsfrei in Rente zu gehen dies auch tun werden.

Wirtschaftsexperte Prof. Zimmermann: Rentenalter abschaffen! Bildquelle: http://www.handelsblatt.com/politik/international/iza-direktor-zimmermann-angst-kampagnen-waeren-gift-fuer-die-krisenlaender/6873450.html

Wirtschaftsexperte Prof. Zimmermann: Rentenalter abschaffen! Bildquelle: http://www.handelsblatt.com/politik/international/iza-direktor-zimmermann-angst-kampagnen-waeren-gift-fuer-die-krisenlaender/6873450.html

Die neue Rentenreform wird die öffentlichen Kassen mit über 200 Milliarden € belasten. Die Leistungsträger von heute müssen für diese Kosten aufkommen. Aber genau diese jungen Menschen, die voll im Berufsleben stehen, werden im Alter weniger Bezüge erhalten als die Generationen vor ihnen.

Prof. Klaus F.  Zimmermann:"In den USA würde es als Altersdiskriminierung angesehen, wenn ein Mensch aus dem Berufsleben ausscheiden muss, nur weil er ein bestimmtes Alter erreicht hat. Jeder kann dort arbeiten, solange er es möchte."

Hinzu kommt, dass der demografische Wandel und der damit einhergehende Fachkräftemangel sogar einen späteren Austritt aus dem Arbeitsleben erfordern. Auch die Lebenszeit der Menschen verlängert sich und viele Menschen fühlen sich mit Mitte 60 so fit, dass sie sich und ihr Können weiter einbringen möchten. OECD-Statistiken belegen, dass in ausgewählten europäischen Ländern der Ruhestand von Frauen und Männern 18-27 Jahre dauern.

Bildquelle: http://www.tagesschau.de/inland/rente348~magnifier_pos-2.html

Bildquelle: http://www.tagesschau.de/inland/rente348~magnifier_pos-2.html

Zimmermann warnt davor alle Berufsgruppen über einen Kamm zu scheren, denn nicht überall sind die Belastungen gleich.

Für Berufsgruppen, in denen die Arbeitsbedingungen besonders belastend sind, empfiehlt er individuelle Lösungen auszuarbeiten und Ausnahmeregelungen einzuführen.

Die Rente mit 63 hat Symbolcharakter, so Zimmermann, und soll der eigenen Klientel zeigen, dass sich die Koalition um sie kümmert. "Umgekehrt hat auch die Rente mit 70 [...] Symbolcharakter", räumt er ein. Sie solle nämlich das Bewusstsein wecken, für eine längere Lebenszeit und die Notwendigkeit einer längeren Lebensarbeitszeit.

Prof. Klaus F. Zimmermann: Auch in Deutschland sollte das starre Renteneintrittsalter abgeschafft werden. Stattdessen müssen wir nach Lösungen suchen, den Ausstieg aus dem Arbeitsleben flexibel zu machen. Wir könnten zum Beispiel steuerliche Anreize geben, wenn Menschen dem Arbeitsmarkt länger zur Verfügung stehen.

Beitragsbild:

http://www.tagesschau.de/inland/rente-bundestag102~magnifier_pos-0.html

Quellen:

http://www.tagesschau.de/inland/rente-bundestag102.html

http://www.heute.de/Rentenpl%C3%A4ne-der-Koalition-Erste-Lesung-im-Bundestag-32592682.html?tabNo=0

http://www.tagesschau.de/inland/rente348.html

http://www.bmas.de/DE/Startseite/start.html

http://www.rentenpaket.de/rp/DE/Alle-Fakten/Das-Paket/das-rentenpaket.html

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