Das halbe Kapitel: In Klammern (Liebe)

 „Ich liebe dich“ – der bewusst oder unbewusst verwendete Satz – verliert beim falschen Gebrauch seinen eigentlichen Wert.

Julian Barnes hebt besonders hervor, dass die Liebe definitiv vorhanden sein müsse, denn fehlt die Liebe, die die Menschen wie eine Kette einander schmiedet,  so würden mehr Feindseligkeiten entstehen und gegenseitiges Töten zustande kommen. Er betrachtet die Liebe auch als ein Elixier, das die Lebewesen bzw. die Menschheit glücklich macht. Sie stehe für das Leben. Wenn wir leben, leben wir mit Liebe und wenn wir sterben, sterben wir ebenfalls mit der Liebe. Sterben muss von uns jeder auf irgendeine Art und Weise. Warum dann nicht mit Liebe den Endpunkt setzen?

Laut Barnes wird die Liebe zwischen Menschen leider wie ein Wertpapier in der Wirtschaft behandelt, da sie von den Meisten entweder zu ihren Eigengunsten ausgenutzt oder immer eine Gegenleistung erwartet wird. Somit präserviert man ihren Wert nicht wie bei einer wahrheitsgemäßen Umsetzung der Liebe. Barnes weist auf die Exaktheit der Gesten und der Sprache der Liebe hin. Die Wortwahl bestimmt den Wert der Liebe. Daher begründet er die Wichtigkeit des richtigen Einsatzes zum richtigen Zeitpunkt des Satzes „I love you“, um seine Bedeutung nicht zu entwerten. Der Wert der Liebe liegt in ihr selbst. Wenn es doch in der Gesellschaft eine Währung gäbe, dessen Wert stabil ist, dann kann man von der Liebe sprechen. Denn das Gewicht der Liebe ist wesentlich schwerer als reinstes Gold, das auch seinen Wert auf unterschiedlichen Märkten und in verschiedenen Orten verlieren kann.

Die Liebe

„Sollte Liebe in der Schule unterrichtet werden?“ Den Jugendlichen wird Liebe zwar gelehrt, aber nur insofern, dass sich SchülerInnen die weiteren detaillierten Informationen selbst aneignen sollten. Barnes vergleicht diese Handlung mit einem Auto mit Automatik, das  sich immer wieder einstellen und dementsprechend anpassen kann. Wie kann man von den Jugendlichen erwarten, dass sie die Liebe richtig anwenden, wenn man sie doch darüber nicht ausreichend aufgeklärt hat? Läuft das Liebesleben von ihnen schief, gehen die Eltern nicht in die eigene Verantwortung zurück, sondern verantwortet lieber die Natur, weil dieser Weg einfacher ist als sich selbst als Verantwortliche zu bezeichnen.

Somit hält Julian Barnes fest, dass man bei unbewusster Anwendung der Liebe (vor allem bei den Jugendlichen), ihren Originalwert nicht mehr zu schätzen weiß. Denn die Jugend kann sie nicht in ihrem Herz bewahren, weil sie den eigentlichen Umgang mit der Liebe nicht kennt. Lehrte man ihnen, wie man sich vor falscher Verwendung der Liebe hütet, wüssten sie auch, wie sie ihre Liebe präservieren könnten.

Warum flüstert man einen der kürzesten und bedeutungsvollsten Sätze der Welt „Ich liebe dich!“ in das Ohr des anderen Geschlechts? Nach Barnes sei dieser Satz ein Zugriffsschlüssel zum Auswerten der ursprünglichen Bedeutung der Liebe.

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