Rezension zu „Synchronicity“ von Sharon Dodua Otoo

Zynisch wie nötig und politisch korrekt wie möglich zieht sich die Farbkrise von Cee durch 24 Tage voller Viel- und Tiefsinn. Das Zusammenspiel von Fremd- und Selbstbestimmung wird in Synchronicity deutlich und mündet in der Selbsterkenntnis des sich im Werdensprozess befindenden Eigenes. Farben, Unfarben, Farblose und Antifarben bestimmen den Alltag. Ein Werk, in welchem essentielle Bedürfnisse nach Vertrauen, Wertschätzung, Sicherheit, Kontrolle und Nähe mit allen Sinnen zur Ruhe finden. In einer Sprache, die Empathie schafft, keine Opferrollen reproduziert und zur Hoffnung auch eine Veränderung anregt. Neben Konfrontationen mit Herkunftssozialisation und der Gegenwartssozialisation, finden Themen um die Sensibilisierung des Verhältnisses zwischen Weißen und people of color bzw. Schwarzen Platz.

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Das Werk von Otoo liest sich schnell und sanft zugleich. Als würde man einen Schmetterling in den Händen halten. Genau so ging es mir, als ich die Hauptperson in Synchronicity also mit all‘ ihren Erlebnissen in den Händen hielt. Als würde sie ausbrechen wollen, aus dem, wo sie auch immer mehr reinzurutschen und zu verschwinden drohte. Oder sind und waren es doch andere, die sie immer farbloser wenn nicht unsichtbar machten. In der Welt, in welchem der Farbverlust zum Alltag zu werden wusste.

Mir war es eine große Ehre Sharon Dodua Otoo auf dem historisch entscheidenden 1. Bundeskongress der Neuen Deutschen Organisationen kennenzulernen und ihre beiden Bücher in meinem Koffer mitgebracht haben zu können. Im Andenken an unser tolles „Stimmungsphoto“, was ihr werter Kollege zu schießen vermochte. Oder auch nicht vermochte :-).

Achja und:

Selbst
ist
die
Frau.

Vielleicht steckt in diesem Buch auch der Zweifrontenkampf einer schwarzen Frau. Da stellt sich doch die Frage, ob in unserem Heute der weiße Mann das stärkste Wesen unserer Gegenwart ist. Die hoffentlich mit einem Nein zu beantworten ist. – Mit dem Wunsch, dass jeder – wie auch Cee – zu sich findet. Sich nah zu sein weiß. Sich selber mal verzeihen kann. Sich deshalb auch beruhigen. Die Nähe anderer zulassen. Anderen nah sein wollen. Anderen vertrauen. Vertrauen entgegennehmen. Sicherheit geben. Und annehmen. Externen Einflussfaktor aushalten aber auch mal selber die Kontrolle übernehmen kann. Sich des Lebens Wert zu sein – und auch wertzuschätzen weiß. Das alles gibt Mut. Gibt Raum. Schafft Platz. Für ein gutes Jetzt. Und ein gutes Morgen.

Zur Autorin

[frame_box]„Sharon Dodua Otoo ist Schwarze Britin – Mutter, Aktivistin, Autorin und Herausgeberin der englischsprachigen Buchreihe „Witnessed“ in der edition assemblage. Sharon Dodua Otoo lebt, lacht und arbeitet in Berlin. Ihre erste Novelle „the things i am thinking while smiling politely“ erschien 2012 und kam ein Jahr später auf Deutsch als „die Dinge, die ich denke während ich höflich lächle“ heraus“[/frame_box]

Zusammenfassung des 1. Bundeskongress der Neuen Deutschen Organisationen

http://www.deutschlandradiokultur.de/kongress-in-berlin-neue-deutsche-wollen-sich-einmischen.2165.de.html?dram%3Aarticle_id=311102, Stand 09.02.2015.

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