Snowdens neuer Dystopie-Roman

ACHTUNG: Dieser Beitrag enthält ein wenig Ironie. Und Spoiler!

Der Überwachungsstaat. Jedem ein geläufiger Begriff.

Stoff für viele bekannte Romane, in eine Dystopie beschreiben, wie z. B. 1984 von George Orwell, Fahrenheit 451 von Ray Bradbury, A Clockwork Orange von Anthony Burgess, Watchmen von Alan Moore… Die Liste ist lang.

Man stellt es sich immer genauso vor, wie auch in den Romanen beschrieben: Ein diktatorischer Staat; keine Freiheiten (selbst das Denken ist untersagt); die Individuum werden 24 Stunden, 7 Tage die Woche vom Staat überwacht und kontrolliert; eingeschränkte Kommunikation zwischen den Bürgern. Die Individuen (falls man sich als solches in so einem System entwickeln kann) sind schon fast mechanisch, weichen von der, ihnen zugeschriebenen, Linie nicht ab. Der Staat schreibt ihnen sozusagen ihr Leben vor. Robotermäßig leben sie dann. Tagein, Tagaus.

Ironie: AN

Aber zum Glück leben wir ja nicht in so einer Gesellschaft, wo der Staat seinen Bürgern misstraut und sie versucht zu überwachen, in ihre Privatsspähre eindringt, Profile von ihnen erstellt und ständig mit dem Gedanken lebt „Sie könnten ja alle potenzielle Terorristen sein“.Wir leben ja in einer Demokratie, mit Freiheiten und Grundrechten. Und Undschuldsvermutungen.

Doch kennen sie schon den Roman „NSA- ein Überwachungsskandal“? Frischgepresst und neu aus den USA. Wer dachte Überwachungsstaat = Diktatur, wird in diesem Roman eines besseren belehrt.

Kurze Zusammenfassung:

Titel: NSA- ein Überwachungsskandal

Erscheinungsjahr: 2013

Protagonisten des Romans: Edward Snowden und die NSA

Zeitalter: 21. Jahrhundert, konkreter gesagt: 2013 (sehr futuristisch)

Herrschende Staatsform im Roman: Demokratie!

Der Anfang: Edward Snowden flog am 20. Mai von Hawaii nach Honkong, wo er den Journalisten diverse Dokumente und eine Videobotschaft an uns (diejenigen, die in der Matrix leben) weitergab. In jenem Video erzählte er dann seine Beweggründe und auch über die Dokumente, die sich in seinem Besitz befinden. Natürlich weiß das System (die NSA) zu diesem Zeitpunkt noch nichts von Snowdens Vorhaben.

Der Höhepunkte: Enthüllung der bisher uns nicht bekannten Überwachungsprogramme, die die Aussage „Durch die Globalisierung schrumpft die Welt zu einem Dorf“ bestätigen. Weltweit wird die Internetkommunikation durch Programme wie PRISM und Boundless Informant bewacht.

Am 8. Juni 2013 dann die ersten Zahlen und Fakten: The Guardian berichtet, dass mit dem Programm Boundless Informant schon mehr als 70.000 Geheimdienstberichte auf Grundlage von Internet-Auswertungen und mit Hilfe von Profilern erstellt worden sind. Einen Tag später offenbart Snowden seine Identität, worauf er Schwierigkeiten mit den USA bekommt. Verständlicherweise.

In Honkong gibt er dann paar Tage später ein Interview und belegt mit Dokumenten, dass die NSA auch in China nicht untätig war und möglicherweise Millionen von SMS gestohlen hat. Das gefällt China nicht. Auch verständlicherweise.

Da Snowden jetzt Schwierigkeiten mit den Vereinigten Staaten hat und diese leider einer der Supermächte auf der Welt ist, kann er nur noch in ein Land fliehen- Russland. Dort bleibt er dann für ein paar Wochen in einem Hotel mit Internetanschluss (nennenswert).

Kurz bevor er sich als Whistleblower enthüllt, hatte Snowden einen Briefwechsel über Lavabit (einem Webmail- Anbieter, welcher bis dahin noch nicht von der NSA entdeckt wurde) mit Jacob Appelbaum („Spezialist für Computersicherheit“ – *zwinker*) und Laura Poitras (soll dann Snowdens Biographie vefilmen). Natürlich verschlüsselt, damit es die NSA vorerst nicht mitbekommt. Dieses Interview veröffentlichte „Der Spiegel“ am 7. Juli. Unter anderem sagte Snowden, dass die NSA „unter einer Decke mit den Deutschen“ stecken würde, was sich später Bewahrheiten lies.

Desweiteren wurden die vielen Internet-Operationen, die im Jahre 2011 durchgeführt worden sind, aufgedeckt. Die Operationen wurden überwiegend in Iran, Russland, China und Nordkorea durchgeführt- die Absichten immer noch unbekannt.

Das offene Ende: Da es sich um ein klassisches offenes Ende handelt, kann sich die Leserin oder der Leser das Ende selber ausmalen. Aber mittlerweile denken sich alle: „Was kann denn sonst noch passieren?“. Da wir es auch von anderen Filmen und Romanen amerikanischer Schriftsteller gewohnt sind, kann es immer noch zu einer Alien- Invasion, Abbrennung des Weißen Hauses oder zu Auftauchen unerwarteter Spezies, wie Einhörnern, kommen.

Die gebrachten Opfer: Lavabit wollte, nach Aufforderungen des Gerichts sowie der FBI die SSL-Schlüssel in brauchbarer Form nicht freigeben und hat sein Betrieb eingestellt.

Und Babykatzen, die jedes Mal sterben, wenn die Vereinigten Staaten über Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie reden.

Ironie: AUS

 

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