Spieglein Spieglein an der Wand….

Immer mehr Menschen sind von dem Wahn der perfekten und ewigen Schönheit befangen. Die Zahl der Schönheitsoperationen nimmt jährlich zu. Dabei werden die Patienten immer jünger und die OPs immer vielzähliger. Was kommt, ist ein neues Zeitalter und ein neues Verständnis vom „schönen Menschen“.

So fängt die Passage bei dem Märchen von Schneewittchen an. Die Frage dreht sich um einzigartige und ewige Schönheit, um jeden Preis. Die Frage um die Schönheit ist im heutigen gesellschaftlichen Aspekt so kontrovers, wie nie zuvor. Sie liegt nicht mehr im Auge des Betrachters und kommt für viele nicht mehr von innen. Sie wird maßgefertigt auf dem OP-Tisch. Die Patienten werden immer mehr und vor allem immer jünger. Was früher viel mehr das Metier von Hollywood und Co war, ist heute mit dem eifrigen Beitrag der Medien und der Massenhysterie der Frauen zum Volkssport etabliert. Nachrichten und Beiträge über misslungene Operationen, hohe Kosten oder Schmerzen scheinen die willigen Schönheitsoperationsfreaks nicht abzuschrecken. Es scheint Epidemieartig über die Bevölkerung zu kommen. Kritiker warnen zwar vor Langzeitschäden, diese werden jedoch mit Doku-Soaps, in der sich hässliche Entlein in graziöse Schwäne verwandeln und endlich extrem schön sind, verdrängt.  Platz für Individualismus scheint nicht zu sein. Denn am Ende sehen alle aus, wie auf dem  Fließband produziert.

OP-Ranking: And the winner is…

Einer Umfrage der DGÄPC zufolge haben insgesamt 1200 Patientinnen im Jahr 2012 einen plastisch-ästhetischen Eingriff vornehmen lassen. Davon lag mit 23,5% die Brusvergrößerung auf Platz 1 der TOP-TEN-LISTE der Frauen. Darauf folgten mit 15,3% die Lidstraffung, mit 15% die Fettabsaugung, mit 14,2% Botolinumbehandlungen, 11,9 % Faltenunterspritzung, 6,8% Nasenverschönerung, 6,6% Brustverkleinerung, 6,3% Facelifting, 6%Bauchdeckenlifting und 4,1% der Patienten ließen sich die Lippen korrigieren. Die Kombination von mehreren Operationen war nicht auszuschließen. Viele Patienten berichteten nach dem ersten Eingriff von dem Bedürfnis mehr an sich korrigieren zu lassen. Bei manchen ist sogar die Rede von Botox-Sucht.

 

A new kind of beauty

Mit diesem Titel erschien ein Bildband des Künstlers Phillip Toledano. Darin fotografierte er Menschen, die sich ästhetischen Operationen unterzogen hatten. Die  Gesichter der Menschen sind maskenhaft und starr. Der Betrachter tut sich bei der Einordnung des Geschlechts oftmals schwer. Das Raten des Alters ist schlier unmöglich. Die Menschen erfreuen sich ihrer persönlichen Evolution, denn die Bilder zeugen quasi von einer neuen Gattung: zwischen Mensch und Plastik-zwischen Mann und Frau, „a new kind of beauty“ eben.

Früh übt sich- wie man neue potentielle Patienten anwirbt

Ein Buch in den USA hat nun endgültig bei vielen die Alarmglocken läuten lassen. Ein hübsch aufgemachtes Kinderbuch mit dem Titel „My beautiful Mommy“ von Dr. Michael Salzhauer soll Lesern zwischen 4 bis 7 Jahren die genauen Hintergründe von Mami’s OP erläutern. Experten warnen vor der Einstellung der kleinen Leser, dass etwas nicht in Ordnung sei mit ihrem Körper und dass dies nur mittels eines Eingriffs wieder zu lösen wäre. Die natürliche und selbstverständliche Wahrnehmung von Schönheitsoperationen schon im jüngsten Alter gewährleistet den sicheren Bestand der zukünftigen Patienten.

Wenn im Fernsehen alle makellos aussehen

Viele Junge Menschen verlieren heutzutage den Bezug zur Realität und zur Natürlichkeit, wenn sie anfangen, sich mit Menschen aus TV und Prominenz zu bemessen. Alle sehen gut aus, super erfolgreich und noch dazu vergnügt. Generation „Germany’s next Topmodel“ traut sich schon kaum mehr ohne Make-up aus dem Haus und gemeinsam Spaß haben heisst auch längst nicht mehr gemeinsam Eis oder Pizza essen gehen. Die Kalorien könnten der Klum’schen Karriere schaden. Viele junge Frauen haben keinerlei Probleme an sich etwas operativ zu verändern. Im Gegenzug dazu wissen nur die allerwenigsten im Umfeld, oft nur die eigenen Eltern und Geschwister, wie ein Mädchen wirklich in „Natur pur“ aussieht.

Ebenso haben viele ältere Frauen ein echtes Problem damit, zu altern. Die Freiheit des würdigen Alterns wird der Frau von heute einfach verwehrt. Abhilfe zum Altern verschafften unzählige Colerationen und Antifaltencremes, die unerklärlicherweise immer von Frauen die noch gar keine Falten haben, in der Werbung vorgeführt werden. Die Brust darf nicht hängen, der Po nicht groß werden, die Haare nicht grau werden. Das Syndrom der ewigen Jugend scheint alle in ihren Bann gezogen zu haben. Das zumindest beweist die Kosmetik Industrie mit ihrem galaktischen Umsatz und der unendlichen Produkt-Brandbreite für die  „forever young Bewegung“.

Wozu gibt es eigentlich Frauenrechtlerinnen?

Diese Frage stellt man sich nur allzu oft. Denn traurigerweise sind es oft wieder gerade die Artgenossinnen, die einem das Leben so schwer machen. Wenn Feministinnen, die ja gerade gegen die Sexualisierung des weiblichen Körpers stehen, anderen Frauen es verwehren, sich so anzuziehen, wie sie es wollen oder es für richtig halten, dann hat es sich ausdiskutiert. Erstaunlich ist es auch, dass die Frauenrechtorganisation FEMEN, welche angibt sich für die Rechte der Frauen einzusetzen, scheinbar ausschließlich aus Frauen mit Modellmaßen besteht. Gerade diese Aktivistinnen sind es dann, die entgegen ihrer Ideologie, ihren Körper entblößen, ihn für ihre Demonstration instrumentalisieren und zur Sexualisierung des weiblichen Körpers führen, um Aufmerksamkeit zu erregen. An den öffentlichen Demonstrationen zumindest durften bisher nur solche vor den Bildschirm springen, die identische Maße mit Heidi’s Modells hatten. Kann man in der heutigen Gesellschaft etwa nicht ohne Nacktheit Aufmerksamkeit erlangen?

Schönheit ist individuell,im Auge des Betrachters und nicht grundlegend

Diese Devise sollte sich am besten jede Frau auf den Spiegel schreiben. Vielmehr sollte jede Frau die Freiheit genießen als Mensch einzigartig, vollkommen und wunderschön zu sein. Das menschliche Leben von einer statistischen Laufzeit von durchschnittlich ca. 60 Jahren ist doch eigentlich recht kurz um sich mit solchen Lastern den Tag zu verderben. Jeder Mensch verdient es nämlich schon allein des Schöpfers willen geliebt und geachtet zu werden.

 

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