Stichwort ‚ Henna-Nacht ‘ – der Polterabend Gestern und Heute

„Nenne drei Schlagwörter, die dir beim Stichwort ‚Henna-Nacht‘ spontan einfallen“, – lautete die Aufforderung, woraufhin folgende Assoziationen geäußert wurden:

Die Farbe Rot, Horon (ein tradtitioneller Kreistanz aus der Schwarzmeerregion), tanzendes Umkreisen der Braut mit dem Hennatablett, der Ausspruch: „Die Braut macht ihre Hand nicht auf“, Emotionen, Hennaverzierungen, Tradition, Tränen, Heulen bis der Arzt kommt, Frauenparty, Kerzen, Lärm und Tumult, Pide mit Hackfleisch und dazu eingemachtes Gemüse, ein schüchterner Bräutigam, Sunna, Teilen, Heirat, …

Was ist die Henna-Nacht und warum wurde und wird sie heute immer noch gefeiert?

Ursprünglich fand die Henna-Nacht im Haus der Braut statt und war als Feier zum Abschied von ihrer Familie und ihrem Junggesellinnendasein gedacht. Aus diesem Anlass kamen alle weiblichen Verwandten, Freundinnen und engere Bekannte aus der Nachbarschaft im Haus der Braut zusammen, um der Braut alles Gute für Ihren neuen Lebensabschnitt zu wünschen und in einer innigen, familiären Atmosphäre unter Frauen ordentlich zu feiern. Am Ende des Tages übernachteten alle Freundinnen im Hause der Braut und diejenigen, die der Erschöpfung des Tages erlagen und vor den anderen einschliefen vielen diversen Streichen zum Opfer. Die aufgeweckteren Mädchen bemalten die Gesichter ihrer schlafenden Freundinnen oder vernähten deren Schlafanzüge mit ihrer Bettwäsche, sodass sie ohne fremde Hilfe nicht aufstehen können. So gab es am Morgen des nächsten Tages viele herzhafte Lacher und freudige oder für manch´ einen weniger freudige Überraschungen.

Heute wird die Henna-Nacht, ähnlich einer Hochzeit, meist in großen Sälen gefeiert und liegt dann zeitlich aus organisatorischen Gründen, meist nicht mehr knapp vor der Hochzeit. Die Henna-Nacht war früher eigentlich der Vortag der Hochzeit. In dieser Nacht wird gegen Mitte der Veranstaltung sehr emotionale Musik gespielt, in der Mutter-Tochter Beziehungen und Trennung und Sehnsucht vom/zum Elternhaus thematisiert werden. Dies dient dazu, dass sich die Nahestehenden der Braut auf den bevorstehenden Trennungsschmerz konzentrieren und dadurch emotional aufladen. Die seit Tagen angestauten Emotionen werden somit am Tag der Henna-Nacht kanalysiert und noch vor der Hochzeit „entladen“, damit am Tag der Hochzeit nicht mehr geweint wird.

In der Henna-Nacht darf natürlich nicht nur ordentlich geweint werden sondern soll auch richtig abgefeiert werden. Gleich nach der Henna-Zeremonie, in der die Hände der Braut mit Henna verziert wurden, und sie zum Weinen gebracht wurde, wird rhythmische, fröhliche Tanzmusik gespielt, damit die Braut ihre Trauer ablegt und wieder ihren großen Tag feiern darf.

Alternativ: http://www.youtube.com/watch?v=AQJC2ce5pYk

Dieses Video, zeigt eine Braut in einem traditionellen Gewand namens „Bindalli“, was übersetzt so viel bedeutet wie „Das mit den tausend Ästen“, womit wahrscheinlich ursprünglich die verquirlten Verzierungen auf dem Gewand gemeint waren 🙂 Bindallis sind vorwiegend in den Farben grün und rot anzutreffen. Vor dem Bindalli trägt die Braut heute eine andere Abendrobe (meist eher europäisch und mit Reifrock) und kleidet sich dann speziell für die Henna-Zeremonie um.

Der „Reinlauftanz“

Die Henna-Zeremonie stellt das Herzstück der Henna-Nacht dar und verläuft meist folgendermaßen: Während die Gäste mit Tanzen beschäftigt sind, zieht sich die Braut mit einigen Helferlein zurück und legt ihr Abendkleid ab um in ihr Bindalli zu schlüpfen. [In dem Foto unten ist ein pinkes Bindalli zu sehen. Über dem Kopf trägt die Braut einen Schleier, den sie erst lüftet, nachdem ihre Hände mit Henna bemalt wurden.] Während sich die Braut umzieht, bereiten ihre Freundinnen für sie einen Weg aus Kerzenlichtern vor und stehen dann links und rechts am Rande, damit die Braut zwischen den Personen, mit den Kerzen in den Händen hindurch und der Person (meistens ist es eine Verwandte) mit dem Henna-Tablet in den Händen hinterher laufen kann. Alternativ kann es auch sein, dass es kein „Personen-Geländer“ gibt und die kerzenhaltenden Freundinnen, der Braut tanzend hinterher laufen. Der Phantasie sind hierbei im Grunde keine Grenzen gesetzt, Hauptsache die mystische Atmosphäre stimmt. Und der ‚Reinlauftanz‘ ist eigentlich vielmehr eine rhythmische Schrittabfolge als ein Tanz. In der Mitte des Saales angekommen setzt sich die Braut auf einen Stuhl und wartet, bis die ihr nahestehenden Personen sie abwechselnd mit dem Henna-Tablet umkreisen (Auf dem Tablett befinden sich die vorbereitete Henna-Masse und ein paar Kerzen als Verzierung). Dieses Umkreisen, kann als eine Art Segnung interpretiert werden. Während die Freundinnen und Verwandten die Braut mit dem Tablett in der Hand umkreisen beten sie nämlich im Inneren für sie und ihre bevorstehende Ehe.

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