Nun, nach 12 Wochen Uni in den USA, möchte ich mich über das Uni-System in den USA auch einmal schriftlich äußern.

In Deutschland haben wir den Begriff des Studentenlebens. Studenten haben das beste Leben in Deutschland. Warum? Also, es gibt Studententarife für Handyverträge, Studentenrabatte für jegliche Kaufverträge, studentenfreundliche Angebote und Studentenabos.

Dann haben es Studenten am besten in Deutschland, weil sie (je nach Studienfach) entweder gar nicht in die Uni gehen oder fast alles daheim machen können. Wenn man z.B. Deutsch und English studiert, dann hat man zwei Tage Uni, drei Tage frei und dann noch zwei Tage ein Wochenende. Während dem Semester gibt es keine Hausarbeiten oder Assignments, selten mal eine Midterm oder ein Quiz. Die billigen Konzerttickets, die Mensa mit den studentenfreundlichen Preisen, ect. sind dann natürlich das I-Tüpfelchen.

So sieht es in Deutschland aus. Hier in Amerika ist es anders.

Also zuerst möchte ich mich zu der Sache, welches mich am wenigsten betroffen hat äußern: der soziale Status eines Studenten: if you are an university student, then you must be broke, so nobody is gonna’ give you money. Eine Kreditkarte? NEIN. Du bist Student? OHHH, die Insurance (Versicherung) für Studenten sollte man sehr hoch setzen, warum? Ja die sind ja eh pleite, sollen sie doch mehr in Schulden geraten, die Bank hat denen ja schon einen Kredit gegeben, weil sie die Studiengebühren (6.000-70.000 Dollar) bezahlen müssen. Und ja, da sie schon in Schulden versunken sind, ist es leider nicht möglich ihnen eine Kreditkarte zu geben, oder einen anständigen pay-plan (Zahlungsplan) vorzulegen.

Tut mit leid, dass ich auf einmal den Schreibstil von Berichterstattung in Ironie gewechselt habe, aber das zeigt nur meinen Blick auf die ganze Sache. Kurz gesagt, wenn man in den USA studiert, dann macht man Schulden. In Deutschland kriegt man Bafög (man muss es zwar wieder zurück zahlen, aber das ist ja wieder ein anderes Thema.) Kurz gesagt, mit dem Ende des Studiums hat man einen hohen Berg von Schulden auf dem Buckel. Wenn man dann zusätzlich auch noch arbeitslos ist, dann fragt man sich ob es wirklich wert war zu studieren. Kein Wunder, dass männliche Studenten sehr schwer eine Bindung eingehen und weibliche Studenten so schnell wie möglich heiraten möchten.

Was in Deutschland als Investition in die Zukunft verstanden wird und als „Elite“ Deutschlands bezeichnet wird, ist in Nordamerika eine Ausbeutung vieler Familien und wird als Kapital gesehen. Durch hohe Studiengebühren wird vielleicht auf dem Campus, alles was man in einer Stadt hat (Einkaufsmöglichkeiten, Fitness Center, Park, Spielautomaten, Spielkonsolen, ein eigenes Ärzteteam, Sportplätze und sogar Theater- und Kinosäle) angeboten und zugänglich gemacht. Jedoch fragt man sich, ob es wirklich nötig war zehn Xbox-Konsolen, vier Tennisplätze und ein Kino auf dem Campus zu haben? Wäre es nicht besser die Studiengebühren zu senken und an Spielkonsolen zu kürzen oder auf ein Kino auf dem Campus zu verzichten? Dadurch würden viele Studenten ein angenehmeres Finanzenbild haben und nicht mit der Verschuldung das eigene Studium finanzieren. Schade eigentlich, dass die Zukunft in den USA als ein Markt gesehen wird und jede Universität eigentlich ein eigenes Unternehmen darstellen könnte.

Nun zum Arbeitsaufwand. Am Ende des Semesters werde ich ca. 25 sogenannte papers (kurze Hausarbeit) geschrieben haben. 3-8 Seiten, und rund 8 Seiten final papers (Abschlusshausarbeit). Dann habe ich jede Woche online posts, wo ich Fragen beantworten muss bevor ich in den Unterricht gehe. Jede Stunde habe ich dann auch quiz’es, kleine Tests. Achso, dann sind da noch die readings (Sekundärliteratur)150-300 Seiten, jede Woche!

Am Anfang hatte ich wirklich sehr große Probleme, ich habe den ganzen Tag mit readings und papers verbracht. Nach drei Wochen hatte ich keine Kraft mehr. Ich dachte nur noch: WHAT THE HELL! Ab der vierten Woche habe ich verstanden wie meine Professoren ticken, habe je nach Professor meine readings reduziert, jedoch musste ich papers, quiz’es und online posts immer noch machen.

ICH VERMISSE DAS DEUTSCHE UNISYSTEM.

Ich verstehe nicht wie die Amerikaner es hinbekommen soviel zu tun und produktiv am Unterricht teilzunehmen. Neben den vielen obligatorischen Kursen werden auch viele Studentengruppen und wöchentliche Veranstaltungen angeboten, welche auch reichlich Nachfrage haben und regelmäßig besucht werden. Aber vielleicht sind genau diese Clubs und Studentengruppen der Ausgleich zum stressigen Universitätsleben.

Nun, nach der 12. Woche und im Thanksgiving Break kann ich sagen wie die letzten 9 Wochen nach meinem Nervenzusammenbruch in der dritten Uniwoche waren. Ich habe geplant gearbeitet. Viel Zeit in der Bibliothek verbracht und versucht es locker anzugehen.

Nun zu dem Essen auf dem Campus. Unsere Preise in der Uni Mannheim: 2,60 Euro pro Menu. Hier ein Dining: 10,99 Dollar für ein offenes Menü: Essen und Trinken. Da es unlimited ist, kann man wirklich 10,99$ Essen in sich nehmen, aber dafür muss man ein (dicker) Amerikaner sein, der einen gigantischen Magen hat. Ich kann das nicht. Die Essenspreise sind hier echt zu teuer. Eine Brezel, eine Capri Sonne und vielleicht noch einen Schokoriegel gibt es hier nicht. Wenn schon ein richtiges Menü, für Zwischendurch kann man hier sehr schlecht etwas kaufen. Man muss immer richtig reinhauen!

Wenn ich hier auf dem Campus esse, dann kann ich einen Teller voll essen. Meine amerikanischen Freunde essen auch mal zwei, drei oder sogar vier Teller. Pizza, Hamburger, Pommes, Asiatisch, Koscher, Vegetarisch, Sandwiches, Stir Fry, Eis, Kellogs, eine kleine Auswahl Obst, Kuchen, Kekse, Beverage Getränke von Cola bis Eistee, drei verschiedene Sorten von Milch, Kaffeesorten und Tee ist die tägliche Hauptauswahl. Eigentlich ein guter Preis bei einer so großen Auswahl, jedoch nur für Studenten, die viel essen von Vorteil.

Außerdem ist es auch nicht gesund. Es heißt ja immer Amerikaner sind fett. Es stimmt wirklich. Ich erinnere mich nicht so viele übergewichtige Menschen auf einmal gesehen zu haben. Ich habe nichts gegen übergewichtige Menschen, Mensch ist Mensch  jedoch finde ich, wenn Schulen, Universitäten und sogar Krankenhäuser so eine Kantine haben (siehe Liste oben) und diese weiterhin haben werden, wird Amerika das Problem der Übergewichtigkeit nie lösen können.
Achja, ganz kurz etwas zu diesem Thema: super size. Es stimmt auch, dass Portionen größer sind. Teller, Gläser und Behälter. Ich habe mich in den ersten Wochen gefragt warum meine Mitbewohnerin ihr Wasser aus der Vase trinkt, bis ich gemerkt habe, dass es keine Vase ist sondern ein ganz normales Glas. Ein Kulturschock!
Dies waren jetzt meine Beobachtungen zu nur drei Aspekten von vielen. Diese Beobachtungen zu machen, war mal sehr amüsant, erschreckend oder schockierend. Jedoch haben sie meinen Horizont erweitert und mich vielleicht auch etwas fetter, ärmer und fleißiger arbeiten lassen.

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