Typisch deutsch, typisch polnisch? Ein kulinarisches Battle der Kulturen auf unserem Teller

Essen wie bei Muddern (oder Ommern). Das kenn wa doch alle, oder? Deftig is‘ es, lecker is‘ es, voll macht es allemal. Danach bewegt man sich immer wie ne vollgestopfte Pinata in ’nem Porzellanladen und hofft nicht in ein dauerhaftes Fresskoma zu fallen. Hausmannskost halt. Zur Folge der allwissenden Online-Plattform dessen Name nich genannt werden darf.. (ich hoffe meine Professoren lesen das jetzt nicht mit..jaja ich weiß Schande über mein Haupt!).. so bezeichnet der Begriff „deftige, nahrhafte und traditionell zubereitete Gerichte“.

Jedes Land hat da seine ganz eigenen Rezepte die unter diese Kategorie fallen. Doch welche Küche ist nun besser? Deutsche oder polnische? Welche Küche sitzt am längeren Hebel? Wir haben uns doch glatt der Herausforderung gestellt und versucht einen Gewinner zu ermitteln. Sandra, stationiert in Berlin hat sich der deutschen Küche angenommen und Kalina, derzeit wohnhaft in Warschau hat ein polnisches Gericht nachgekocht. Wird es wohl einen Gewinner geben? Kann es bei sowas überhaupt einen Gewinner geben? Wir werden sehen… eins ist klar, Hausmannskost bedeutet viel Arbeit, Herzblut, Ausdauer und kostet  so einige Nerven. Wir vergeben Punkte in der Kategorie: Zeit, Aufwand, Tradition und Geschmack.

In Berlin geht Sandra mit Rinderrouladen an den Start

Bevor es los geht, kommt noch Wissenswertes über die Geschichte der deutschen Küche:

Sauerkraut, Haxe und Weißwürste, so kennt man die Küche der deutschen außerhalb unseres Landes. Doch es ist viel mehr als das!

In den Jahres des zweiten Weltkrieges wurde die Nahrung, die sich aus traditionellen deutschen Zutaten und Rezepten zusammensetzte, stark rationalisiert. Somit hatten die Menschen nach Kriegsende Hunger auf NEUES. Appetit auf neue Geschmacksrichtungen und ausländische Gerichte. Somit brachten die deutschen Urlauber in den 60er Jahren Pizza, Gyros und Paella aus den südlichen Reisezielen Europas mit nach Deutschland. Doch damit nicht genug, die traditionelle Küche geriet ebenso in die Vergessenheit -oder besser gesagt man empfand sie nicht mehr als modern- als viele Einwanderer ihre Küche nach Deutschland brachten und hier etablierten. Heute ist die deutsche Küche geprägt von vielen Kulturen, was aber nicht zum Nachteil der Traditionsküche führt. Denn im Moment werden alte deutsche Klassiker wieder ausgepackt, neu interpretiert und somit wieder salonfähig gemacht.

Zubereitung der deutschen Rinderrouladen

Auf der deutschen Seite bereitet Sandra in Berlin das wohl beliebteste deutsche Gericht (laut Umfrage des Magazins ESSEN&TRINKEN) – die Rinderroulade – zu. Zugegeben, ganz einfach ist es nicht, aber die Herausforderung wurde angenommen und muss nun glatt über die Bühne laufen und einen Sieg davon tragen.

Rezept für 4 Rinderrouladen á la Oma

Mmmh lecker!
Mmmh lecker!

4 Stücke Rouladenfleisch
4 EL mittelscharfen Senf
1 Zwiebel
4 Stücke Speck nach Belieben auch vom Rind
2 saure Gurken
4 Lorbeerblätter
8 Piment

Beginnend mit dem sorgfältigen Waschen des Rouladenfleisches, wird anschließend jede nach oben liegende Seite kräftig mit einem EL mittelscharfem Senf eingestrichen. Danach die Zwiebel, Gürkchen und den Speck in Streifen schneiden, damit sie nachher schön in die Roulade passen.

Am obersten Ende des Fleisches werden nun (genau in dieser Reihenfolge) Speck, Zwiebeln und saure Gürkchen platziert. Danach werden die Rouladen in Richtung des nicht „belegten“ Teils eingerollt und anschließend mit einem Faden zusammen gebunden.

In einen gut vorgeheizten großen Topf mit Öl kommen die Rouladen und werden scharf angebraten. Und das auch etwas mit Schmackes, denn die angebratenen Stellen sind essentiell für den schönen kräftigen Geschmack der Soße.

Anschließend werden die Rouladen mit Wasser bedeckt. Zusammen mit drei Lorbeerblättern und dem Piment muss alles zusammen bei niedriger Hitze ungefähr 1 1/2 Stunden kochen.

Wenn die Rouladen gar und das Fleisch schön zart ist, werden sie kurz beiseite auf einen Teller gelegt. Nun ist die Soße dran! Speisestärke und kaltes Wasser in einem Becher anrühren und in die kochende Soße schütten, die wässrige Konsistenz ändert sich und wird etwas fester 🙂

Also den Punkt für das schnellere Gericht werden wir bestimmt nicht bekommen, aber vielleicht für besseren Geschmack? Wie sieht es auf der polnischen Seite aus?

In Warschau hingegen werden Kohlrouladen von Kalina zubereitet

Die Kohlroulade (polnisch Gołąbki) und ihre 800jährige Geschichte

In Warschau gab es traditionelle Gołąbki (zu deutsch: Tauben – in Deutschland auch Kohlrouladen genannt), Kohlwickel gefüllt mir Hackfleisch und Reis in Tomatensauce. Allein für den Namen sollte ich schon einen Extrapunkt bekommen 😛 Ursprünglich sind die kleinen Vögel zu uns aus dem heutigen Litauen/Weissrussland eingeflogen und sind daher insbesondere eine Spezialität am ostpolnischen Grenzgebiet (auch als Kresy bekannt). Damit haben die Gołąbki ihr 800-jähriges Traditionaljubiläum hinter sich! Und ich starte heute meinen ersten Gołąbki Kochversuch.

Zubereitung der polnischen Kohlrouladen

Bei mir fing der Morgen schon abenteuerlich an. Es war Sonntag, eigentlich wollte ich schon am Samstag die Einkäufe erledigen, hab aber wie immer vergessen, dass in Polen ein Feiertag anstand. Zum Glück ist aber hier zu Lande Sonntags alles geöffnet. Es ist also 9.00 Uhr morgens und ich flitze zum Supermarkt, stehe vor dem Gemüsestand und verzweifele schon daran welche Kohlsorte denn die richtige ist. Kurzentschlossen fragte ich die Verkäuferin und eine ältere Dame die sich unterhielten. Mein Glückstag! Ich hab nicht nur den richtigen Kohl in die Hand gedrückt bekommen, sondern wurde auch noch zutiefst demotiviert. Denn „wenn das dein erstes mal ist mein Liebchen, wirst du den ganzen Tag mit den Dinger verbringen, frohes Schaffen!“ war nicht gerade das was ich hören wollte. Aber selbst ist die Frau!

Ausserdem bekam ich noch die Männertipps meines Lebens… gratis! Aber dazu ein anderes Mal 😉

Ab nach Hause. 10.30 Uhr, nächstes Problem: meine Töpfe sind zu klein damit der riesen Kohl reinpasst (der muss vorher gekocht werden, damit die Blätter weich sind). Oma ging nicht ans Telefon und Mutti in Berlin meinte ich soll ihn ins Waschbecken legen und in heißem Wasser einweichen lassen. Gesagt, getan, nach 2 Stunden war er immer noch putzmunter und hart wie eh und je. Dann kam meine bessere Hälfte und riet die oberen Blätter vorsichtig abzumachen bis der Kohlkopf so klein ist, dass er in den Topf passt. Lebensretter! 3 Stunden später war es dann geschafft.. und der halbe Tag rum.

Aber nun gut, hier das Rezept:

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Kalina hat saubere Faltarbeit geleistet. Alle Achtung!

1 mittelgroßer Weißkohl oder Wirsing (am besten so dass er in eure Töpfe passt)
600g Hackfleisch
100g gekochter Reis
2 mittelgroße Zwiebel
je 1 TL Pfeffer, Salz (je nach Geschmack)
1 TL Scharfe Paprika

Für die Soße:

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Bei diesem Anblick läuft einem ja das Wasser im Mund zusammen.

1 l Gemüsebrühe oder Fleischbrühe
1 Packungen passierte Tomaten (ca. 400g)
je 1 TL Pfeffer, Salz (je nach Geschmack)
1 TL Scharfe Paprika
1 TL Oregano
1 EL Mehl
frischer Thymian
evtl. etwas Sahne

Strunk ausschneiden und wie schon beschrieben, erstmal den Kohl kochen bis er weich wird. Gleichzeitig kann man die Füllung zubereiten. Reis kochen, erkalten lassen. Zwiebeln raspeln und beides zum Hackfleisch hinzugeben. Pfeffer, Salz, und scharfe Paprika dazu und abschmecken.

Wenn der Kohl weich ist, kann man warten bis er erkalten oder mit kaltem Wasser etwas abspritzen. Vorsichtig die Blätter abmachen. Kaputte Blätter in einem großen Topf auslegen, so das der Boden bedeckt ist. Jeweils ein Blatt vor sich legen, in die mittle des Blattes ovale Portionen von der Füllung legen, unteren Teil rüberklappen, Seiten einklappen und schön fest einrollen. Ab damit in den Topf und die weiteren Rouladen aneinander legen. Wenn der Topf voll ist mit Rouladen 1-1,5 l Brühe dazugeben und für ca. 45min auf kleiner Stufe vorsichtig köcheln lassen.  Dann wird die Brühe vorsichtig in einen zweiten Topf gegossen, die Rouladen zur Seite gelegt und die Brühe nochmal erhitzt. Tomaten dazu, mit Salz, Pfeffer, Paprika, Oregano und Thymian abschmecken. EL Mehl mit etwas kaltem Wasser und Sahne verrühren und dazu geben. 5 Minuten auf mittlerer Stufe kochen lassen, dann wieder zu den Rouladen dazugeben und weitere 10 Minuten leicht köcheln lassen. Voila! 17 Uhr die Rouladen sind fertig, ich am Ende meiner Kräfte.

Geschmackstest auch bestanden, aber welche Roulade ist die bessere?

Möge die Bessere gewinnen.

Zeit und Aufwand: Wir glauben da ist die Rinderroulade eindeutig einen Schritt nach vorn. Vielleicht liegt es auch an Kalinas Rouladendebüt, dass die Rouladen fast 7 Stunden eingenommen haben, aber unsere Omis brauchen da auch länger als üblich. 😉

Tradition: Der Punkt geht mit seinen stattlichen 800 Jahren an die Gołąbki, obwohl deutsche und polnische Küche insgesamt eine jahrhundertelange Tradition hinter sich haben und ein Mix verschiedener Kulturen und Länder ist.

Geschmack: Definitiv unentschieden! Nicht umsonst heisst es doch: über Geschmack lässt sich streiten. Jeder hat anderen geschmackliche Vorlieben oder mal Lust auf was anderes.

Abschließend kann man zusammenfassend sagen, dass jede Kultur mit ihren unverkennbaren Geschmäckern einzigartig ist und somit unser Battle keinen eindeutigen Sieger hat. Wir lieben deutsche und polnische Küche, denn mit beiden sind wir aufgewachsen. Einen Sieger zu krönen wäre doch einfach nur unfair. 😉

Was meint ihr? Gerechtfertigt oder hättet ihr anders entschieden?

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