Überbewertet: Reichweite und Content

In Hamburg findet die Social Media Week statt. An vier Standorten kann man Workshops im Stundentakt besuchen. Mitverfolgen kann man das Mega-Event auf Twitter unter dem Hashtag #smwhh. Der Workshop von Jannis Rudzki-Weise in der Markthalle hatte Seminarcharakter, gute Beispiele, gute Einspieler, guter Erzählton. Und wir alle sind nun überzeugt: Die Reichweite ist überbewertet, der Content sowieso. Denn guter Content, den keiner sieht ist nichts wert und Reichweite an sich bringt auch nichts. Was sehr wohl etwas bringt ist Community Management. „Da setzen sich die Leute hin und lesen eins zu eins die Kommentare“, bestätigt Workshopleiter Rudzki-Weise auf Nachfrage.

Die Mythen der sozialen Medien

Das ist natürlich nicht alles. Einminütige Videos im Wochenrhythmus gehören ebenso zu einem guten Community Management wie Gewinnspiele. Da ist zum Beispiel ein junger Mann von 18 Jahren aus Mexiko, der an einem Gewinnspiel von Audi teilnahm. Das Video, dass er dafür drehte war nicht das Beste. Das Beste, was er tat, war es seine Community zu aktivieren. So siegt die Community über den Content. Gewonnen hat der 18-Jährige einen Traumtag im Audi-Werk in Los Angeles, Kalifornien, mit Führung, Probefahrt und allem drum und dran. Der Traumtag wurde exklusiv inszeniert und im Reality Format in Szene gesetzt. Das kam bei der Community gut an. Das „Einer-von-uns“-Gefühl traf auf die Marke.

Was bedeutet schon Reichweite, wenn man Markenbotschafter hat? Im Grunde sind es 1% der gesamten Follower, die sich für eine Marke wirklich interessieren. Sie würden auch Geld für die Marke ausgeben. Um diese 1% will sich Herr Rudzki-Weise kümmern und uns legt er es genauso ans Herz. Reichweite und Content enttarnt er als die großen Mythen der sozialen Medien. Effektiv bringt die Reichweite keine Einnahmen. Ebenso wenig wie Content, wenn er nicht von den Usern gesehen wird. Zudem ist es problematisch den Wert des Contents zu bestimmen und inwieweit sich der Aufwand lohnt. Was Rudzki-Weise als Low-Budget Video bezeichnete, glich eher einer high class production. Ganz ehrlich, das Video war besser produziert als viele Filme, die im Kino laufen.

Sein oder nicht sein? Oder so tun als ob?

Dass er von Audi überzeugt ist, kommt in jedem Satz durch. Jannis Rudzki-Weise gibt nicht nur Einblicke in die Welt der sozialen Medien, er macht die womöglich beste PR-Arbeit für seine Marke. Bloß nicht so wie früher ist dabei seine Devise. Umbrüche gehören zur digitalen Welt und wer mithalten will, muss mitmachen. Während er „You can’t do social, you have to be social“ zitiert, denke ich: An die Grundsätze auf seinen Folien hält er sich. Er gibt sich freundschaftlich, er sucht Antworten auf die Fragen des Publikums. Und das Publikum hängt an seinen Lippen. Mehr als 20 Minuten wurde der Workshop überzogen, weil die Fragen nicht aufhören wollten. Nur als Jannis Rudzki-Weise den Tipp gab, dass man auch mal „Guten Morgen!“ oder „Wie geht’s euch heute?“, posten sollte, ganz frei von Erwartungen, da fragte ich mich, ist das doing social oder being social?

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