unbezahlte Heldin: (Haus-)Frau!

Crashkurs in kritischer Kapitalismusanalyse (uuh, ich kritisiere das System):

In unserer heutigen Gesellschaft unterscheiden wir zwischen der produktiven und der reproduktiven Arbeit. Produktive Arbeit ist all das, was in den Fabriken und Arbeitsplätzen für unseren (Massen-)Konsum produziert wird, während wir unter reproduktiver Arbeit Dienstleistungen, wie Hausarbeit/Carework/Pflegearbeit verstehen, die oftmals in einer häuslichen Sphäre ablaufen. Diese Reproduktion wird zu über 80% von Frauen geleistet, es wird von einer  Feminisierung dieser gesprochen.

Feminisierung ist hierbei nicht nur als Überrepräsentation der Frauen in gewissen Tätigkeiten zu verstehen, wie etwa der Haushaltsarbeit, sondern viel mehr als eine historische und kulturelle Folge, denn im Laufe der Geschichte des Kapitalismus entstand eine Arbeitsteilung, die besagte, dass Frauen zu Hause und Männer außerhalb arbeiten sollten. Die Großfamilie wurde zerstückelt in die Kleinfamilie und jedem Individuum in der Familie eine gewisse Arbeit zugeteilt. Dadurch entstanden feste Rollen, worauf sich das System etablieren konnte. Der Mann war getrennt von Frau und Kind, konnte somit effektiver arbeiten. Frau war getrennt von Kind, welches ja 8/9 Stunden in der Schule war, und konnte somit effektiver im Haushalt arbeiten. Das Kind, getrennt von den Eltern, wuchs als neue Arbeitskraft auf.
Das interessante an der ganzen Sache ist aber doch, dass Männer für ihre Arbeit bezahlt werden und Frauen nicht. Aber warum?

 Ganz einfach. Man hat uns beigebracht und so sozialisiert, dass Haushaltsarbeit eine Art „Liebesarbeit“ ist, d. h. frau macht das doch gerne für die Familie! Sie kocht, putzt, gebärt und erzieht gerne die Kinder. Sie macht gerne den Einkauf. Sie hat gerne keine Pausen und keinen Urlaub. Da ist doch nichts dabei! Und wie sich alle doch immer so aufregen!

Der arme Mann muss 40 Stunden die Woche arbeiten (mit Kaffee- und Essenspausen, am Besten ist es auch noch ein Bürojob). Und darf dann, wenn er zu Hause ist erstmal abschalten. Zu Hause wartet ja seine liebevolle Frau und seine 2 Kinder auf ihn, am besten noch am Essenstisch mit einem dreigänge Menü. Das Haus ist natürlich bis auf das klitzekleinste Detail geputzt und abgestaubt worden, die Kinder sitzen artig. Und später bringt Mama, aka Allround-Talent, sie ins Bett, vorher die ganze Tortur mit Baden, Zähneputzen und Schlafanzug anziehen.

Da der Kapitalismus, wie wir alle wissen, ein ausbeuterisches System ist und für seinen Fortbestand die Kosten der Arbeitskräfte niedrig halten muss, wurde die Reproduktionsarbeit einfach als strukturelles Merkmal genutzt, d.h. wie schon oben benannt, wurde die Reproduktion als keine produktive Arbeit angesehen, ist sie im Sinne der Warenproduktion für den Markt ja auch nicht. Jedoch sah der einfache Bürger nicht, dass die reproduktive Arbeit, als die Haushaltsarbeit mitsamt Gebären und Aufziehen von Kindern die eigentliche Produktion ist, denn das System kann ohne Arbeitskräfte nicht bestehen bleiben. Da aber der Kapitalismus nun mal verdammt schlau ist, verschleierte man diese Tatsache und trichterte allen ein, dass Frauen ja total darauf abfahren den ganzen Tag zu Hause zu bleiben und auf die Kinder aufzupassen, während der Mann Marktware produziert. Und außerdem, wie schwierig kann das schon sein, die Haushaltsarbeit?

Damit wären wir bei einem anderen Punkt: systematische Abwertung. Gesellschaftlich gesehen empfinden wir die Hausarbeit ja als keine richtige Arbeit. Sie ist banal, langweilig, monoton, nicht professionell und bedarf keinen besonderen Softskills, wodurch wir sie verachten. Ja, wir werten sie also ab. Für uns sind alle anderen Tätigkeiten, „sogar“ die des Müllmannes beachtenswerter, als die der Hausfrau. Jedoch was wir vergessen: Durch die Abwertung der Arbeit geschieht parallel auch die Abwertung des Individuen, die diese Arbeit ausführen. Dadurch reproduziert sich der Kapitalismus: Abwertung –> Ausbeutung der unbezahlten Arbeit –> Verschleierung der Ausbeutung –> Level UP

[blockquote cite=““]„Aber der wichtigste Grund, Produktion und Reproduktion zu unterscheiden, ist, dass wir den grundlegendsten Aspekt der kapitalistischen Akkumulation nicht aus den Augen verlieren dürfen: die systematische Abwertung der Reproduktionsarbeit. Wenn der Kapitalismus die Individuen und das Leben an sich abwertet, dann ist es ein System, dem wir uns in allen unseren Kämpfen widersetzen müssen“ (Cooper/Federici.2012:26)[/blockquote]

Und das Witzige an diesen Tatsachen ist, dass selbst wenn die Frau nebenbei noch arbeitet und sich anderweitig beschäftigt (Emanzipation, Gleichberechtigung und so), sie IMMER für den Haushalt und die Kinder zuständig ist. Selbst wenn sie eine Putzhilfe hat, fühlt sie sich dazu gedrängt alles zu koordinieren. Ja, ja es wird ihr einfach in die Wiege gelegt.

 

(Inspirations-)Quellen: 

Encarnacion Gutierrez Rodriguez (2014)  „Haushaltsarbeit und affektive Arbeit: Über Feminisierung und Kolonialität von Arbeit“, in: PROKLA, Verlag Westfälisches Dampfboot: Münster.

Melinda Cooper/ Silvia Federici (2012) „Von der Hausfrau zur Leihmutter. Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus“, in: Luxemburg, Nr. 4, Berlin.

Bildquelle:

Posted by Made My Day on Donnerstag, 4. Dezember 2014

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