Schön bis zur Unkenntlichkeit.
Wangen- und Kinnkorrektur hier, Augenlider richten da, Nasenrücken noch schnell geebnet. So oder so ähnlich sehen manche Arztbesuche in oder auch nach Asien aus, genauer, Südkorea, das Chirurgieparadies. Nobody is perfect, also warum nicht nachhelfen? Stärkt gleichzeitig das Selbstbewusstsein, wenn man danach wie Barbie aussieht.

Traurig, dass dieses Denken auf manchen Teilen der Erde in einem solchen Ausmaß verbreitet zu sein scheint, dass es für viele kein Problem ist, sich unters Messer zu legen und jedes mal etwas mehr von sich wegoperieren zu lassen. Erst ist es nur der Nasenrücken. Dann sind es die Wangen. Und wenn man sich endlich mal so eine Lidfalte zulegen will, wie sie die meisten Nicht-Asiaten von Geburt aus haben, dann geht es richtig zur Sache. Eine Falte über dem Auge will jeder aber die, die mit dem Alter von alleine erscheinen, will keiner. Dann kommt vermutlich Botox zum Einsatz.
Ich erinnere mich ein paar Jahre zurück an den Tag, an dem mir die Weisheitszähne im oberen Kiefer gezogen wurden. Sie lagen keine zwei Zentimeter unter dem Auge. Klar war, ohne Vollnarkose geht hier gar nichts. Was im OP-Saal vor sich ging, habe ich natürlich nicht mitbekommen aber besonders schonend war der Eingriff nicht. Mein Gesicht schwoll in den Tagen darauf in Ohrhöhe an. Und das nicht nur an den Seiten, sondern über den gesamten Gesichtsäquator, wenn wir mit diesem Begriff liberal umgehen wollen. Auch um die Nase herum schien sich was getan zu haben, denn als ich in den Spiegel blickte und meine Augen nicht so recht auf den Blick erkennen konnte, erlebte ich den Schock meines Lebens. Da, wo sich meine kraterförmigen Augenringe befanden, hatte mein Gesicht an Höhe gewonnen. Die komplette Augenpartie war auf eine seltsame Art und Weise geschwollen, wie „gepusht“. Klar, an der Augenfarbe hatte sich nichts verändert. Das matschige grün-braun-Gemisch  war unverkennbar. Aber nicht zuletzt die Augenform macht das Auge aus.
Und so kam es, dass ich in meinen eigenen Augen nach mir selbst suchen musste bis ich das Nicht-Ich darin ausblenden konnte.
Zum Glück dauerte dieser Zustand (zumindest was meine Augen betraf) keine ganze Woche an. Dann waren meine Augen wieder meine Augen.
Und was ist mit den Asiatinnen? Erkennen sie sich nach der OP im Spiegel? Gewöhnen sie sich an die neuen Augen? Oder legt man sich mit so einem Eingriff quasi ein neues Ich an? Nach dem Motto, „neue Augen, neues Glück“.

Meine Lidfalte möchte ich zwar nicht missen, aber an meinem restlichen Ich möchte ich auch nicht herumschneidern lassen wie eine zu lange Hose, die mal gekürzt und am Bund gerafft werden muss. An Menschen ist nichts zu schneidern. Alle sind schön, ob mit oder ohne Lidfalte, ob mit Schuhgröße 39 oder 42.

 

Bildquelle: http://wallpapers-3d.ru/sstorage/53/2010/04/image_530304101457328817427.jpg

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