Als ich mir den Song "Rolling Stone" von the Weeknd vor mehr als einem Jahr zum ersten Mal angehört habe, hatte ich mir nicht viel Gedanken über das Wort "rolling stone" gemacht. Nach einigen Monaten und nachdem ich das Musikvideo dazu gesehen habe, dachte ich mir, jetzt ist es an der Zeit auf den Ursprung des Wortes zu greifen. Je mehr ich mich mit diesem Wort auseinander gesetzt habe, desto tiefer versank ich in die meta-Ebene des Wortes und verlor mich in der Ferne.

Die direkte Wortübersetzung von "rolling stone" ins Deutsche ist "Wandervogel". Jetzt stellt man sich natürlich die Frage, wie kommt man von einem rollenden Stein zum Vogel der wandert, vor allem wenn ein Vogel nicht wandert und fliegt und wenn ein rollender Stein nicht wandern kann. Geschweige denn fliegen.

Wenn man im Internet nach einer Definition für das Wort "rolling stone" sucht, findet man unter anderem auch eine ganz primitive und banale Beschreibung für dieses Wort: jemand der gerne reist und sich nicht an einen Ort bindet.

Neben der räumlichen Bedeutung ist dem Wort auch eine weitere Bedeutung zugewiesen. Rolling Stones, werden auch Menschen genannt, welche keine Bindung eingehen und sich an keine Person binden möchten. Anders gesagt, so nach dem Urban Dictonary, womanizer.

Doch wer kann sich denn nun als ein rollender Stein bezeichnen? Warum gibt es auf der Welt soviele Menschen, die reisen oder einfach mal mit einem Rucksack auf dem Rücken aufbrechen. Wie fühlt es sich an, ein rollendern Stein zu sein. Wie fühlt man sich wenn man frei ist. An nichts gebunden. Oder wie fühlt mal sich, wenn man frei sein möchte. Wenn man wie ein Vogel wandern und wenn man wie ein Stein rollen möchte. Nehmen wir mal mich als ein Exemplar. Ich reise sehr gerne. Seit August 2012 bin ich 13  Mal geflogen und mit dem Auto war ich auch unzählige Male unterwegs. Wenn man das Gefühl hat an einen Ort gebunden zu sein und einfach ausbrechen möchte. Man liegt in dem gemütlich eingerichteten Zimmer auf dem eigenen Bett, hat alles persönliche um sich herum. Alles ist vertraut! Nachts braucht man kein Licht mehr, wenn man aufs Klo geht. Im Dunklen findet man seinen Weg in der Wohnung. Doch drifftet man mit den Gedanken nach einer sich in der Ferne befindenden anderen Wohnung, die man einst bewohnt hat. Noch schlimmer, es sehnt einem nach einer neuen, noch nicht vertrauten Wohnung.

Man verlässt die Wohnung. Kennt die Straßen zur Universität auswendig. Deine Beine tragen dich ohne zu überlegen, ohne sie zu kontrollieren dorthin wo sie hinsollen. Doch mit den Gedanken sehnt man sich auf anderen Straßen zu laufen. Noch schlimmer, man sehnt sich sogar danach, sich zu verlaufen, mal nach dem Weg zu fragen. Eine Stadtkarte rauszuholen. Zu überlegen, wo man gerade ist und wie man zu dem Ziel kommt. Und plötzlich fühlt man sich in der Stadtmitte, auf dem Weg zur Uni, im Freien gefangen. Gebunden an einem Ort und in einem Hin-und-Her in welchem man den eigenen Pflichten hinterher rennt und dabei von sich selbt, für sich selbst, opfern muss. Was man nicht alles fur sich selbst opfert.

Dann sind da noch die gleichen Bilder, die gleichen Gerüche, die gleichen Gesichter, die gleichen Gefühle mit allem was man macht. Man wacht auf und schaut aus dem Fenster. Nichts was man nicht schon einmal gesehen hat. Verzweifelt sucht man nach einem Detail, den man davor nicht gesehen hat. Vielleicht ein Vogelnest. Oder ein momentanes Bild, gierig versucht man den Sonnenstrahl diesmal aus seinen Winkel so zu fangen, dass er diesmal mit einem anderen Licht über die Dächer streicht. Ein wenig hilft es. Man denkt, es ist doch die gleiche Sonne die überall auf der Welt scheint. Diese Sonne hat heute schon Asien gesehen, dem Himalaya das Eis erwärmt, der Sahara in Südafrika vor Hitze die Sandkörner qualmen lassen. Ein wunderschönes Bild, hat in der Karibik in Jamaika, in Trinidad an den Küsten seinen Untergang gehabt und hat das ganze Meer rot gefärbt. In der Kälte, am Nordpol wird sie heute noch im Schnee und Eis ganz warme Schimmer verteilen. Dann steht man im Zimmer und denkt über die Sonnenstrahlen und daran, dass man im Hier und Jetzt gefangen ist.

Wie sehr man sich danach sehnt endlich wieder neue Bilder zu sehen. Neue Straßen zu durchlaufen, neue Gebäude zu sehen, neue Gerichte zu probieren, neue Gesichter zu sehen. Neue Sitten kennenzulernen.

Man möchte aufwachen und nicht wissen, wohin der Tag einem heute Neues zeigen wird. Man schließt die Augen und öffnet sie wieder und es ist die gleiche Decke auf die man starrt. Manchmal muss man eben mit der Erinnerung leben bis man wieder ein Wandervogel sein kann. Manchmal muss sich der rollende Stein einfach mal niederlassen und Stein werden. Sich nicht bewegen. Einfach seine Pflicht erfüllen und Stein sein. Bis jemand kommt und den Stein wegkickt und er wieder ins rollen gerät.

Jetzt habe ich endlich verstanden warum rolling stone rolling stone heißt: ein Stein kann nicht rollen. Damit er rollen kann, gibt es einige Bedingungen die erfüllt werden müssen. Der Stein muss rund sein. Die Fläche muss eben sein und am besten auch noch von einer Steige runterrollen. Während dieser Stein runterrollt, wird es gewiss auf Barrieren stoßen. Vielleicht ein heruntergefallender Ast, vielleicht ein anderes Objekt, das auf dem Weg liegt und der Stein wird auf das Objekt prallen und entweder stoppen zu rollen oder mit so einer Wucht auf das Objekt stoßen, sodass es aus seiner Bahn gerät.

Oder neben mir mal das Wort "Wandervogel" auseinander. Die semantische Kategorisierung für einen Vogel ist mit fliegen verbunden. Wandern ist semantisch auf festem Boden codiert. Das heißt, dass ein Vogel nicht wandern kann, sondern fliegt. Außer es ist ein Zugvogel.

Die semantische Ausseinandersetzung hat mir gezeigt, dass es immer xx gibt im Leben. Auch wenn man ein rolling stone ist, sein möchte, oder auch wenn man ein Wandervogel ist, sein möchte, ist es nicht die Sache vom Stein, zu rollen und nicht die Sache vom Vogel, zu fliegen. An diesem Punkt angekommen habe ich gemerkt, auch wie sehr es einem nach der Ferne gelüstet, gibt es im Leben genau jene Bindungen die jemanden daran hindern, bindungslos und frei zu rollen und zu wandern. Einerseits Bindungen, welche man als Wandervogel nicht eingehen möchte und jene Bindungen die dir mit der Geburt gegeben wurden: deine Heimat, deine Familie und deine Schuld  dir Selbst, deiner Eigenpflicht, treu zu bleiben und was aus deinem Leben zu machen.

Fotoquelle: http://www.google.de/imgres?biw=1440&bih=712&tbs=isz%3Al&tbm=isch&tbnid=Nk0duIcqquAHPM%3A&imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.fotocommunity.de%2Fpc%2Fpc%2Fdisplay%2F21762775&docid=dpMXjoIDScur1M&imgurl=http%3A%2F%2Fimages.fotocommunity.de%2Fbilder%2Fwildlife%2Fwild-lebende-voegel%2Fwandervogel-e39eae0f-ba63-45f5-9030-e797f781c655.jpg&w=1000&h=800&ei=xYsEU6CgHIbrywOOQA&zoom=1&iact=rc&dur=788&page=1&start=0&ndsp=21&ved=0CGsQrQMwBg

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