Von der Liebe

Viel wurde schon über die Liebe geschrieben, gedichtet oder gesungen. Auch einige von uns und unseren Beiträgen setzen sich mit diesem Thema in ihren verschiedensten Facetten auseinander. Fazit ist: Oft ist es nicht so leicht, zu lieben oder geliebt zu werden. Ein kleiner Auszug aus dem Buch „Der Prophet. Der Narr. Der Wanderer“ von Khalil Gibran verdeutlich in einer sehr poetischen und literarischen Weise, was denn nun DIE Liebe ist oder sein kann, falls es einer eindeutigen Definition bedarf:

Dann sagte Almitra: Sprecht zu uns von der Liebe.

Und er hob seinen Kopf und betrachtete die Menschen und sie wurden still. Und mit lauter Stimme sagt er:

Wenn die Liebe euch streift, so folgt ihr,

Auch wenn ihre Wege hart sind und steil.

Und wenn ihre Flügel euch umhüllen, so gebt ihnen nach,

Auch wenn das Schwert euch verwunden mag,

das ihre Schwingen verbergen.

Und wenn ihre Stimmen eure Träume zerrüttet,

so wie der Nordwind euch den Garten verwüstet.

Denn wie die Liebe euch krönt, so kreuzigt sie euch.

Und wie sie euch wachsen lässt, so schneidet sie euch auch zurück.

Und wie sie an euch emposteigt und eure zartesten Triebe zärtlich umkost, die in der Sonne erzittern,

Ebenso steigt sie zu euren Wurzeln hinab und rüttelt an ihrem Halt in der Erde.

Wie ein Korngarben lädt sie euch auf.

Drischt euch, um euch zu entblößen.

Siebt euch, um euch von Spelzen zu befreien.

Malt euch zu gänzlicher Weiße.

 […]

All diese Dinge wird euch die Liebe antun, damit ihr die Geheimnisse eures Herzens erkennt und in dieser Erkenntnis euch verwandelt in einen Teil des einen Herzens des Lebens. 

[…]

Die Liebe gibt nichts als sich selbst und nimmt nichts als von sich selbst.

Die Liebe besitzt nicht noch kann sie besessen werden.

Denn die Liebe ist nur sich selbst, der Liebe genug.

 

Der Prophet. Der Narr. Der Wanderer von Khalil Gibran. S.18f. Anaconda Verlag

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