Sagen und Legenden werden oft im Deutsch oder Geschichtsschulunterricht durchgenommen. Sie bieten viele interessante Elemente der moralischen Erziehung an und treiben auch die Fantasie der Schüler an. Doch was für uns eine bloße Geschichte, sprich Sage ist, kann für andere ihre wahre historische Geschichte sein. Sprich keine Legende sondern Wahrheit. 

Eine alte kurdische Legende besagt, dass ein Tyrann namens Zohak im Land Shahrazur[1] eine Schreckensherrschaft führte und seine Untertanen unterdrückte. Eines Tages wuchsen Zohak zwei Drachen aus seinen Schultern, dies das unterdrückte Volk von nun an täglich mit zwei Gehirnen ihrer Kinder füttern musste. Jedoch gelang es ihnen eines Tages den Tyrann zu überlisten und sie fütterten die Drachen mit Lammhirnen. Die geretteten Neugeborenen brachten sie in den Bergen unter. Aus den Nachkommen der geretteten Kinder sei der Stamm der Kurden entstanden (Vgl. Aziz 1999: 29). Doch nicht immer gelang es ihnen Zohak zu überlisten und sie mussten seine Drachen mit Kinderhirnen füttern. Hiervon war der Schmied Kawe betroffen. Schon acht seiner Kinder wurden zum Opfer der Drachen. Nun war sein neuntes Kind an der Reihe. Auf dem Berg, wo der entstandene kurdische Stamm lebte, zündete Kawe ein großes Feuer[2] an und rief das unterdrückte Volk zum Aufstand auf. Einige hängten sich ihm an, andere ließen sich von Zohak einschüchtern. Kawe hingegen gelang es, bis zu einem Mann gegen Mann Duell mit Zohak. Trotz Hindernisse und Überlegenheit Zohaks, gelang es Kawe den Tyrann zu erschlagen und wurde zum Held des hinterbliebenen Stammes, der Kurden (Vgl. Aziz Name 1999: 29 f).

Mit dieser Legende kann die Sage der Nibelungen und dem Helden Siegfried assoziiert werden. Genauso könnte diese Stelle aus einer Erzählung von Tolkien stammen oder eines ähnlichen Fantasy Roman Autors. Doch ist es das Werk eines persischen Dichters Firdawsi aus „Shahnahma“ (Vgl. Aziz Name 1999: 29).

Bestandteile der Legende sind Mut, Tapferkeit, Ehre sowie auch der Kampf um das eigene Überleben und der Freiheit. Was, wenn diese Geschichte in einen Film übertragen wird? Die Handlung liefert spannendes Filmmaterial. Welches Genre wird dieser Film erhalten? Der Legende nach, muss die Handlung des Filmszenarios abenteuerliche und auch dramatische Szenen beinhalten. Sprich, um das breite Publikum anzusprechen bedarf es auch einer Liebesgeschichte. Diese liefert ein weiterer persischer Dichter „Khani“ aus seinem Nationalepos über die Fürstenkinder Mam und Zin, welche durch die bösen Herrscher getrennt werden und erst im Tod zueinanderfinden (Aziz 1999: 33). Damit wäre der Regisseur ebenfalls zufriedengestellt.

Doch wie sieht das Ganze aus, wenn es sich nicht um eine bloße Legende handelt, sondern um die Realität über ein bestimmtes Volk?

So wird aus einer Legende plötzlich eine wahre Geschichte im internationalen Raum. Denn viele Bestandteile dieser Legende boten schon starken Konfliktstoff in politischen Auseinandersetzungen. Auf diese Ebene möchte ich hierbei nicht eingehen, da dies nicht die Intention dieses Artikels ist. Sondern vielmehr die Idee, dass viele Heldensagen und Legenden nicht nur bloße Märchen sind, sondern einen realen Teil in sich verbergen, welcher jedoch mit der Zeit verschwindet und nur noch als Stoff für eine Unterrichtsstunde oder Gute Nacht Geschichte dient.

 

 

Original Bildquelle unter : http://www.buecher-magazin.de/files/imagecache/highslide_full/cover/deutsche_sagen_und_legenden.jpg

[1] Das Wort ‚Shahrazur’ stammt aus den persischen Wörtern „shah“ (König) und „razur“ (Wald), welches die Bedeutung königlicher Wald einnimmt. In diesem der Sohn des Königs Zohak seine Herrschaft ausübte (Vgl. E.J.W. Gibb Memorial Series (1954) E.J.Brill Press, University of California)

[2] Dies Feiern die Kurden jährlich als Neujahrsfest, Nevros, in Andenken an den Helden Kawe, der ebenfalls ein Feuer anzündete um den Kampf seiner Freiheit aufzurufen (Vgl. Hermann 2008)

 

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